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Unser 2010 – die WhiteTapes Alben des Jahres

Etwa 11 Stunden lang heißt es auf dem Kalender nun noch 2010, heute Nacht begrüßen wir dann mit mehr als nur einem großen Knall die Schnapszahl 11. Höchste Zeit also, noch ein letztes Mal auf dieses Jahr zurückzublicken. Und mit was könnte man das besser tun, als mit einer Rückschau auf unsere liebsten Alben des Jahres. Wieder hübsch sortiert nach Redakteuren. Garniert wird die jeweilige Liste noch mit enttäuschenden Platten und den persönlichen Entdeckungen, die keine Newcomer waren.

Ariane

hhh

1. Owen Pallett – Heartland
4 Jahre ist es her, dass Owen Pallett sein zweites Album “He Poos Clouds” veröffentlichte, damals noch unter dem Pseudonym Final Fantasy. Seitdem war geduldiges Warten angesagt (nicht aber ohne der ein oder anderen EP zu lauschen). Die Zeit erscheint schnell zäh, doch im Fall von Owen Pallett wartet man gerne. Inzwischen hatte er alle Songs, die auf Heartland erscheinen würden mehrfach live erprobt und man selber (oder zumindest ich) konnte die Spannung, wie sich die Stücke letztendlich als Studiokomposition anhören würden, kaum noch aushalten. Die Vinyl vorsichtig in den Plattenspieler gelegt, die Nadel gesenkt… und seitdem kaum wieder gehoben.

2. Perfume Genius – Learning
Die Band Los Campesinos hat mich auf den jungen Amerikaner gebracht, der dieses Jahr nicht nur sein Debutalbum veröffentlichte, sondern ebenfalls sein allererstes Konzert spielte.
Eine helle Stimme, klares Pianospiel – Beweis dafür, dass nicht viel Tamtam nötig ist.

3. Villagers – Becoming A Jackal
Ein 27jähriger Ire mit dem Namen Conor. Hört sich an, als hätte man das schon mal gehabt. Dann legt man die CD ein und vergisst alles um sich herum während Geschichten vom Erwachsenwerden und Selbstfindung erzählt werden. Die Vergleiche mit Conor Oberst von Bright Eyes sind ein Kompliment 1. Güte, denen Conor J. O’Brien an Hörvergnügen und Qualität in nichts nachsteht.

4. Paul Smith – Margins
2010 ist das Jahr der Frontmänner gone solo. Es scheint, als hätten sich alle an einem Tisch versammelt und beschlossen, dieses Jahr würden sie sich nicht mit ihren Bands Konkurrenz machen, sondern direkt von Angesicht zu Angesicht. Ein Battle der anderen Art. Was man schnell vergisst ist, dass so ein Album nicht von heute auf morgen geschrieben, aufgenommen und produziert, gemastered und gepresst werden kann. Mit dem Schreiben hat Paul Smith schon vor 5 Jahren angefangen – also zeitgleich mit den ersten Erfolgserlebnissen mit Maximo Park. Immer wieder ist er bei seinem Kumpel Andrew Hodson eingefallen und hat dessen Studio in Beschlag genommen. Was dabei über die Jahre entstanden ist, ist natürlich anders als das, was er mit Maximo Park veröffentlicht. Die einzige Parallele die Stimme und die im Vordergrund stehenden Gitarren. Alles andere spiegelt eine Seite des Sängers wieder, die man vielleicht nicht vermuten würde. Ruhige Klänge, die nach einem ruhigen Publikum schreien.

5. Freelance Whales – Weathervanes
2009 haben die Freelance Whales ihre Platte bereits ohne Label self-released, wie es so schön heißt. Damals hatte ich mir Weathervanes schleunigst zugelegt und war nun ganz irritiert, als es hieß am 26. November würde das Debut der Bands aus Queens erscheinen. Umso besser aber, denn so kann ich die Platte mit einem zufriedenen Twee Pop-Lächeln auf.

6. Frightened Rabbit – The Winter Of Mixed Drinks
7. Meursault – Pissing On Bonfires/Kissing With Tongues
8. Field Music – Field Music (Measure)
9. Blood Red Shoes – Fire Like This
10. Lightspeed Champion – Life Is Sweet! Nice To Meet You.

