Streams

Pitchtuner – Tourtagebuch letzter Teil

20. Tokyo – Dommune

Heute sind wir zu Gast bei Mars, einem der beiden Macher des Internet Live Video Streams dommune.com, der seit etwa einem halben Jahr besteht und in dieser kurzen Zeit die größte Fangemeinde auf Ustream gewonnen hat. Zum einen aufgrund des hervorragenden Sounds, zum anderen wegen Ukawa, der in Japan großes Ansehen genießt und die Signale der verschiedene Kameras live mischt. Die meisten Live Streams sind von bekannten DJs wie Towa Tei oder Kaito und wir werden eine der erste Bands sein, die ihre Musik hier präsentieren wird. Vor uns waren lediglich ‚The XX‘ zu Gast und die nächste Live-Band wird MIA sein. Wir freuen uns natürlich, daß wir uns hier einreihen dürfen und nachdem ich erfahre, dass uns der Soundengineer von ‚Primal Scream‘ mischen wird, ahne ich langsam, wo wir hier gelandet sind. Gesendet wird aus dem kleinen Dommune Club in Shibuya, in dem trotz des Fassungsvermögens von weniger als 100 Leuten ein Funktion One Sound System installiert ist, das wir alle aus dem Berghain in Berlin kennen.

Das Konzert ist ein großer Erfolg und wir haben jetzt mehr als 30 Seiten voll mit Feedback über Twitter, das während unseres Konzertes geschrieben wurden. Unser Konzert kommt hier unglaublich gut an, was uns natürlich wahnsinnig freut. Nach unserer Show lauschen wir dem Live DJ Set von Shinichi Osawa, der nach uns sein neues Album präsentiert. Wer mal in Tokyo ist, sollte hier unbedingt vorbei sehen! Hier kann die Szene Tokyo’s hautnah miterlebt werden und in dem Cafe ‚Supercore‘, das sich über dem Club befindet, kann man die eine oder andere Größe der japanischen Musikszene treffen.

21. Record Release Party im Womb – Tokyo

Bevor wir ins Womb gehen, wo wir heute mit unseren japanischen Fans und unserem neuen Label die Veröffentlichung unseres Albums in Japan feiern werden, besuchen wir Tower Records in Shibuya, dem Kiez Tokyo’s, in dem gefühlte 99% der interessanten Dinge stattfinden. In dem Plattenladen sind wir nicht schlecht überrascht, unser Album in den Präsentier Ständern direkt neben Uffie oder einem Kitsune Sampler zu sehen.

Der Womb Club befindet sich im Herzen von Shibuya. Eine Straße weiter ist der Shibuya-O-Nest Club, in dem wir letztes Jahr nach unserem Konzert Miyazakisan von unserem jetzigen Label kennen gelernt haben. In unmittelbarer Nähe sollen sich noch fünf weitere Live-Häuser befinden. Ein guter Ort also, sein neues Album zu präsentieren. Da der Womb Club recht groß ist, haben wir uns mit zwei weiteren Bands zusammen getan diesen Abend zu gestalten – und die Rechnung geht auf. Die Stimmung bei unserem Gig ist super! Zunächst spielen ‚Lillies and Remains‘ und präsentieren ihr neues Album. Ein sehr gitarriger Sound. Leider ist das Publikum noch recht verhalten. Nach der Performance von ‚MYSS‘, die ebenfalls ihren aktuellen Release vorstellen und deren Elektro Sound mir sehr gut gefällt, sind wir dran und legen uns natürlich mächtig ins Zeug. Es lohnt sich!

Nach dem Konzert ist noch etwas Zeit, mich mit Kenji zu unterhalten, mit dem ich vor 10 Jahren, als ich hier in Japan lebte, zusammen experimentelle Musik gemacht habe. Er wohnt inzwischen in Tokyo und ich freue mich sehr über das Wiedersehen, da wir in den letzten Jahren den Kontakt etwas verloren haben. Von der Zeit damals weiss ich noch, wie schwer es hier in Japan ist, als Musiker über die Runden zu kommen. Ich habe großen Respekt vor allen, die es trotzdem durchziehen. Bei Proberaum Preisen von gut 30 Euro pro Stunde muß der Idealismus sehr groß sein und einiges aushalten.

22. Fuji Rock Warm Up Party

Bevor wir zum AgeHa fahren, der sich im Industriebezirk von Tokyo befindet, treffen wir Wata, den ich in Berlin vor ein paar Jahren kennen gelernt habe. Wir besuchen den abgefahrensten Synthladen, den ich jemals gesehen habe: Five G.

Hier reihen sich Kostbarkeiten an Sound-Olymps. Ich wünsche mir nichts mehr als einen Freischein für ein paar der alten analogen Geräte.

Von Wata erfahre ich, daß die Musikszene in Tokyo sehr vielseitig ist, was ein Vor- und Nachteil seiner Ansicht nach darstellt, da es so kein richtiges Steckenpferd gibt und die Szene dadurch außerhalb von Japan wenig wahrgenommen wird. Einige Liebhaber kennen ‚The Boredoms‘, ‚Melt Banana‘ oder DJs wie DJ Krush und Shinichi Osawa. Das Potential, das hier vorhanden ist, könnte es aber viel weiter bringen. Japanische Musik genießt einen sehr guten Ruf im gesamten asiatischen Raum und viele Bands aus Japan sind hier auch auf Tour. Wata empfiehlt Tzboguchi (http://www.myspace.com/masayasutzboguchi), der in seinen Augen am Keyboard unglaubliches hervorbringt.

Nach einem leckeren Essen in einer japanischen Bar machen wir uns auf den Weg zum AgeHa, wo heute ein Warm Up des legendären Fuji Rock Festivals, dem bedeutensten Festival Japans, stattfindet.

Das Soundsystem im AgeHa ist atembraubend. Von der Decke hängen zahlreiche noch nie gesehene Lautsprecher. Der Sound ist dementsprechend gut. Es fällt mir allerdings auf, dass es auch im Soundspektrum kulturelle Unterschiede geben kann. Der japanische Sound hat weniger Bässe und mehr Höhen. Das mußte ich erst mal lernen, dass das Soundempfinden hier wirklich ein anderes zu sein scheint.

Da die Organisatoren der Veranstaltung schon bei unseren anderen Konzerten in Tokyo waren, gibt es ein sehr freundliches Wiedersehen. Einem wunderschönen Abschlusskonzert unserer nun fast einmonatigen China-Japan Tour steht nichts mehr im Wege.

Am nächsten Tag geht es schon auf die Heimreise nach Europa, wo schon die nächsten Konzerte in Genf und Paris auf uns warten. Die Zeit war atemberaubend und ein Erlebnis hat wirklich das andere gejagt. Da die Rückmeldungen von Publikum und Veranstaltern durchweg mehr als positiv waren, können wir auf ein baldiges Wiedersehen mit unseren neuen Freunden in China und Japan hoffen! Pläne gibt es jedenfalls schon einige.

Discussion

Comments are closed.

Archive