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WhiteTapes Alben des Jahres 2016

In unserer ersten Jahresliste dieses Jahr zeigten wir euch nicht nur, welche Bewegtbilder einen Eindruck bei uns hinterlassen haben, sondern dachten auch darüber nach, wie zeitgemäß das Format Musikvideo eigentlich noch ist. Heute steht der zweite und letzte Teil unserer Listen ins Haus, die Albumliste. Aber auch hier wollen wir nicht einfach in die Aufzählung starten, sondern genauso die Notwendigkeit von Album Reviews beleuchten.

Fest steht: für uns hat auch dieses Format längst ausgedient. Das war aber auch schon so, bevor wir im Sommer 2008 mit WhiteTapes starteten. 2003 war es bei Ariane, dass sie das letzte Mal eine Rezension von einem ihr bis Dato unbekannten Künstler las (Pete Yorn – Day I Forgot), sich kurzerhand im Plattenladen besagte Platte schnappte, anhörte und kaufte. Bei mir war es 2005, das Debüt von Clap Your Hands Say Yeah. Lesen, aus reinem Zeitvertreib, wie damals, tun wir auch sehr sehr lange nicht mehr. Vielleicht, weil wir uns unsere Meinung lieber selbst bilden und uns die von irgendjemand anderem nicht interessiert. Wichtig ist für einen doch, ob man selbst das Album mag oder nicht. Und wenn man schon Fan der Band sind, hat man erst Recht keine Verwendung für die Meinung von einer unbekannten Person. Was kümmert es mich, ob jemand anderes mein Album des Jahres mag? Nix. Warum schreiben wir also Reviews hier? Gute Frage. Die einzige, wirkliche, Antwort, die uns einfällt, ist, dass wir alle daran gewöhnt sind – genauso, wie an Musikvideos. Beides existiert doch so lange, wie wir Anfang/Mitte 30 Jährigen irgendwann das erste Mal mit etwas anderem, als Kinderliedern, konfrontiert waren; bzw. natürlich schon viel länger.

Ist es bei euch vielleicht anders? Wer entdeckt noch Bands via einer gelesenen Review? Wenn man, selbst ohne, dass man die Band kennt oder einen Song gehört hat auf einem Blog, irgendetwas am Namen oder dem gesehenen Albumcover interessant findet (unter anderem solche Faktoren haben uns schon immer dazu veranlasst, einfach mal eine Band anzuhören), dann geht man doch lange zu Streaming Diensten und hört rein – oder nicht? Das taten wir selbst tatsächlich irgendwann via Amazon so. Anspielproben von 13 Songs ergeben dann doch einen ganz guten Eindruck, der auch nie täuschte. Ist es nicht viel einfacher, eine Band vor dem Album zu entdecken? Das ist schließlich auch der Grund für Musikvideos und Radio. Man soll eine Band kennen lernen, dann das Album kaufen, dann auf ein Konzert gehen. Gut, diese Reihenfolge hat sich längst geändert, aber darum geht es hier nicht.

Bringt es einer jungen, unbekannten, Band nicht viel mehr, wenn viele Seiten über jeden Stream berichten, als wenn in irgendeiner Pressemail steht, dass der Rolling Stone USA das Album mit wie viel Punkten auch immer bewertet hat? Diese Mails lesen potentielle Fans nicht (und bereits bestehende Fans haben keinen Bedarf) – wie auch, sie erhalten sie ja nicht. Uns haben solche Zusätze bisher eher immer abgeschreckt. Nur, weil die New York Times oder der Focus, die ja so viel mit Musik zu tun haben in ihrer Rolle, eine Platte feiern und in der Review entweder den selben Pressetext stehen haben zur Hälfte, den auch wir geschickt bekommen haben und/oder man auch noch merkt, dass die Platte nicht mal angehört, sondern nur kurz das aktuelle Video angespielt wurde, sollen wir die Platte mögen? Das macht keinen Sinn. Genauso wenig, wie die zig Pressemails mit Bitte zur Review, die freundlicherweise direkt mit dem Vermerk „Text honorarpflichtig. Bitte VOR Veröffentlichung melden“ schon angehängt ist, sodass man selbst außer copy/paste nichts mehr zu tun hat.