Die größten Enttäuschungen
Fran Healy – Wreckorder

Fionn Regan – The Shadow Of An Empire

Fotos – Porzellan

James Yuill – Movement In A Storm

Ra Ra Riot – The Orchard

Die persönlichen Neuentdeckungen
The Honey Trees

The Depreciation Guild

Björn Kleinhenz

Let’s Buy Happiness

Asiye
Asiye

hhh

1. Efterklang – Magic Chairs
2. Arcade Fire – The Suburbs

3. Caribou – Swim

4. The National – High Violet

5. God Is An Astronaut – Age Of The Fifth Sun
6. Walter Schreifels – An Open Letter To The Scene
7. Sufjan Stevens – The Age of Adz
8. Crystal Castles – Crystal Castles
9. Shearwater – The Golden Archipelago
10. You Say Party – XXXX

Die größten Enttäuschungen
Robyn – Body Talk Pt.1

Badly Drawn Boy – Is There Nothing We Could Do?

Die persönlichen Neuentdeckungen
Bon Iver

The Twilight Sad

Chiara
Chiara

hhh

1. Gregor McEwan – Houses and Homes
Das perfekte Album für den Herbst. Gregor McEwan solo ist ja auch schon ein Genuss, aber vor allem durch die Unterstützung der Mitwirkenden auf der Platte wird das Hören wirklich zu einem Erlebnis. Cello, Mandoline und vor allem die wunderbare Stimme von Tess Wiley geben den Songs das gewisse Etwas.

2. The Late Call – You already have a home
Noch ein perfektes Album für den Herbst… aber hier schwingt für mich noch ein wenig Sommergefühl mit. Johannes Mayer schafft es mit seinem zweiten Album mich mal wieder zu verzaubern. 2008 sah und hörte ich ihn zum ersten Mal beim Eurocityfest. Es regnete in Strömen. Er hatte einen Gastauftritt bei einer befreundeten Band. Es war also nur ein Song… aber der war das Highlight meines Tages und dafür hat es sich absolut gelohnt komplett durchnässt nach Hause zu kommen.

3. Beat!Beat!Beat! – Lightmares
Auf ihrem Debütalbum zeigen die vier, dass sie doch gar nicht so recht in die Schublade passen, in die sie von vielen vorher gesteckt wurden. Ein klasse Album, das sowohl tanzbare Titel als auch Songs zum entspannten Zuhören beinhaltet. So viel Vielseitigkeit hatte ich ihnen tatsächlich auch nicht zugetraut.

4. Diego – Gold
Leider habe ich diese Band erst 2010 entdeckt. Mit ihrem inzwischen dritten Album haben sie mich zuerst live begeistern können. Irgendwas zwischen Joy Division, Interpol und Editors, aber diese Vergleiche kommen ständig und die Jungs können das inzwischen auch nicht mehr hören. Selbst, wenn Parallelen erkennbar sind, haben die fünf Karlsruher doch eine meiner Meinung nach ganz eigene Note in ihrer Musik.

5. Laura Marling – I speak because I can
Die zauberhafte Laura Marling… Inzwischen ist ihre ehemalige Backingband Mumford & Sons leider schon bekannter als sie. Dabei zeigt sie mit ihrem zweiten Album, dass sie für eine 20-Jährige doch sehr erstaunliche Songs schreiben kann. Vielleicht war es das, was mir bei ihrem Debüt noch etwas fehlte. I speak because I can ist ein sehr weiter Schritt nach vorne für die junge Engländerin. Ich bin wirklich gespannt, was noch aus ihr werden kann.

6. Darwin Deez – Darwin Deez
7. Arcade Fire – The Suburbs
8. I Am Kloot – Sky at Night
9. Blood Red Shoes – Fire like this
10. Interpol – Interpol

Die größten Enttäuschungen
Brandon Flowers – Flamingo
Fran Healy – Wreckorder
Jimmy Eat World – Invented
Yoav – A Foolproof Escape Plan

Die persönlichen Neuentdeckungen
Beat!Beat!Beat!
The Honey Trees
Klubgrün
Darwin Deez
Diego

Kristina
Kristina

hhh

1. Warpaint – The Fool
Die meistgespielte Band auf meinem Ipod und meinem Plattenspieler im Jahre 2010. Warpaint haben mit The Fool ein hypnotisches, träumerisches Album gemacht, das über Trends nur lächelt und seine eigene Klanglandschaft erfindet. Mit weitem Vorsprung mein Album des Jahres.

2. Grass Widow – Past Time
Ein Album, das dieses Jahr bei weitem nicht den Respekt bekommen hat, den es verdient. Grass Widow aus San Francisco, ein Punk-Trio mit dreistimmigen melodischen Gesängen, das den Bass mehr in den Mittelpunkt ihrer Musik rückt, als die meisten anderen Bands. Mein Lieblings-Release auf Killrockstars in 2010. Und nein, sie klingen nicht wie die Vivian Girls, werden aber zurecht als die neuen Sleater-Kinney gehandelt.

