Interviews

Patrick Wolf – Interview

Der Ruf von Patrick Wolf ist inzwischen quasi legendär, dazu tragen natürlich nicht zuletzt Ausraster und großartige Bühnenshows, oder auch die Verknüpfung von beidem bei. Sein Auftritt in Münster war dann auch die perfekte Gelegenheit den Künstler einmal zum Gespräch zu bitten, um ihn zu seinem neuen Album „The Bachelor“, seinen Bühnenoutfits und anderen Dingen zu befragen. So lernten wir einen offenen und freundlichen jungen Künstler kennen, der glücklicherweise so ganz anders ist als sein Ruf.

Im Juni erschien „The Bachelor“, dein mittlerweile viertes Album. Die Covergestaltung hat uns von der Aufmachung und der Bildsprache her sehr an dein Debüt „Lycantrophy“ erinnert. War das beabsichtigt?

Ja und Nein. Als wir das Shooting für das Booklet gemacht haben, haben wir zwei Tage hindurch nur Fotos geschossen. Das war sehr chaotisch und es passierten viele spontane Dinge. Wir versuchten dann möglichst viele Kostüme und Ideen unterzubringen. Ich wollte in den Bildern und bei diesem Album so ein gewisses Bild des Neuanfangs vermitteln. Es ist eben wie bei „Lycantrophy“, ich stehe allein da, bereit zu kämpfen. Als wir dann nach den Shootings so 600 – 700 Photos durchgeschaut haben, stand dieses eine Foto da, auf dem alle Elemente, die Pose und das Licht genau so war, wie ich es wollte. Da wusste ich, dass es dieses Bild sein muss. Es ist aus einem gewissen Chaos entstanden und fühlte sich dann richtig an und sogar so, als hätten wir es so vorgehabt.

Auf „The Bachelor“ arbeitest du mit vielen anderen Künstlern zusammen. Wie kam es dazu?

Das passierte recht natürlich. Ich gehe nicht hin und schreibe eine Liste von Leuten, mit denen ich arbeiten möchte. Das ergibt sich eher spontan. Auch auf dem Nachfolger „The Conquerer“, an dem ich gerade arbeite, wird es leider nicht die Kollaborationen geben, die ich wollte, dafür aber viele, die sich spontan ergeben haben. Vieles ergibt sich einfach daraus, wen ich kennenlerne, wenn ich gerade an neuem Material arbeite. Auch wenn mein Name auf dem Album steht, soll sich die Arbeit daran nicht so einsam anfühlen.

„The Bachelor“ öffnet mit dem Song „Kriegsspiel“, wieso hast du dich da für einen deutschen Titel entschieden?

Ich habe mir unterschiedliche Bilder für so etwas wie den Beginn eines Kampfes gesucht. Ich hatte dann verschiedene Namen von Sirenen und solchen Dingen, aber das Wort „Kriegsspiel“ erschien mir besonders toll. Dieses Bild von Kindern, die einen Krieg simulieren, einen Kampf anfangen. Das ist ja auch das Thema der beiden Alben „The Bachelor“ und „The Conquerer“, eine Art romantischer Kampf um die Liebe. Besonders begeistert hat mich daran auch, dass es ein deutsches Wort ist, weil Teile der Aufnahmen für das Album in Berlin mit Alec Empire stattgefunden haben.

Der ist ja auch beim Song „Vulture“ mit dabei. In dem nutzt du nur ein akustisches Instrument, möchtest du künftig diesen elektronischen Aspekt deiner Musik weiter ausbauen?

Ich weiß nicht. In dem Song war es so, dass ich das akustische Instrument rein genommen habe, weil ich noch einen menschlichen Touch haben wollte. Zu viel Elektronik wirkt einengend und so hat der Song noch etwas Luft, etwas Emotion bekommen. Mir war es eben wichtig dann diese, was war das noch mal, eine Geige mit nur einer Saite einzusetzen. So eine Art menschlicher Aspekt in der Kälte.

In deinem Video zu „The Magic Position“ hast du dich sehr verspielt und ja, fast brav gezeigt, während deine neueren Videos, wie „Vulture“ und auch „Hard Times“ deutlich erwachsener daherkommen. Wir kam es zu dieser Entwicklung?

