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Top Of The Blogs 2009

Top Of The Blogs? Was soll denn das nun wieder? Eigentlich ganz einfach. Die Ausgangssituation war folgende: Es gibt eine Menge Blogs in Deutschland, die sich mit Musik beschäftigen. Viele davon veröffentlichen am Jahresende ihre ganz individuelle Liste der Top-Alben. Was allerdings fehlte, ist so etwas wie eine Liste, in der einfach einmal diese ganzen Listen aus verschiedensten Geschmäckern zusammengeführt werden, um die eine Liste zu schaffen. Die Top Of The Blogs. Wie wir drauf kamen? Nicht unser Verdienst. Tom von der blogpartei schickte mir bei Facebook einen Link zur französischen Variante und meinte „schade, dass man so etwas nicht in Deutschland auf die Beine gestellt kriegt“. Warum eigentlich nicht, dachten wir und taten uns mit Tom zusammen, um die Top Of The Blogs 2009 zu sammeln.

Am Ende stehen 14 deutsche Blogs mit über 30 Bloggern und 109 verschiedene Alben, die nun folgende Charts ergeben:

Platz 10: Fever Ray – s.t.

Das vermeintlich kälteste Album des Jahres, zumindest wenn man die verzerrte Stimme und die dumpfen Synthiesounds die ersten Male auf sich wirken lässt. Doch hinter dem eisigen Wasserfall sind ungeahnte Landschaften zu finden. Ruhig stapft das Album weiter, über afrikanische Steppen hin zum windigen Atlantik. „When I grow up, I want to live near the sea.“ Ein Album, das schnell wächst, mal tanzend, mal geruhsam fortwärtsschreitend, um sich dann auf den Tafelbergen niederzulassen und zur Antarktis zu schauen. „I put my soul in what I do.“ Das glauben wir aufs Wort.

Platz 9: Sunset Rubdown – Dragonslayer

Das vierte Werk von Sunset Rubdown droht anfangs missverstanden zu werden, versteckt sich seine Komplexität doch tückisch hinter einer simpel anmutenden Fassade. Wer den Kanadiern berechenbaren Pop nach einem simplen Schema unterstellt, hat nicht richtig hingehört und verpasst Großartiges. Die Mannen hinter Wolf Parade und Handsome Furs fahren hier teils vertraute Stützen wie Spencers gewohnt eilende Stimme auf, doch kribbelt es dahinter mit jedem Hördurchgang immer mehr; es wächst und gedeiht, über das umzäunte Beet hinaus.

Platz 8: Editors – In This Light and on This Evening

Wer hätte den Editors diese Wandlung zugetraut, weg von den Indiestrebern hin zu geradezu morbiden 80er-Hommagen. „They took what once was ours“ singt Tom Smith, doch könnte dieser Satz eher von den Geehrten stammen. Die Gitarren treten in den molligen Hintergrund, die Synthies beherrschen die kühle Szenerie, der Smith’sche Gesang trohnt bedrückend über allem. In seiner Entwicklung erstaunlich – und erstaunlich konsequent.

Platz 7: Yo La Tengo – Popular Songs

Wer 25 Jahre voller einflussreicher und beeinflussender Alben hinter hat, muss nichts mehr beweisen. Wenn er es dennoch schafft und eine zeitlose Symbiose von Indie, Pop & Rock dieser Qualität abliefert, hat er eine besondere Gabe. Er kann sich eigentlich bei jeder Gelegenheit hinstellen und sagen: Yo La Tengo.

Platz 6: We Were Promised Jetpacks – These Four Walls

Nervös, vertrackt, melodiös. Die Glasgower machen einfallsreichen Indierock, der zwar nicht das Rad neu erfindet, aber doch sehr rund rollen lässt. Knackig treiben die Gitarren den schottischen Akzent vor sich her und lassen sich dennoch Zeit für instrumentale Passagen. Sicher ist: Wer dieses Album hört, braucht weder Koffein noch Trombosestrümpfe, aber jemanden, der die Momente mit ihm teilt.

Platz 5: Slow Club – Yeah So

Melancholisch-poetische Songs, ironische Lyrik, bittersüße Atmosphäre. Das Duo Slow Club bringt den Folk der letzten Jahre auf den Punkt und knüpft mit seinen angenehmen Arrangements dennoch an weit Älteres an. Orgel, Rhythmusgeräte wie Löffel oder Gläser, Harmoniegesänge allenthalben regen zum Träumen, zum Tanzen, zum Mitsingen an. Musik für alle Jahreszeiten.