Wir glauben auch nicht, dass so viele Seiten sich beeinflussen lassen, sodass sowas einer Band tatsächlich mehr Aufmerksamkeit bringen würde, als weltweit in unzähligen Blogs Erwähnung zu finden. Mit beeinflussen hat das eh nichts zu tun. Wer darauf eingeht, vergibt einen reinen Werbeplatz und da ist es egal, ob es eine solche (nicht)Review oder ein Banner mit Werbetext ist. Größere Bands, wie Lambchop, brauchen sowas erst Recht nicht (aktuelles Beispiel aus unserem digitalen Postfach). So wirklich können wir die Notwendigkeit von Reviews also nicht mehr nachvollziehen. Der Sinn in der Maschinerie ist klar – das ist der Selbe, wie bei Filmen, Theater und Büchern. Dort ergibt es aber auch noch einen Sinn, da sich so viel, wie auf beiden Seiten in der Musikbranche, sprich, der Industrie und den Fans, dann doch nicht geändert hat. Aber, nur, weil etwas aus Gründen immer so war, bleibt Veränderung nicht aus und man sollte sich vor ihr auch nicht Verschließen. Gedankenanstoß: wäre es nicht viel schöner, auf Seiten, wie unserer, Bandportraits zu lesen, statt einer Review? Über Bandportraits kann man eine Bands anderen sehr schön vorstellen und auch für sich entdecken, egal, ob als Auto des Portraits oder auf der anderen, eurer Seite. Das Konzept ging schon immer in Musikzeitschriften auf, warum sollte dies nicht auch bei Blogs klappen. Vielleicht ist das so nicht gut durchführbar, als Hobby noch schwerer. Das Internet ist schnelllebig. Sind die Blogs nicht Hauptberuf für uns, ist die Zeit für ein Portrait vielleicht schwer aufzubringen. Auf der anderen Seite würde die Zeit, die man auf Reviews verbringt, natürlich frei.

1. Money – Suicide Songs

Money - Suicide Songs

 

 

 

 

 

 

 

 

Niemand behandelt das Thema Selbstmord so gefühlvoll und doch unbekümmert, wie Jamie Lee von MONEY. Eine berührende Platte, die keineswegs auf die auf Teufel komm raus auf die Tränendrüse drückt oder depressiv wirkt.
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2. Keaton Henson – Kindly Now

Keaton Henson - Kindly Now

 

 

 

 

 

 

 

 

Zerbrechlichkeit mit viel mehr WUMMS, als die meisten erwarten, wenn sie die Klassifizierung Singer-Songwriter hören.
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3. Fear Of Men – Fall Forever

Fear Of Men - Fall Forever

 

 

 

 

 

 

 

 

Dunkler und elektronischer, als das Debüt, mit einer guten Portion Wave und Shoegaze. Fall Forever widerlegt mal wieder das Klischee vom schwierigen, zweiten Album.
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4. Teleman – Brilliant Sanity

Teleman - Brilliant Sanity

 

 

 

 

 

 

 

 

Für das zweite Teleman Album gilt das selbe, wie für Fall Forever von Fear Of Men. Keine Spur vom schwierigen, zweiten, Album. Viel mehr aber noch: Brilliant Sanity ist das Album, das Vorgängerband Pete And The Pirates ihren Fans, und sich selbst, schuldig geblieben sind. So verursacht Brilliant Sanity ein wenig Nostalgie, aber auch Freude auf das, was Teleman in der Zukunft machen werden.

