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Clock Opera – Venn

Clock Opera – Venn

„Ways To Forget“, so hieß das Debüt der Briten von Clock Opera. Es gibt viele Wege eine Band zu vergessen. Einer ist, dass die Musiker jahrelang nichts von sich hören lassen und man die Band dann eben schon vergessen hat, wenn sie etwas neues veröffentlicht. Eigentlich ein Schicksal, das vielen Bands nach ihrem erfolgreichen Debüt und dem mäßig erfolgreichen zweiten Album widerfährt. Oder eben Bands, die nach einem Hype ihr Debüt auf einem Major veröffentlichten und dann bei mäßigem Erfolg damit kämpften, ein neues Label zu finden. Thirteen Senses sind so eine Band, Athlete darf man eventuell auch dazu zählen. Clock Opera gehören eigentlich nicht dazu, ließen dennoch fünf Jahre seit ihrem Debüt verstreichen. Gerade für eine Newcomer-Band eigentlich ein Todesstoß, besonders nachdem die Kritiken mit einem Metascore von 59/100 nicht gerade berauschend ausfielen. Und doch haben sich die Londoner durch diese Zeit sowie einen Besetzungswechsel gekämpft und sind nun zurück. „Venn“ heißt ihr zweites Werk. Die Kämpfe, die Clock Opera bis zum Release austragen mussten, waren zum Einen die Sicherung einer Finanzierung und das Finden eines Vertriebs. Beides ist gelungen.

Das Crowdfunding fand Mitte letzten Jahres seinen Abschluss und kurz darauf fand sich mit !K7 auch ein Vertrieb. Kein Wunder, wer legt sich nicht gern ins gemachte Bett. „Venn“ ist ein Album geworden, das die Nachdenklichkeit widerspiegelt, die bei den einzelnen Musikern über die Jahre der Entstehung aufgekommen ist. Verbunden mit privaten Schicksalen und natürlich auch neuen Eindrücken. Mit „In Memory“ geht es dann auch erst einmal ruhig los. Mit gewohnt hoher Stimme singt Guy Conelly zu sanft pluckernden Beats vom Verlust eines geliebten Menschen. So ruhig und linear bleiben die Melodien aber nicht. Bei „Changeling“ drücken zum Beispiel aufdringliche Synthies und ein dröhnender Background-Beat, die im starken Widerspruch zum Mid-Tempo des Stücks stehen. Im Refrain nimmt das ganze etwas Fahrt auf und lädt auf die Tanzfläche. Etwas rockiger verhält sich das bei „Closer“. Die Gitarren kreischen durcheinander und die Drums drängeln nach vorn. Gerade im Refrain wird aus dieser Mischung ein erstklassiger Indie-Hit, bei dem man nur schwer still sitzen kann. Die Vorabsingle „Whippoorwill“ zeigt wieder die etwas düstere Stimmung des Openers und sorgt für einen Bruch, der in dieser Form in der Folge auch immer wieder zu hören ist. Die vier Londoner schwanken ab diesem Moment auf „Venn“ immer zwischen einer leicht an Two Door Cinema Club erinnernden Euphorie und den zurückgenommenen Electronica-Momenten von Delphic hin und her. Das ist dann auch beinahe das Problem, denn weder schaffen es Clock Opera je, das treibende Hit-Moment ersterer zu erreichen, noch die Tiefe letzterer abzubilden und auch die Mischung aus Beidem ist nur zu selten fesselnd, auch, wenn beide Bands sich einen so gelungenen Albumabschluss mit den drei Songs „Cat’s Eye“, „Tooth & Claw“ und „When We Disappear“ nur wünschen können. Ein etwas eigenständigerer Sound wäre also wünschenswert. Für den Moment reicht das aber zu einem vollkommen empfehlenswerten Album und überbrückt die Zeit bis Album Nummer 3, das dann hoffentlich nicht erst in fünf Jahren erscheint, und macht Lust auf die kommende Tour.

Clock Opera auf Deutschland-Tour

06. April 2017, Dortmund – Sissikingkong
08. April 2017, Frankfurt – Zoom
09. April 2017, München – Milla
10. April 2017, Hamburg – Prinzenbar
11. April 2017, Berlin – Berghain Kantine
12. April 2017, Köln – Yuca

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