3. Beach House – Teen Dream
Der einzige Fehler, den diese Band hat, ist das sie 2010 immer genau dort Konzerte gespielt haben, wo ich gerade nicht war. Ansonsten steht dieses Album nur nicht auf Platz 1, weil Warpaint und Grass Widow mein Herz noch ein klein bisschen mehr überschäumen lassen. Jeder, der das nicht für eine ausreichende Begründung hält, sollte jetzt „Silver Soul“ hören und die Taschentücher bereithalten.

4. Dum Dum Girls – I Will Be
Danke, Dee Dee. Danke für ein Album voller Songs, die 60’s Girl Pop Tribut zollen, mich das ganze Jahr über begleitet haben, und mir immer noch nicht zum Hals raushängen, obwohl ich sie mittlerweile rückwärts mitsingen kann.

5. Xiu Xiu – Dear God I Hate Myself
Jamie Stewart schafft es auf Dear God I Hate Myself nicht mehr so experimentell und verspult wie auf seinen früheren Werken zu klingen ohne in Popeinheitsbrei oder Beliebigkeit abzurutschen. Xiu Xiu kann Pop im Jahr 2010 und das sogar ziemlich gut.

6. JJ – No.3
7. Best Coast – Crazy For You
8. I Heart Hiroshima – The Rip
9. M.I.A. – Maya
10. Blood Red Shoes – Fire Like This

Die größten Enttäuschungen
Tegan and Sara – Sainthood

Die persönlichen Neuentdeckungen
Brilliant Colors

Manuel
Manuel

hhh

1. Angus & Julia Stone – Down the way
Unglaublich sympathische Musiker mit einem grandiosen Gespür für einfühlsames Songwriting. Dazu noch aus dem besten Land der Welt. Was will man mehr.

2. Young Rebel Set –tba
Auch wenn es noch kein richtiges Album gibt, müssen sie einfach in die Liste. Absolut mitreißend, bewegend und live ein echtes Erlebnis.

3. The late Call – You already have a home
Perfekter kann man seine Stücke wohl kaum arrangieren. Eine beeindruckene Stimme versehen mit dem Münster-Bonus.

4. Gregor McEwan – Houses and Homes
Merke: englischsprachiger Singer/Songwriter-Musik funktioniert auch, wenn es aus Haltern kommt.

5. Röyksopp – Senior
Beste elektronische Platte seit langem. Ob zum chillen oder als Aufwärmphase zum Feiern – gehört in jeden gut sortierte Plattenschrank.

Die größten Enttäuschungen
Antony and the Johnsons – Swanlights/a>

Die persönlichen Neuentdeckungen
Yasmine Tourist (Singer/Songwriter aus Stuttgart)
Jacob Brass (SingerSongwriter aus München?)

Martin
Martin

hhh

1. The Gaslight Anthem – American Slang
Das dritte Album innerhalb seit 2007 und Qualitativ kein Abbruch! Das Songwriting ist wahrscheinlich eines der Besten zur Zeit, die Melodien wunderbar angesiedelt zwischen Punk, RockandRoll und SongwriterPop. Musik zum Nachdenken, mitfühlen und lieben!

2. Against Me! – White Crosses
Die Zeit der 2 minütigen SingAlong Songs sind vorbei, die Melodien werden poppiger, die Botschaften bleiben aber weiterhin politisch. Es wird weiter angeprangert, der Finger gehoben und aufmerksam gemacht. Nicht das beste Against Me! Album, aber ein sehr Gutes! Trotz Major im Rücken.

3. Imperial State Electric – Imperial State Electric
Da ist er wieder. Multitalent Nicke Anderson, früher Sänger der glorreichen Hellacopters, mit seinem ersten eigenen Werk. Wer jetzt ein Abklatsch seiner CoptersZeit errwartet hat oder auf die Rückbesinnung von den Etombedwerken gehofft hat, wurde enttäuscht! Ein eigenständiges Album mit Einfluss der wichtigen 60er und 70er Jahre ohne peinlich zu wirken.

4. AC4 – AC4
Dennis Lyxzen kann alles. Garage-Mod-RocknRoll mit The(International) Noise Conspiracy, PowerPop mit The Lost Patrol Band(heute Invasionen) und natürlich die einzigartigen Refused. Alles stammt aus seiner Feder. Und da er nicht genug von Musik bekommen kann gibt es noch ein weiteres HC Projekt. AC4, wild, rustikal, treibend. Kein Song länger als 1.51 min. Kein neumodischer Hardcore, Rückbesinnung auf die alten Tage von Black Flag oder den Bad Brains.

