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Dry the River + I’m Big In Japan – Botanique, Brüssel, 22. November 2012

Dry The River

Seit einigen Wochen sind die Briten Dry the River in Europa unterwegs, um Songs ihres Debuts „Shallow Bed“ vorzustellen. Dieses erschien im März dieses Jahres bei Sony. Dry the River gehören zu den Bands, die schon viele ihrer Zuhörer durch ständiges Touren gewonnen haben, bevor das Album überhaupt erschienen ist. Dazu zählen neben ihrem Auftritt beim Haldern Festival 2011 auch etliche Sets als Support Band, z.B. von The Antlers oder Bombay Bicycle Club.

Das Konzert in Brüssel fand im Botanique statt, und zwar in der größeren der drei für Konzerte zur Verfügung stehenden Hallen, der Orangerie. Viel mehr Menschen fasst die Halle auch nicht, sie ist nur anders aufgebaut. Zeitgleich spielten in der schöneren Rotonde die Mystery Jets.

Im Vorprogramm spielte ein lokaler Act namens I‘m Big In Japan, 3 Belgier gaben mit Hilfe von Gitarren, Keyboard und Gesang sehr harmonische Songs zum Besten. Auf Dauer ähnelten sich diese jedoch sehr, so zog sich ihr Set nach ein paar Songs in die Länge und man hoffte vor jedem Weiteren die Ansage zu hören, dies sei für heute ihr Letzter. Jedoch lässt sich nicht abstreiten, dass die Musik durchaus angemessen war, man hat als eifriger Konzertgänger schon so manche Supportacts erlebt, die man viel weniger gut aushalten konnte. Begleitet von höflichem Applaus verließ die Band nach ca. 40 Minuten auch wieder die Bühne, somit konnte diese dann für die 5 Musiker von Dry the River umgebaut werden.

Währenddessen hatte sich die Orangerie schon ziemlich gut gefüllt, jedoch nicht so, dass man sich eingeengt gefühlt hätte. Ausverkauft war das Konzert an diesem Abend also nicht. In einem Interview sagte Sänger Peter Liddle einmal, dass ihre Konzerte entweder nur Teenager oder Leute über 30 besuchen würden, schaute man sich in Brüssel einmal genauer um, konnte man das sogar bestätigen, nicht ausschließlich, jedoch fällt es auf, dass kaum jemand im Alter der Bandmitglieder selbst im Raum war.

Dry The River

Vergleichsweise kurz war die Umbaupause, so erlosch schon bald das Licht und Dry The River betraten zu Rush’s „Limelight“ und Stroboskoplicht die Bühne. Mit „Shield Your Eyes“ ging es los und mit den ersten Tönen brachte Peter jeden im Raum dazu, zu verstummen und ihm zuzuhören. Seine Stimme ist so ausdrucksstark und kräftig, dass er eigentlich kein Mikrofon braucht. Das bewies er auch später bei „Weights & Measures“, dieses Stück sangen alle gemeinsam akustisch ohne Mikrofon bis Schlagzeug, Bass und die restlichen Instrumente einsetzten. So ruhig der Song begann, so gegensätzlich endete er auch, mit einem ca. drei-minütigen instrumentalen Outro, bei dem sie völlig aus sich raus gingen. Viele Songs der Band sind so aufgebaut, dass sie sehr ruhig und melodisch beginnen und einen dramatischeren, lauteren Abschluss haben. Besonders live klingt das Ganze nochmal anders und auch interessanter als auf Platte.

Als Zugabe war eigentlich eine akustische Version von „Shaker Hymns“ vorgesehen, nach einigem Warten kam ein Teil der Band jedoch auf die Bühne zurück und erklärte, dass Peter sich nach dem letzten Song so verletzt hätte, dass sie die Zugabe leider nicht spielen könnten. So sind 8 Songs doch sehr wenig, außerdem war es sehr verwunderlich, dass sie beispielsweise Animal Skins und vor Allem „The Chamber and the Valves“ nicht gespielt haben.

Diese gehören nämlich nicht unbedingt zu den schlechteren Songs auf dem Album, im Gegenteil. Bestimmt hätten sich einige aus dem Publikum auch gefreut, B-Seiten live zu hören. In dem Fall sind sie hingegen sicher nicht die einzige Band, die solche Songs lieber hinten anstellt, aus welchen Gründen auch immer.

Trotz der kurzen Setlist und dem überraschenden Ende des Abends, sind die Konzerte der Briten empfehlenswert. Werden Konzerte zu sehr in die Länge gezogen, kann es auch schnell nach hinten losgehen und die Stimmung negativ beeinflussen. Besonders dem Bassisten Scott Miller merkt man die Spielfreude an, auch Drummer Jon Warren hat immer ein Grinsen im Gesicht. Eine gewisse Routine konnte man aber auch nicht leugnen, ein bisschen Abwechslung in der Songauswahl würde da schon Abhilfe schaffen, auch wenn die Jungs bisher nur ein Album veröffentlicht haben.

Pläne für das nächste Jahr sind neben einer neuen zweiten Platte auch ein Akustik Album mit Songs von „Shallow Bed“, die sie ebenfalls live spielen wollen. Diese Konzerte sollen dann angeblich mehr als 2 Stunden dauern, wie der Bassist auf der Bühne erzählte. Musiker erzählen aber bekanntlich viel und gerne, von daher erscheinen 2 Stunden dann doch etwas übertrieben. Die Aufnahmen zum neuen Album sollen im Januar 2013 beginnen.

Setlist:
Shield Your Eyes
New Ceremony
History Book
Demons
Weights & Measures
No Rest
Bible Belt
Lion’s Den

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