Das war keine bewusste Entscheidung. Ich denke nicht konzeptionell über meine Videos nach. Okay, tu ich doch. Die Videos zeigen Bilder, von denen ich zu der Zeit sehr fasziniert bin. Zu „The Magic Position“ mochte ich dieses bunte Zirkusthema. Lange bevor Britney Spears mit „Circus“ um die Ecke kam. Das strahlte einen gewissen Frieden und eine Unschuld aus. Als ich mit „The Bachelor“ anfing hatte ich jegliche Unschuld verloren. Es fühlte sich dann eben richtig an, dieses Sado-Maso Thema zu verwenden. In „Hard Times“ wollte ich dann einfach einmal so eine dramatische Show in der Dunkelheit zeigen. Gerade arbeiten wir am dritten Video, da möchte ich dann auch wieder genau das umsetzen, was die Lyrics und mein Gefühl mir sagen. Dazu kommt natürlich auch, dass die Musik von „The Bachelor“ sich auch deutlich von „The Magic Position“ unterscheidet.

Magst du uns schon sagen, welches die nächste Single sein wird?

Darf ich leider nicht, aber das verraten wir euch bald.

„The Bachelor“ gelangte bereits einige Wochen vor dem geplanten Release ins Internet. Wie fühlte sich das für dich an?

Das ist ja eine große Debatte. Ich denke einfach es ist das Recht des Künstlers eine Sache dann zu veröffentlichen, wenn er es will. Es hat schließlich viel Geld und Mühe gekostet das zu verwirklichen. Dann findest du es auf dem Schwarzmarkt, nur weil Leute denken, sie würden dir damit ja kostenlose Werbung geben. Das ist aber Bullshit. Wenn ich Werbung möchte, dann zahle ich auch dafür, so einfach ist das. Es ist auch schwer für jeden Künstler, dessen Album so den Weg an die Öffentlichkeit findet, natürlich besonders, wenn du auch nicht wirklich gut verkaufst. Diese 6000 illegalen Downloads hätten auch 6000 Verkäufe sein können, von denen ich wieder ein halbes Jahr Miete hätte zahlen könnte.

Kommen wir einmal auf deine Kostüme. Wer designt die für dich?

Seit anderthalb Jahren arbeite ich mit einer Designerin namens Ada Zanditon zusammen. Sie hat auch die Kostüme für Bishi gemacht. Ich habe eben eine recht komische Größe, da brauche ich jemanden, der sich darauf einstellen und passende Kostüme gestalten kann. Sie ist ein absolutes Genie und hat tolle Ideen. Ich mag Designer, die mit Musikern zusammen arbeiten möchten und es schaffen den Charakter der Musik in Design und Kleidung zu verwandeln. Ich mag eben dieses futuristische, beinahe postapokalyptische Thema. Ich möchte nicht die Vergangenheit, oder die Gegenwart aufarbeiten, sondern die Zukunft gestalten. Da ist Ada die perfekte Partnerin.

Hast du dein Vulture-Cape eigentlich schon wieder zurück bekommen?

Nein, leider nicht. Irgendwer hat das einfach gestohlen. Wenn du interessante Dinge machst, gibt es immer Leute, die das auch haben wollen und das dann manchmal auch einfach stehlen. Das ist auch ein bisschen mein Schicksal, Leute stehlen meine Musik und meine Kleidung. (lacht) Wahrscheinlich masturbiert derjenige jetzt darauf oder wälzt sich nackt darin.

Wie sehr wird sich „The Conquerer“ von „The Bachelor“ unterscheiden?

Ich denke, musikalisch gehören sie natürlich zusammen, das hört man auch. Die emotionale Botschaft ist dann aber anders. Die negative Seite von „The Bachelor“ wird nicht mehr da sein, es sind zwei sich ergänzende negative Seiten, mit den es sich ein wenig wie, wenn man das so sagen will, mit Yin und Yang verhält.

Du hast ein Konzert mit Owen Pallett gespielt. Besteht die Möglichkeit, dass es da irgendwann eine Kollaboration gibt?

Ich glaube fest daran, dass es eine Zeit und einen Ort gibt, an dem wir zusammenarbeiten werden. Wir sind gute Freunde und ich mache gern Musik mit ihm. Wir haben ähnliche Wurzeln, bedeuten uns gegenseitig aber völlig unterschiedliche Dinge, das macht es spannend.

Vor ein paar Wochen machte James Yuill einen Remix deines Songs „Hard Times“. Wie seid ihr zusammen gekommen?

Das war über einen Freund von mir, der mir James empfohlen hat, er hat das dann auch eingefädelt, dass er den Remix macht. Getroffen hab ich ihn leider noch nicht.

Fotos: Patrick Wolf Myspace

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