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Hobbymusik – Ist das Punk? Ist doch egal…

Tim Renner, Gründer und Wieder-Geschäftsführer von Motor Music sagte kürzlich in einem Interview mit Junge Karriere sinngemäß, „wenn du kreativ arbeiten willst, dann musst du dich mit möglichst vielen Kreativen umgeben, da nun einmal in Deutschland Berlin der Ort mit der höchsten Dichte Kreativer ist, bedeutet das, du musst nach Berlin gehen.“ Logisch also, dass kreative Musikideen häufig auch aus der Hauptstadt kommen. So auch das „Mini-Label“ Hobbymusik, dass von drei Freunden ins Leben gerufen wurde. Jeder von ihnen hat seine eigenen Erfahrungen mit der Musikindustrie gemacht und seine ganz eigenen Schlüsse daraus gezogen. Erste Erkenntnis, ohne Leidenschaft geht’s mal gar nicht. Zweite Erkenntnis, den Fans kommt es nicht auf die Verpackung an, sondern im Kern wollen die „einfach nur gute Musik“ und am allerwichtigsten, wenn du schon versuchst, mit Musik deinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann tu es exakt so, wie du es willst, sonst fällt irgendwann das Playback aus und es war das letzte Mal, dass du zu „Girl You Know It’s True“ auf der Bühne  hampeln durftest.

Oder einfach gesagt, scheiß drauf, was die anderen sagen, wir machen, was wir für richtig halten. Unter diesem Aspekt veröffentlicht Hobbymusik CDs, Platten und Download-Pakete, organisiert Konzerte und veranstaltet Partys. Der erste Release der Hobbymusiker erblickte im letzten Herbst das Licht der Welt, eine EP namens „Material und Arbeit“ von Der Songwriter Chris, der nach Gastspielen als Bassist in Screamo- und Punk-Bands nun Gitarre und seiner Stimme Songwriter-Stücke veröffentlicht, die auch, wenn sie so nicht klingen, immer noch vor Punk-Attitüde strotzen. In Zeiten von Wirtschaftskrise und sozialen Einschnitten singt er unterstützt von seiner alten Band „Ruinen der Gewohnheit“ über sozialkritische Themen, die eigentlich jeden angehen, aber im Pop niemanden so recht zu interessieren scheinen. In Zeiten, da Udo Lindenberg aber aufgehört hat, diese Themen zu behandeln muss es schließlich jemand tun und Chris scheint dabei ein Guter zu sein. Die EP „Material und Arbeit“ gibt es zum Download auf der Homepage des Labels.

Am 16. Januar wartete Hobbymusik nach einer EP nun auch mit einem ersten Album auf, das stammt vom Elektrotrash-Duo Ofelia & Uzrukki (Bild) und hört auf den schönen Titel „Wir haben keine Aussage wir wollen bloß dass die Leute eine gute Zeit haben damit sie sich am nächsten Tag wieder global agierenden Konzernen dienstbar machen können“. Wie man schon am Titel hört trifft hier schräger Humor auf eine scheiß-egal-Attitüde, gepaart mit durchaus hörbaren Elektrobeats und durchgeknallten Texten. Eine launige Mischung, die man bald auch live bewundern kann, bis dahin kann man das Album auch schon auf der Homepage des Labels herunter laden.

Durchaus spannend also, was da zwischen Punk und Pop, zu neuen Wegen der Musikverbreitung von einer Truppe kreativ Durchgeknallter oder auch durchgeknallter Kreativer in Berlin erwächst.

Myspace // Homepage // Der Songwriter Chris // Ofelia & Uzrukki

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