Konzertberichte

William Fitzsimmons + Kate York, Effata! Jugendkirche, Münster, 03. Dezember 2009

Foto: Johannes Wallat

Trennungen und die zumeist damit verbundenen Neben- und Nachwirkungen gehören eher zu den Angelegenheiten, die keine Top-Platzierung in der persönlichen Beliebtheitsskala einnehmen. Ein Jeder hat seine ganz eigene Art damit umzugehen: Da ist die Fraktion, die laut „Awesome“ aufschreit und durch Ablenkung mit dem anderen Geschlecht versucht der Situation Herr zu werden. Wiederum andere verlassen ihre eigenen vier Wände nur zum Einkauf wirklich lebensnotwendiger Dinge und sorgen dafür, dass die Schokoladenindustrie einen horrendes Umsatzplus zu verbuchen hat. Eine weitere Gruppe Menschen flüchtet sich in die Musik. Sei es durch das verträumte, gelegentlich auch verheulte, Zuhören oder aber der Verarbeitung in Form selbst geschriebener Stücke.

Zu der letzten Spezies gehört zweifellos William Fitzsimmons. Aufgewachsen als Sohn blinder Eltern in Pennsylvania und laut eigener Aussage, Besitzer des „greatest beard on earth“, entdeckte er schon früh seine Liebe zur Musik. Diese Liebe wird jedoch meist von großer innerer Zerrissenheit und Verzweiflung beeinflusst. Nahezu alle privaten Probleme werden selbsttherapeutisch verarbeitet.

Anlässlich dieser musikalischen Therapiesitzung wurde die ursprünglich vorgesehen Location, das Gleis 22 in Münster, eingetauscht gegen die efffata-Jugendkirche des Bistums Münster. Vorab sei gesagt, ein wahrhaft würdiger Rahmen für ein musikalisches Ereignis, welches immer noch Bewunderung hinterlässt.
Ca. 500 Menschen machten es sich in der sanft beleuchteten Kirche bequem und warteten, dem Ort angemessen, andächtig auf einen Mann mit Vollbart, der zu seinem Publikum sprechen und singen sollte.

Als Einstimmung auf Fitzsimmons, testete Kate York die Akustik der Kirche und stimmte das Publikum mit ruhigen Liedern auf den Abend ein. Leider fehlte der Musik ein wenig der Wiedererkennungswert, so dass Kate Yorks Stücke am besten mit „Liedern, die keinem weh tun“ beschrieben werden kann.

Dann war es so weit und William Fitzsimmons kam zunächst alleine auf die Bühne, um seine augenscheinlich große Fangemeinde musikalisch zu begrüßen. Selten passten Musik und Location wohl so gut zusammen wie an diesem Abend. Eine stetige Gänsehaut wurde zu einem angenehmen Begleiter des Konzertes und glückliche Gesichter, soweit das Auge reichte.William selbst war, das konnte man ihm anmerken, sehr beeindruckt von der Kulisse und freute sich über den großen Zuspruch. Nach drei Liedern kam dann auch seine Band auf die Bühne, um die Songs in noch größerem Gewand zu präsentieren. Neben seinen eigenen Liedern, wie „It’s not True“, „You Broke My Heart“ oder des großartigen „Maybe be alright“, präsentierte er auch einige Cover-Songs. Dazu zählten „Naked As We Came“ von Iron & Wine oder, man höre und staune, sogar Kanye West’s Heartless. Diese grausame Plastik-Hip-Hop-Nummer wurde dankenswerter Weise durch den Fitzsimmon’schen Reißwolf gedreht und zu einer hinreißenden Akustik-Ballade umfunktioniert.

Es gibt Abende, an denen passt einfach alles: Publikum, Musik und die Atmosphäre. Dieser Abend gehörte definitiv dazu. Bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft weitere Musiker das Vergnügen haben werden, sich in solch einem Rahmen zu präsentieren. Da wird man sogar gerne melancholisch und hört sich mit einem Lächeln im Gesicht Trennungsgeschichten an. Awesome!

Fotos: William Fitzsimmons Myspace

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