5. Turbostaat – Das Island Manöver
Unsere Flensburger Lieblinge mit Album Nummer 4! Vergleiche sind fehl am Platz! Turbostaat versucht nicht zu sein wie, Turbostaat ist! Der eigenwillige Gesang von Sänger Jan, die perfekt abgestimmten Melodien der Gitarren, das treibende Schlagzeugspiel. Alles passt einfach und ergibt diese super Mischung die auch auf dem Island Manöver zu finden ist. Turbostaat machen Spaß!

6. Interpol – Interpol
7. Alkaline Trio – This Addiction
8. The Sounds – Crossing the Rubicon
9. Blood Red Shoes – Fire Like This
10. Donots – Long way home

Die größten Enttäuschungen
Gab ehrlich gesagt kaum eine Enttäuschung, habe das Schlechte erst gar nicht an mich rangelassen. Sagen wir mal so, die neue Bad Religion hat mich ziemlich kalt gelassen! Aber fragt Ende 2011 nochmal nach. Nächstes Jahr will Wizo ein neues Album veröffentlichen!

Die persönlichen Neuentdeckungen
Nothington! – Raukellen aus den USA in bester Hot Water Music Tradition! Durch Zufall gehört und lieben gelernt! Jetzt nur noch live sehen,dann ist alles gut!

Matthias
Matthias

hhh

1. Frightened Rabbit – The Winter Of Mixed Drinks
Auch mit ihrem dritten Streich konnten die mittlerweile um noch ein weiteres Mitglied angewachsenen Angsthasen aus Schottland überzeugen. Aufwühlend, euphorisch, hymnisch und immer mit dem richtigen Gespür für die Melodie schafften sie es mit „The Winter Of Mixed Drinks“ deshalb wohl auch nicht ganz zu unrecht auf Platz 1 bei der Wahl zum WhiteTapes Record of the Year 2010.

2. Endor – Endor
Ganz ohne Plattenvertrag veröffentlichten diese Schotten Mitte des Jahres ihr Debütalbum mal eben auf eigene Faust. Darauf präsentierten sie fröhlichen Pop mit nachdenklichen Folk-Klängen. Der große Durchbruch blieb bisher noch aus, deshalb werden wir nicht müde euch darauf aufmerksam zu machen, wie großartig Endor sind.

3. Get Well Soon – Vexations
Bereits mit seinem Debüt „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon!“ etablierte sich Konstantin Gropper in der deutschen Indie-Szene als begnadeter Songwriter mit dem richtigen Gespür für Pathos. Mit „Vexations“ setzte er nun noch eins drauf und schrieb nach dem Gesellenstück nun so etwas wie seine Meisterarbeit. Melancholisch, erhaben und tiefgründig, wie kaum ein anderes Album in diesem Jahr.

4. The Kays Lavelle – Be Still This Gentle Morning
Leider noch eine Band, die noch viel mehr Beachtung verdient. Ihr Debüt „Be Still This Gentle Morning“ vereint melancholische Sound im Indie und Folk-Gewand. Stellenweise erinnern sie sogar an Radiohead mit ganz eigener, schottischer Note. Schade, dass sich die Band mittlerweile getrennt hat. Als Trost wird im nächsten Jahr aber noch ihr zweites Album nachgereicht.

5. Villagers – Becoming A Jackal
Ein junger Ire, der mit seinem Debüt mit beeindruckender Sprachgewalt Geschichten über das Erwachsenwerden erzählt. Dabei bedient er sich musikalisch bei seinen Vorbildern Elliott Smith, Bright Eyes und Nick Drake und erschafft so seinen ganz eigenen Songwriter-Kosmos. Wenn im nächsten Jahr Bright Eyes ihr letztes Album veröffentlichen, dürfen wir uns sicher sein, dass dieser Ire in der Lage ist, das große Erbe anzutreten.

6. Perfume Genius – Learning
7. The National – High Violet
8. Arcade Fire – The Suburbs
9. Admiral Fallow – Boots Met My Face
10. The Tallest Man On Earth – The Wild Hunt

Die größten Enttäuschungen
Fran Healy – Wreckorder
Fotos – Porzellan
Sky Larkin – Kaleide

Die persönlichen Neuentdeckungen
The National – eigentlich haben mich die Brooklyner bereits 2008 auf dem Haldern Pop überzeugt, aber erst in diesem Jahr habe ich es wirklich geschafft mich so richtig mit dieser Band zu beschäftigen und auch ihre alten Alben lieben zu lernen.

Zusammenfassend stellen wir fest, dass vier unserer sieben Redakteure die Blood Red Shoes in ihren Bestenlisten führen. Damit dürfte „Fire Like This“ wohl so etwas wie unser Album des Jahres sein. Darauf folgen Arcade Fire mit drei Nennungen und mit jeweils zwei Nennungen Gregor McEwan, The Late Call, Frightened Rabbit, Interpol, Perfume Genius, Villagers und The National.

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