Streams

Stornoway + Laura J Martin + Maqam, Oxford Town Hall, 15.Februar 2013

Am 8. März erscheint endlich das neue Album Tales From Terra Firma von Stornoway, zuvor steht eine umfangreiche Tour durch das Königreich an, davon sind viele Shows schon im Voraus ausverkauft. Dazu gehören auch die zwei Gigs in der Oxforder Town Hall am Valentinstag, den 14.02. und dem folgenden Freitag.

Oxford Town Hall

Mitten im Zentrum von Oxford liegt die Town Hall, die Halle in der dort die Konzerte stattfinden bietet eine perfekte Kulisse für die Jungs von Stornoway. Beim Betreten der Halle geht man direkt auf die Bühne zu, dahinter eine Orgel. Die Decke ist aufwändig verziert, so erinnert die Atmosphäre an die einer Kirche. Die Instrumente für die beiden Support-Acts Laura J Martin und Maqam stehen schon bereit und nur ein paar Minuten nach Einlass geht es schon los mit dem Programm.

Laura J Martin, eine sehr zierliche, etwas jüngere Frau betritt die Bühne nur mit einer Querflöte und begrüßt schüchtern das Publikum, einige unterhalten sich noch oder nehmen ihre Plätze ein, verstummen aber als sie bemerken, dass bereits jemand auf der Bühne steht. Sie beginnt ihr 30-minütiges Set, im Hintergrund läuft vom Band selbsteingespielte Musik, den Gesang, das Spielen der Querflöte und auch der Mandoline übernimmt sie jedoch selbst.

Nett anzusehen und anzuhören, jedoch oft etwas zu schrille Töne der Flöte. Nach kurzer Umbaupause geht es weiter mit Maqam, vier Musiker aus vier verschiedenen Nationen nehmen Platz auf den für sie vorgesehenen Stühlen und spielen ebenfalls für 30 Minuten, hauptsächlich instrumentale Musik. Am Tag zuvor spielten stattdessen die bezaubernden Spring Offensive, schade, dass sie nicht an beiden Tagen im Programm waren. Es folgt wieder eine Umbaupause, das übliche Spiel, kurz nach 21 h sieht man dann aber die Taschenlampensignale Richtung Mischpult, es kann also losgehen mit Stornoway.

Stornoway Oxford Town Hall

Sofort verwandeln sich die Gespräche der Zuschauer in sehr lauten und vorfreudigen Beifall, als Jon Ouin, Rob und Oli Steadman und Brian Briggs zusammen mit ihrer Violinistin und zwei Trompetenspielern die Bühne betreten, sie beginnen sofort mit der ersten Single aus dem neuen Album, Knock Me On The Head. An Instrumenten mangelt es nicht, neben den Üblichen steht unter anderem Piano, Cello, Kontrabass, Trompete und Violine auf der Bühne bereit. Das verspricht einen abwechslungsreichen zweiten „Homecoming“-Gig der Briten. Besonders für die Band ist es immer etwas Besonderes, wenn sie in ihrer Heimatstadt vor ihren Fans und Freunden spielen, die sie am längsten unterstützt haben, so wie es Sänger Brian später auch verkündete. Weiter geht es mit einem neuen Song, The Bigger Picture. Wie auch beispielsweise The Great Procrastinator ist der Song nicht komplett neu, er wurde schon öfter bei Festivals letztes Jahr präsentiert. November Song stand sogar schon bei den letzten Konzerten in Deutschland 2011 auf der Setlist und wurde auch wieder akustisch nur von Brian mit der Gitarre vorgetragen. Dem ersten Eindruck nach fügen sich die neuen Stücke sehr gut in die älteren ein, das Gesamtbild passt einfach. Bei den bekannten singt das Publikum teilweise mit, bei den neuen und unbekannten wird aufmerksam zugehört oder je nachdem getanzt. So begeben sich nach November Song alle wieder an ihre Instrumente und spielen das nur 2-Minütige Here Comes The Blackout.

