Konzertberichte

Young Rebel Set – Musikbunker, Aachen, 09. Juli 2012

Young Rebel Set, Aachen, Musikbunker

Wenn es eine Band gibt, die wir hier bei WhiteTapes sehr gern gefördert haben und auf die sich eigentlich fast alle einigen konnten, die jemals bei uns mitgemacht haben, dann sind es wohl Young Rebel Set aus Englands kühlem Nord-Osten. Mit ihrem letztjährigem Album „Curse Our Love“ wussten sie dann auch nicht nur uns zu überzeugen, sondern offensichtlich auch euch, landete die Band doch auf Platz 1 beim Voting zum WhiteTapes Record of the Year 2011.

Gerade wegen der ausverkauften Tourneen der letzten Jahre und dem gewissen Buzz, der durch ihr Label Grand Hotel van Cleef und deren treue Anhängerschaft in Deutschland um die Band entstanden ist, hat die Band nun schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Bis zum Musikbunker Aachen, wo wir die Band nun zum wiederholten Male live sehen sollten, hat sich das aber wohl noch nicht rumgesprochen. Auf deren Homepage hieß es in der Ankündigung zum Konzert noch: „Young Rebel Set das Konzert-Phänomen des Jahres. Sie spielen ausverkaufte Konzerte in Berlin und Hamburg mit je mehr als 500 Zuschauern und das alles mit nur einer in Deutschland veröffentlichten „Vinyl Only“ EP in Miniauflage. Von einem „richtigen“ Album weit und breit keine Spur!“ Keine Frage, das Minialbum war toll und die Entwicklung der Band bis zum Release des Albums beachtlich. Kündigt man ein Konzert dieser Band allerdings fast eineinhalb Jahre nach dem Albumrelease an und verlangt dann sogar fast 20 Euro an der Abendkasse, täte ein wenig mehr Beschäftigung vorab mit der Band vielleicht ganz gut.

Aber, nur weil der Veranstalter schlecht informiert war, bedeutete das natürlich nicht, dass Musikfans in der Studentenstadt an der niederländischen Grenze im Südwesten NRWs nichts mit dem Namen Young Rebel Set anfangen konnten. Das konnten sie nämlich anscheinend sehr gut und so war das Untergeschoss des Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg schon kurz nach Einlass gut gefüllt. Ein wenig Geduld war aber angebracht, denn auf eine Vorband wurde ganz verzichtet und so durften die Besucher nach Einlass noch einmal knapp 75 Minuten warten, bis die Band um Matt Chipchase endlich die Bühne betrat. Das tat sie dann gut gelaunt und wie häufig seit Release von „Curse Our Love“ mit dem Album-Opener „Lion’s Mouth“.

Young Rebel Set, Aachen, MusikbunkerAuch das Publikum empfing die neuen britischen Folk-Rock-Helden gut gelaunt und zeigte sich von Beginn an in Feierlaune. Die Band natürlich auch und am dritten Abend ihrer Deutschland-Tour schien sie bereits perfekt eingespielt auf das deutsche Publikum und bereit zu einer Party. So war es natürlich kein Wunder, dass gerade die schnelleren Stücke bereitwillig vom Publikum abgefeiert wurden. Aber auch ruhigere Songs, wie „Red Bricks“ platzierte die Band geschickt im Set, um sich und den Fans eine notwendige Verschnaufpause zu geben. Erstaunlich war dabei, dass die Songs der Band auch nach zwei Jahren auf Tour kein bisschen abgenutzt sind und nach wie vor genau so gut funktionieren. Dennoch war es natürlich erfrischend, dass Young Rebel Set neben Altbewährtem auch eine ganze Reihe neuer Stücke im Gepäck hatten, die sich nahtlos in das bestehende Material einfügten.

Größter Unterschied beim neuen Material ist der Verzicht auf die früher prägnante Mundharmonika. Stattdessen ist nun häufiger ein Keyboard im Einsatz, dass vom Band-Neuzugang Danny gespielt wird. Der auffälligste neue Titel war ein leicht bombastisch angehauchtes Stück mit einer gewissen Prise Pathos und einem Spannungsbogen, den man sich so auch für einen Cliffhanger von Grey’s Anatomy vorstellen könnte. Nein würden sie bestimmt nicht sagen, wenn die Serienmacher anfragten. Kurz danach kam es auch schon zum Ende des Sets, das die Briten wie immer mit ihrem größten Hit „If I Was“ beendeten. Die erste Strophe wurde dabei so laut vom Publikum mitgesungen, dass man Matt fast nicht hörte, aber das gehört nun einmal auch zu einer richtigen Party. Die anschließende Pause bis zur Zugabe war dann auch sehr kurz und Young Rebel Set kehrten noch einmal für drei Songs zurück. Der letzte, „Measure Of A Man“ ist zwar auch live in schrecklicher Nähe zu Mumford & Sons Stücken, wird aber zum Glück deutlich weniger schmachtend vorgetragen und vom Publikum auch so bereitwillig gefeiert, dass man über die klangliche Nähe zur überladenen Musik von Mumford & Sons sehr gut hinwegsehen konnte.

Auch wenn die Band sich danach in die Nacht verabschiedete war noch lange nicht Schluss. Nicht einmal fünf Minuten nachdem sie sich verabschiedet hatten, das Licht wieder anging und sich der Musikbunker langsam zu leeren begann standen Young Rebel Set plötzlich wieder auf der Bühne. Sie fragten kurz, was die noch Anwesenden noch hören möchten und einigten sich dann auf „If I Was“, das nun mit Unterstützung einiger Fans auf der Bühne vorgetragen wurde, die wahlweise im Chor mitsangen oder einfach nur tanzten. Der Abschluss dieser finalen Zugabe war dann wohl auch das ganz besondere Highlight des Abends. Für „Down The Line“ ließen die Jungs dann nämlich einen jungen Herren ans Mikro, der bereits während des Sets durch ausgelassenes Tanzen und Mitsingen auffiel. Auf die Nachfrage, ob er die Lyrics könne, gab er ein beherztes Ja von sich und nahm Matt’s Platz ein. Seinen Job machte er dann sogar erstaunlich gut und sorgte so für einen allerletzten Glanzpunkt eines mehr als gelungenen Konzerts, das dem Musikbunker wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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