Konzertberichte

We Were Promised Jetpacks + Käfer K, Münster, Gleis 22, 03. September 2009

Mitte Juni kündigte Adam Thompson, Sänger von We Were Promised Jetpacks im Interview mit uns, an, dass er hoffe mit seinen Jungs, gegen Ende des Jahres eine kleine Deutschland-Tour spielen zu können. September ist Start des letzten Quartals und damit natürlich im weitesten Sinne auch das Ende des Jahres. Der Tour-Start zum Debüt-Album „These Four Walls“ sollte dann auch noch in Münster statt finden. Ein schöner Zufall und natürlich ein Pflichttermin, nachdem das Album bereits den ganzen Sommer lang auf Heavy Rotation lief. Zudem auch ein guter Anlass endlich einmal wieder das schmucke Gleis 22 zu besuchen, in das wir es seltsamerweise seit Dezember 2008 nicht mehr geschafft haben. Verändert hatte sich natürlich nichts und so fanden wir uns kurz nach Einlass im Club ein.

Entgegen der Tradition Konzerte im Gleis 22 Punkt 21 Uhr beginnen zu lassen, kam die Vorgruppe erst eine viertel Stunde später auf die Bühne, aber da in der Studentenstadt Münster das akademische Viertel sehr angesagt ist störte sich da natürlich niemand dran. Käfer K kommen aus dem Emsland und spielen Deutsch-Punk irgendwo zwischen Turbostaat und Muff Potter (um sich einmal der Ankündigung des Gleis 22 zu zitieren). Das Set tat niemandem weh und war auch schnell vorbei. Einziges Manko vielleicht, dass der Schreigesang des Sängers trotz deutscher Texte meist absolut unverständlich war. Da sollte man später sogar trotz starkem schottischem Akzent das Englisch von Adam Thompson besser verstehen.

Um 22:15 Uhr machten sich We Were Promised Jetpacks auf die kleine Bühne, um die Songs ihres Debüts erstmals nach dem Release in einem deutschen Club zu präsentieren. Was als erstes ins Auge fiel war das stinknormale Aussehen der Jungs. Die sahen nicht nach Indie-Band aus, sondern nach vier Jungs, die gerade aus der Schule kommen, um mit ihrer kleinen Band im Probe-Raum zu spielen. Auf den ersten Blick für eine Indie-Band vielleicht untypisch räumte gerade die Erscheinung von Sänger Adam doch endlich auch einmal mit dem Klischee des stark gescheitelten, Röhrenjeans tragenden Mädchenschwarm am Mikro auf. Einmal ganz erfrischend also einen durchnittlichen, dicklichen schottischen Jungen am Mikro zu sehen. Das änderte natürlich nichts daran, dass er stimmlich einiges zu bieten hatte. Eröffnet wurde der Abend mit „It’s Thunder And It’s Lightning“. Der mittlerweile gut gefüllte Club sang ab der ersten Zeile mit und zeigte sich sehr textsicher. Die Stimmung war von Beginn an ausgelassen, insbesondere natürlich bei den schnelleren Stücken.

Darunter etwa die Single „Roll Up Your Sleeves“, bei der ausgelassen getanzt und mitgesungen wurde. Zwischen diesen schnelleren Songs und den ruhigen Stücken von „These Four Walls“ gab es einen stetigen Wechsel, so dass man fast nach jeder Up-Tempo Nummer ein wenig verschnaufen konnte. Die Band schien die Feierstimmung sichtlich zu genießen und ging voll in ihren Songs auf. Bei „Keeping Warm“ gegen Ende des Sets bauten sie dann eine gewaltige Soundwand auf und bewiesen, wie gut Post-Rock in einer Kombination mit Indie-Rock passt und eine dichte Stimmung erzeugen kann. Nach knapp 45 Minuten waren sie dann allerdings auch schon durch und verabschiedeten sich von der Bühne. Der Applaus war zwar überschwänglich, konnte das Quartett leider dennoch nicht davon überzeugen noch einmal für eine Zugabe auf die Bühne zurück zu kehren. Vielleicht war daran eine Verletzung des Handgelenks von Gitarrist Michael Palmer schuld, zumindest massierte er sich betreffendes in den Songpausen immer mal wieder. Eine Erklärung gab es dennoch nicht und so ging nach 45 Minuten das Licht an und der Abend war vorbei. So war das Live-Debüt von We Were Promised Jetpacks in Münster zwar insgesamt höchst gelungen, allerdings mit 45 Minuten etwas kurz, dabei hatten die Jungs mit „Back To The Bare Bones“, „Let’s Call This A Map“ oder dem schönen „Conductor“ noch mindestens drei Tracks im Repertoire, die sie in einer Zugabe hätten verpacken können. Dennoch natürlich ein toller Abend mit einer der besten Newcomer-Bands des Jahres.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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