5. Douglas Dare – Aforger

Douglas Dare - Aforger

 

 

 

 

 

 

 

 

Elektronischer, als auf dem Debüt, aber nicht elektronischer, als seit einer ganzen Weile schon live. Dazu reduziert und der unverkennbare, leicht soulige, Gesang von Douglas Dare – ohne künstlich zu wirken, wie so viele andere.
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6. Frightened Rabbit – Painting Of A Panic Attack

Frightened Rabbit - Painting Of A Panic Attack

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein schwieriges Album. Für uns jedenfalls. Wir hatten einige, sehr eindeutige, Probleme mit dieser Platte. Bis es plötzlich beim Autofahren klickte und das Album Spaß machte. Die Kritikpunkte sind zwar noch da, stören uns aber nicht mehr, sodass das Album von „das wird es vielleicht nicht mal in die Jahresliste schaffen“ zu „huch, Platz 6 sogar“ geschafft hat.
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7. Daughter – Not To Disappear

Daughter - Not To Disappear

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Jahr wurden viele Debütnachfolger veröffentlicht, die richtig gut waren und keine einzige Augenbraue zum hochziehen veranlassten. Auch Daughter haben das geschafft und auch hier wurde es elektronischer und eine Spur dichter, nachdenklicher und drückender. Ein klares Muster ist bei den Releases 2016 zu erkennen, wenn sie auch kaum bis gar nicht vergleichbar sind.
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8. Preoccupations – Preoccupations

Preoccupations - self titled album

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus Viet Cong wurde 2016 Preoccupations. Am Sound hat sich nicht wirklich etwas verändert. Wie auch letzte Jahr, ein verdienter Platz in unserer Liste.
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9. Albert Af Ekenstam – Ashes

Albert Af Ekenstam - Ashes

 

 

 

 

 

 

 

 

Albert Af Ekenstam haben wir im August erst kennen gelernt. Gute Musik braucht aber zum Glück nicht viel Zeit, um zu wirken. Ein, eigentlich, typisches Singer-Songwriter Album, mit kühler Stimmung, das perfekt in die kältere Jahreszeit passt.
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10. Radical Face – The Family Tree: The Leaves

Radical Face - The Family Tree: The Leaves

 

 

 

 

 

 

 

 

Der letzte Teil der Family Tree Reihe. Auch, wenn es mittlerweile vielleicht Zeit wurde, die Reihe endlich zu beenden und tiefer in neuere Sounds einzutauchen, ist The Leaves genauso gut, wie seine beiden Vorgänger.
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11. New Desert Blues – To Be My Own

New Desert Blues - To Be My Own

 

 

 

 

Wir hatten New Desert Blues schon länger auf dem Schirm, als es dann aber an das Debüt ging und die ersten Songs daraus veröffentlicht wurden, waren wir uns gar nicht mehr so sicher mit der Band. Dann kam das Debüt und hat auf ganzer Linie überzeugt. Der Einzige Grund, warum es nicht in den Top Ten auftaucht, ist, dass wir es wieder immer irgendwie übersehen und so nicht so oft gehört haben, als dass es sich auf einer eindeutigen Position hätte festbeißen können.
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12. Minor Victories – Minor Victories (s/t)

Minor Victories - Minor Victories (s/t)

 

 

 

 

Hier war ja von Anfang an klar, dass die Überband Minor Victories einen Knaller abliefern würde. Ganz so laut war der Knall für uns zwar nicht, aber dennoch laut genug, um auch in unserer Liste aufzutauchen.
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13. Muncie Girls – From Caplan To Belsize

Muncie Girls - From Caplan To Belsize

 

 

 

 

Punk geprägter Indie-Rock mit DIY-Charme, inspiriert von der Riot Grrrl Bewegung und Elastica – mehr braucht man zur Band eigentlich nicht sagen. Diese Mischung steht dem Trio wirklich gut und wir sind ein bisschen knatschig, dass wir erst letzten Monat so richtig zur Band gefunden haben.
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14. Get Well Soon – Love

Get Well Soon - Love

 

 

 

 

Wir geben es zu, wir mögen Get Well Soon ein wenig depressiver und nicht ganz so glatt produziert, eindeutig lieber. Das ändert aber nichts daran, dass auch Love ein Album ist, das einem gibt, was man vermutet und so ist es irgendwie auch egal, wo sich das Album einreiht.
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15. Travis – Everything At Once

Travis - Everything At Once

 