Platz 4: Grizzly Bear – Veckatimest

Was „Veckatimest“ zu einem perfekten Vertreter des Jahres 2009 macht, ist, dass ihre Eigenwilligkeit, ihre Eigentümlichkeit nie daran hindert, die Schönheit des Albums zu erkennen. Wo andere Bands möglichst viele Stile inkorporieren, manövrieren sich Grizzly Bear mäandernd zwischendurch, ruhig, voller Spannung. Die unwahrscheinlichste Konsensband des Jahres.

Platz 3: The Pains Of Being Pure At Heart – s.t.

Ein Album, das auf leisen Schuhen daherkommt und, wenn man nicht rechtzeitig die Ohren spitzt, in seiner Leichtigkeit schnell auch vorbeigeht. Denn die Vielschichtigkeit des poppigen Shoegaze lässt einen die wunderbaren Momente von „The Pains Of Being Pure At Heart“ immer wieder entdecken, mal düster, mal eingängig, aber nie belanglos. Der Name ist Programm.

Platz 2: Animal Collective – Merriweather Post Pavilion

„No one should call you a dreamer“, das Motto von Animal Collective auf den Punkt gebracht. Das Album, das die verworrensten Songstrukturen mit den schönsten Melodien verbinden kann, das den Hörer in einen flow, einen emotionalen Ausnahmezustand versetzen kann. Er muss sich nur darauf einlassen und das Album lässt sich auch auf ihn ein.

Platz 1: The xx – xx

Es war das Album, das die Lücke traf, die all die Bands der letzten Jahre gerissen hatten; zurückhaltend und reduziert wie der Folk, dennoch intensiv und mitreißend wie New Rave und New Wave. Eigenbrödlerisch wie Psychdelic, trotzdem eingängig wie Electronica. Der berechtigte Erfolg von The xx hätte genau ob ihrer Einzigartigkeit ebenso gut ausbleiben können. Unorthodox auch, dass dieses Album mitten im August herauskam. Elf Songs, elf Volltreffer. So klingt 2009.

Ehrenvolle Erwähnung gemäß weiterer Rangfolge:

11. Mumford & Sons – Sigh No More
12. The Rural Alberta Advantage – Hometowns
13. Port O’Brien – Threadbare
14. Dirty Projectors – Bitte Orca
15. Scott Matthew – There Is An Ocean That Divides
16. Japandroids – Post-Nothing
17. Soap & Skin – Lovetune for Vacuum
18. Blacklist – Midnight Of The Century
19. MONO – Follow The Map
20. Pet Shop Boys – Yes
21. Metric – Fantasies
22. Wild Beasts – Two Dancers
23. Devin Townsend Project – Addicted
24. Patrick Wolf – The Bachelor
25. Simple Minds – Graffiti Soul
26. Tegan and Sara – Sainthood
27. Her Name Is Calla – The Heritage
28. Micachu – Jewellery
29. Royal Bangs – Let It Beep
30. St. Vincent – Actor
31. Angelika Express – Goldener Trash
32. Blueneck – The Fallen Host
33. Antony And The Johnsons – The Crying Light
34. Helgi Jónsson – For The Rest Of My Childhood
35. Future Of The Left – Travels With Myself And Another
36. Evangelista – Prince Of Truth
Fuck Buttons – Tarot Sport
37. The Twilight Sad – Forget The Night Ahead
38. Maximo Park – Quicken The Heart
39. Astronautalis – Pomegranate
40. Au Revoir Simone – Still Night, Still Light
41. The Mighty Stef – Downtown
42. The Felice Brothers – Yonder Is The Clock
43. Health – Get Color
44. Passion Pit – Manners

Die Teilnehmer:

Julia von 49Suns, Uli von Auf ein neues, das Team von AUFTOUREN, Tom von blogpartei, Eike von das klienicum, Therese & Horst von Hey Tube, Matthias von indiestreber, Nico von nicorola, Frank von pretty-paracetamol, das Team von ROTE RAUPE, Peter von Schallgrenzen, Michael von Småstad, Daniela von Reling Sichern sowie Ariane, Iain, Jana, Kristina & Manuel von WhiteTapes

Idee, Konzeption & Redaktion: Ariane von WhiteTapes und Tom von blogpartei.

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