Konzertberichte

Frightened Rabbit – Haldern Pop Bar, Haldern, 18. Juni 2013

Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

Eigentlich hatten wir nicht damit gerechnet, Frightened Rabbit noch vor Herbst / Winter 2013 wieder zu sehen. Klar, die Band aus Schottland war als Support von Modest Mouse gebucht, doch hält sich unsere Begeisterung für diese Band in Grenzen, so dass wir uns entschlossen die Band nicht zu sehen, denn ein Supportset wäre uns dann doch etwas zu wenig gewesen. Aber zu unserem Glück haben Modest Mouse sich entschlossen, ihre Tour abzusagen. So hatten Frightened Rabbit plötzlich einen ungewollten freien Tag auf der Tour.

Die Haldern Pop Bar sprang ein und gewährte den Schotten spontan Unterschlupf und eine Bühne zum spielen, so dass wir diesen Sommer doch noch in das Vergnügen kamen, das Quintett aus Selkirk zu sehen.

Die Vorzeichen waren also perfekt, eine unserer Lieblingsbands, die mit „Pedestrian Verse“, in diesem Jahr ihr nunmehr viertes Album veröffentlichte und dabei die Qualität des Vorgängers „The Winter Of Mixed Drinks“ mehr als halten konnte, spielte in einer unserer Lieblingslocations. Das Wetter tat sein Übriges und die Sonne strahlte an diesem Tag und machte ihn zum bis dato wärmsten Tag des Jahres, der nur am Folgetag getoppt wurde. Bestes Biergartenwetter also eigentlich, dennoch fand das Konzert im Inneren der Bar statt, auch wenn Haldern natürlich eher für Open Air bekannt ist.

Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

Open Air sollte es aber erst am Folgetag bei noch größerer Hitze mit Honig geben, wir durften mit Frightened Rabbit in der bei Konzertbeginn proppevollen Pop Bar schwitzen. Das ist auch das Stichwort, der Schweiß lief nämlich ab der ersten Minute. Das war den ca. 30 Grad draußen und den geschlossenen Fenstern zu verdanken. Die Schotten ließen sich von der Hitze allerdings nicht ablenken und vertrauten auf ihre zuvor ausgewählte Kleidung. Im Fall von Scott bedeutete das ein langes Jeanshemd, Billy trug sogar eine Strickjacke über seinem Shirt und auch Andy tat sich ein langes Hemd an. Einzig Gordon und Grant schienen der Hitze Tribut zu zollen und wählten ein T-Shirt.

Das änderte aber auch nichts daran, dass alle fünf ab der ersten Minuten ordentlich schwitzten und sich gefühlten 45 Grad Raumtemperatur stellen mussten.

Davon ließen sie sich allerdings nichts anmerken und spielten ein leidenschaftliches 90 Minuten langes Set. Nur manchmal ging es mit den Musikern etwas durch, wenn Grant sich etwa vergallopierte und die Band dadurch zwang die Stücke schneller zu spielen oder Andy einfach zwischendurch ein Gitarrensolo etwas anders spielet. Aber vor allem Scott wirkte, als hätte er zumindest einen kleinen Hitzestich. So versemmelte er den ein oder anderen Einstieg und ließ sich in den Songpausen immer wieder zu kurzen Geschichten über die Stücke hinreißen, die auch mal ins Nichts führten.

Frightened Rabbit - Haldern Pop Bar

Seinen Höhepunkt erreichte der Abend dadurch auch an dem Punkt, als Sänger und Songwriter Scott ganz allein auf der Bühne stand. Zunächst spielte er eine gewohnt berührende Fassung von „Poke“, nach der er ein wenig traurig ins Publikum blickte. Danach sagte er, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, dass er auch Wünsche entgegen nimmt. „Music Now“ rief jemand, was er allerdings ablehnen musste, da er das Stück nicht drauf habe. Dem Wunsch nach „The Wrestle“ kam er dann aber nach, obwohl er das seiner Aussage nach auch drei Jahre nicht mehr gespielt hat. Das merkte man dann auch, als er nämlich zur dritten Strophe kam, wusste er beim Text nicht weiter und wandte sich ans Publikum, das ihm aber auch nicht helfen konnte. Also spielte er den Gitarrenakkord so lange, bis ihm wieder Textfetzen einfiel und er sich wieder in den Song mogeln konnte. Herrlich sympathisch.

Es folgte ein noch älteres Stück, nämlich „Snake“. Ein Song über ein Stofftier, so eine Schlange, wie man sie vor die Tür legt, damit es nicht zieht, das er und seine Ex-Freundin vor vielen Jahren besaßen. Als diese Freundin ihn dann verlassen hat, schrieb er einen Song darüber, wie einsam er jetzt mit „Snake“ war. Das Stück unterbrach er immer wieder, um kurze Details zu erläutern. Wie zum Beispiel die Zeile „staring at me with his gay eyes“ – „Yeah, Snake was gay, just thought you should know“.

Weiter erzählte er während des Stücks, dass viel masturbiert habe, nachdem seine Freundin ihn verlassen hat, weshalb Snake ihn immer so anstarrte. Er bat zwar, dass das bitte in der Haldern Pop Bar bliebe, jemand rief aber direkt „Tomorrow it’s on Youtube“, woraufhin großes Gelächter folgte.

Frightened Rabbit - Haldern Pop Bar

Schluss der Geschichte war, dass er mit Snake nach New York gegangen sei, um seine Ex-Freundin zurückzugewinnen, was leider nicht geklappt habe und dass Snake nun bei einem kleinen Mädchen lebt, das zwei Daddies hat – „You could say, he’s in his element now“. Der Applaus nach diesem wunderbar erfrischenden Vortrag war natürlich entsprechend groß, die Band schien aber zu spüren, dass man Scott nicht noch länger alleine lassen kann, sonst redet er sich noch um Kopf und Kragen.

Es folgten noch einmal vier weitere Stücke, die einen tollen Abschluss für einen herzerwärmenden Abend darstellten. Gerade der semiakustische Vortrag der Stücke machte den Sound für ein Frightened Rabbit Konzert einzigartig, ist die Band doch inzwischen größere Bühnen und riesige Soundwände gewohnt.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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