Stornoway Oxford Town Hall

Zwischendurch wird die Stimmung immer wieder durch Brian aufgelockert indem er aktuelle Ereignisse kommentiert. So durfte auch ein Kommentar zum Pferdefleischskandal nicht fehlen, das Schlimme daran sei nicht, dass eben Pferdefleisch enthalten ist, sondern dass Mascarpone-Käse oben drauf ist. Weiterhin erzählte er, dass das bisher aufregendste auf ihren Konzerten ein Heiratsantrag mitten im Konzertsaal war. Der erste Teil der Setlist neigt sich langsam dem Ende zu, Farewell Appalachia wird als nächstes gespielt. Dazu reisst Drummer Rob am Mikrofon mehrere Papierstücke auseinander um den Song einzuleiten. Später kommt dann auch eine singende Säge zum Einsatz. Ein sehr schönes, ruhiges Stück, das sich langsam aufbaut und mit einer tollen Melodie überzeugt. Das wohl beliebteste und bekannteste Zorbing schließt den ersten Teil des Konzertes ab, sogar kleinere Kinder, die mit ihren Eltern das Konzert besuchen, singen mit. Die Stimmung ist auf einem Höhepunkt und der Applaus will gar kein Ende nehmen. Da jedoch jedem klar gewesen sein dürfte, dass noch eine Zugabe folgt, schaut auch jeder erwartungsvoll auf die Bühne, um zu sehen, ob sich schon etwas tut. Doch auf der Bühne passiert gar nichts, die erste der vier Zugaben spielt sich auf dem Balkon der Town Hall ab, am anderen Ende der Halle wo auch ein paar Zuschauer sitzen und ein wenig Platz machen müssen.

Stornoway Oxford Town Hall

Bald schon drehen sich viele Köpfe als sich die vier Jungs inklusive Kontrabass und ihrer Violinistin ihren Weg zum Balkon bahnen. Das Publikum ist so euphorisch dass Brian mehrmals um Ruhe beten muss, denn für den nächsten Song The Ones We Hurt The Most wäre alles andere auch unangebracht. Es war schon manchmal unheimlich, wie kontrastreich das Verhalten des Publikums war. Zwischen den Songs dauerte der Applaus schon fast zu lange an, während jedes einzelnen, vor allem den ruhigeren Stücken, herrschte eine so respektvolle Stille, dass man nichts anderes als die Band hören konnte. Als Nächstes kehrt nur Jon auf die Bühne zurück und spielt auf der Orgel, während langsam alle anderen wieder ihre Plätze einnehmen. Der Übergang zu I Saw You Blink ist dann fast fließend, ein paar wie es scheint minderjährige Mädchen fangen sogar an zu kreischen.

Watching Birds ist der letzte Song des Abends, in einem langsamen Tempo werden zweite Strophe und zweiter Refrain gesungen um dann als Abschluss für den Rest den Songs noch einmal richtig Gas zu geben. Stornoway haben also ihren zweiten Gig in ihrer Heimat erfolgreich absolviert, die Setlist war mit 15 Songs und anderthalb Stunden Spielzeit gut gefüllt, hat die Band bisher doch nur zwei Alben veröffentlicht. Das neue Album wurde passend mit eingebaut und ausreichend präsentiert, der Ein oder Andere hätte sich vielleicht ein paar B-Seiten oder eher selten gespielte Stücke gewünscht, man kann es aber nicht jedem Recht machen und so kann man das Konzert ohne Ausnahmen als gelungen bezeichnen. Besonders der charismatische und humorvolle Sänger Brian Briggs und die instrumentale Vielfältigkeit machen Stornoway-Konzerte immer wieder sehenswert.

(Tales From Terra Firma, der Nachfolger von Beachcomber’s Windowsill , erscheint am 8. März bei 4AD.)

Setlist:
Knock Me On The Head
The Bigger Picture
Cold Harbour Road
Fuel Up
(A Belated) Invite To Eternity
Hook, Line, Sinker
November Song
Here Comes The Blackout
You Take Me As I Am
Farewell Appalachia
Zorbing

The Ones We Hurt The Most
I Saw You Blink
The Great Procrastinator
Watching Birds

Fotos: Stephanie WhiteTapes

Discussion

Comments are closed.

Archive