Konzertberichte

Car Seat Headrest + Brookland – FZW, Dortmund, 21. August 2017

Car Seat Headrest, FZW, Dortmund, 21. August 2017

Gerade einmal 18 Jahre zählte Will Toledo, als er sich entschloss, Musik unter dem Namen Car Seat Headrest zu machen. Ein Name, den er wählte, weil er die Gesangslinien seiner Songs wegen der besonderen Akustik vom Rücksitz seines Autos aufnahm. Seitdem hat er auf eigene Faust acht Alben veröffentlicht. In der Zwischenzeit ist sein Projekt nicht nur um weitere Mitglieder angewachsen, er konnte auch 2015 bei Matador Records landen, wo er seitdem die beiden Alben „Teens of Style“ und „Teens of Denial“ veröffentlichte. Seitdem waren Car Seat Headrest auch bereits bei einigen Touren live in Deutschland zu sehen. Zuletzt im März diesen Jahres und auch in der letzten Woche wieder. Genau zwei Tage vor seinem 25ten Geburtstag fand sich Will Toledo mit Car Seat Headrest im FZW in Dortmund ein, wo er seinen ganz eigenen DIY-Rock auf die Bühne brachte.

Bei früheren Touren waren Car Seat Headrest unter anderem auch mit TRAAMS zu sehen, beim Konzert in Dortmund mussten wir jedoch mit einem lokalen Support Vorlieb nehmen. Brookland hieß das Duo aus der Dortmunder Nordstadt, bestehend aus Sänger und Gitarrist Robert Klötzing und Drummer Felix Feldmann, das den Abend im FZW eröffnen durfte.

Gemeinsam machen die beiden Musiker krachenden und dabei melodie-verliebten Indie-Pop mit energetischem Gesang und drängendem Schlagzeugspiel. Derzeit geht es für sie anscheinend auch richtig los, denn Brookland durften bereits auf dem Open-Source-Festival und dem Juicy Beats spielen und sich über eine Nominierung als Newcomer beim Pop-NRW-Preis 2017 freuen. Uns riss die halbe Stunde zwar nicht zu Begeisterungsstürmen hin, dennoch muss man dem Duo lassen, dass sie für eine kurzweilige halbe Stunde sorgten, in der sie die Stimmung im FZW bereits gut anheizen konnten.

Nach einer weiteren halben Stunde Umbaupause betraten dann auch schon Car Seat Headrest die Bühne. Zunächst nur in Person von Drummer Andrew Katz, der zu einem längeren Sample in die Becken schlug. Nach und nach betraten auch die restlichen Mitglieder die Bühne und gingen nach einem langen Intro in das Stück „Vincent“ über. Schnell wurde deutlich, dass die Band, im Gegensatz zu den Aufnahmen, auf der Bühne nicht viel mit Lo-Fi zu tun hat. Die vier Musiker rockten sich in den ersten Stücken aus, präsentierten Gitarrenriffs, die man so auch von Slash hören könnte und ließen sich im hinteren Viertel der Stücke gern zu bombastischen Soundwänden hinreißen. Kombiniert mit dem non-chalanten Gesang von Will Toledo hatte das ein wenig die Wirkung von The Strokes zu Anfangszeiten.

Das sehr gut gefüllte FZW ließ sich ab dem ersten Refrain von Car Seat Headrest mitreißen und quittierte die teils bis zu acht Minuten ausufernden Live-Interpretationen des Quartetts nicht nur mit überschwänglichem Applaus, sondern sang bei Songs wie „Fill In The Blank“ und auch ruhigeren Stücken, die man fast Balladen nennen könnte, sogar lauthals mit. Das war ebenso unerwartet, wie die Wucht, den die Band wie erwähnt in die Songs legte. Dieses Element ließ das Set jedoch manchmal etwas schleppend werden. Die Rezeptur war nämlich immer recht ähnlich. Car Seat Headrest legten langsam vor, Will Toledo sang dazu teils ein wenig nuschelnd und nach und nach bauschten die Musiker das Stück immer weiter auf. Irgendwann konnte man schon bestimmte Posen des Gitarristen vorhersagen und wann er sich zum nächsten Solo hinreißen lässt. Zum Glück gab es ein wenig Abwechslung in Form ruhiger Stücke, wie „America“, wodurch das Set etwas aufgelockert wurde. Insgesamt gab es aber keinen Grund, sich zu beschweren, da es hier eine junge Band schaffte, ihre Songs live in ein beinahe episches Kleid zu hüllen, dass wenige Bands in diesem Alter so gekonnt und ausgefeilt hinbekommen würden. Nach diesem Abend wird sich der Name Car Seat Headrest auf jeden Fall noch weiter herumsprechen und beim nächsten Besuch im FZW dürfen die Musiker dann vielleicht sogar schon die große Halle füllen.

Setlist Car Seat Headrest, Dortmund, 21. August 2017

Vincent
Fill In The Blank
Unforgiving Girl (She’s Not An)
Maud Gone
Destroyed by Hippie Powers
(Joe Gets Kicked Out Of School For Using) Drugs with Friends (But Says This Isn’t A Problem)
Drunk Drivers/Killer Whales
War Is Coming
America
Beast Monster Thing (Love Isn’t Love Enough)
Biking (Frank Ocean Cover)


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