 

 

 

Wirklich enttäuscht hat uns im Prinzip noch nie ein Travis Album. Richtig gegriffen, aber auch länger nicht mehr. So ist es auch bei Everything At Once. Warum das Album trotzdem hier auftaucht ist aber klar: genauso, wie das Teleman Album, lief es andauernd im Sommer, wenn wir im Auto saßen. Es muss also doch einiges gefallen haben.
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16. Yohuna – Patientness

Yohuna – Patientness

 

 

 

 

Das Album von Yohuna wurde von ihr selbst, zusammen mit Owen Pallett produziert. Patientness ist ein luftiges, oft verschrobenes, kleines Album einer Sängerin mit sehr schöner Stimme, das wir immer noch nicht ganz einordnen können, es aber unbedingt in dieser Liste haben wollten.
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17. LNZNDRF – LNZNDRF (s/t)

LNZNDRF

 

 

 

 

LNZNDRF ist eine kleine, ausnahmsweise mal, unauffällige, Super-Band und besteht aus Benjamin Hofer Lanz (Beirut und Hoferlanz) und Scott Devendorf und Bryan Devendorf (beide National). Das selbst betitelte Album bietet einen verschrobenen, nicht unbedingt leicht einzuordnenden Sound. Lo-Fi, Elektro, Soundwänden, Klangflächen (die fast esoterisch anmuten, aber zum Glück dran vorbei schrammen), spärlichem Gesang, der in seiner Art an die 90er erinnert ..von Allem ist etwas dabei. Wir hätten nicht gedacht, dass es das Album in unsere Jahresliste schafft. Es lief jedoch so oft letztlich, dass uns keine andere Wahl blieb, als es aufzunehmen.
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18. Hiva Oa – mk II part 1 (EP)

Hiva Oa - mk II part 1 (EP)

 

 

 

 

Nun kommt ein Bruch hin zu EPs, die wir auch nicht außen vor lassen wollten.

Hiva Oa sind seit 2012 bereits Thema bei uns. Viel veröffentlicht wurde leider nicht, aber das änderte sich dieses Jahr und wir waren wieder genauso angetan, wie zuvor. Grob könnte man den Sound als Radiohead, Dream-Pop und Shoegaze inspiriert beschreiben und jeder wüsste, was er bekommt. Einfach mal rein hören, schön atmosphärisch.
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19. Haux – All We’ve Known (EP)

Haux - All We've Known (EP)

 

 

 

 

Haux macht verträumten Folk, gemischt mit atmosphärischen, elektronische Texturen. Eine Mischung, die auf geht und auch beim diesjährigen Reeperbahn Festival für Begeisterung sorgte.
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20. Meursault – Simple Is Good (EP)

Meursault - Simple Is Good (EP)

 

 

 

 

Nachdem das Ende von Meursault bekannt gegeben und Supermoon gegründet wurde, gab es leider nicht mehr viel Musik zu hören. Irgendetwas schien zu blockieren. Also zurück zu Meursault und raus mit der ersten EP seit der 2014er Rarities-Sammlung „The Organ Grinders Monkey“. Wir finden diese Entscheidung klasse.
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Außer Konkurrenz: Devon Welsh – Down The Mountain (EP)

Devon Welsh - Down The Mountain (EP)

 

 

 

 

„Außer Konkurrenz“ bedeutet an dieser Stelle nicht, dass die EP so unglaublich ist, dass sie sich jeglicher Bewertung entzieht. Down The Mountain ist eine kleine Sammlung von Songs und ersten Versionen, die es nicht auf die Majical Cloudz Alben geschafft haben, bevor sich die Band auflöste. Außer Konkurrenz deshalb, weil es an sich kein richtiger Release ist laut Devon Welsh, sondern vielmehr ein „aus dem Weg schaffen“. Eine fast wahllose Sammlung an Erinnerungen, die raus müssen, damit Neuem der Weg frei gemacht wird. Trotzdem eine wirklich schöne Sammlung und so mussten wir sie euch einfach noch mal ans Herz legen.
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