Konzertberichte

Villagers + Luke Sital-Singh – Gebäude 9, Köln, 23. Februar 2013

Villagers - Gebäude 9, Köln, 23. Februar 2013

Knapp zweieinhalb Jahre ist es jetzt schon her, dass sich der Ire Conor J. O’Brien zuletzt mit seinem Projekt Villagers auf deutschen Bühnen bewegte. Damals hatte er gerade das Debüt „Becoming A Jackal“ veröffentlicht und sich neben begeisterten Reviews auch über gut gefüllte Konzertsäle freuen dürfen. Auch in Deutschland wurde er begeistert empfangen, dennoch mussten wir seit November 2010 warten, dass er endlich wieder als Headliner eine deutsche Bühne betritt.

Im November trauter er sich nur als Support von Grizzly Bear  nach Deutschland, aber zum Glück haben wir als westliche Nachbarn ein Land, dem Conor sehr zugetan zu sein scheint, war er doch innerhalb der letzten drei Jahre ein gutes Dutzend Mal zu Gast in den Niederlanden.

So fand er sich auch pünktlich zum Release des zweiten Villagers Albums „{Awayland}“ auf Bühnen im Land der Tulpen, Windmühlen und Grachten wieder. Neben einem Gastspiel auf dem Eurosonic in Rotterdam und einer Headlineshow in Nimwegen stand auch die nur 120.000 Einwohner-Stadt Zwolle in Overijssel auf dem Programm. Und so konnten wir uns sechs Wochen vor Start seiner Deutschland-Tour von der Live-Umsetzung des neuen Materials überzeugen und uns auf diese Art perfekt auf den Abend im Kölner Gebäude 9 einstimmen lassen.

Luke Sital-Singh - Gebäude 9, Köln, 23. Februar 2013

Wie schon beim Auftritt in Zwolle, fiel auch auf der Europa-Tour von Villagers die Rolle des Supports dem Londoner Luke Sital-Singh zu. Als Referenzen führt der Brite indischer Abstammung auf seiner Facebook Seit Künstler wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Joni Mitchell, Damien Rice, Josh Ritter und Tallest Man On Earth auf. Sieht man ihn live, fehlt allerdings die deutlichste, nämlich Jeff Buckley. Wie die vor 26 Jahren verstorbene Legende setzt der Londoner auf eine Kombination aus großem stimmlichem Einsatz und spärlichem Einsatz der Gitarre. So erinnerte er in Zwolle, gerade bei den Songs mit elektrischer Gitarre, sehr an die „Sin-E“ Sessions des Amerikaners, der viel zu früh von uns gegangen ist. Im Gebäude 9 eröffnete er direkt mit „I Have Been A Fire“. Eine gefühlvolle Nummer, die vor allem von der Stimmgewalt von Luke Sital-Singh lebt.

Stimmlich spielt Buckley natürlich in einer anderen Liga. Dennoch weiß Sital-Singh mit seinen ruhigen Songs zu berühren. Das einzige Problem an seinem Set war jedoch, dass er gleich nach „I Have Been A Fire“ auf seine Akustik-Gitarre zurückgriff und auf ihr einen Song vortrug, der nach dem gleichen Prinzip, wie der Opener gesponnen war. Auf der akustischen Gitarre war das Stück trotz großem Stimmeinsatz allerdings etwas weniger dringlich. Auch in der Folge erkannte man immer wieder die gleiche Blaupause. Dennoch bot Luke Sital-Singh mit seiner halbstündigen Show einen schönen, ruhigen Einstieg in den Abend und wir werden ihn auf jeden Fall  im Auge behalten.

Villagers - Gebäude 9, Köln, 23. Februar 2013

Weiter ging es mit einer nur halbstündigen Pause und Punkt 21 Uhr stand dann auch Conor mit seiner Band auf der Bühne, um den ersten Villagers Headlining-Gig in Deutschland seit zweieinhalb Jahren zu spielen. Und das Warten sollte sich gelohnt haben. Das zeigte sich schon mit dem Opener „Grateful Song“, der nach einem sehr ruhigen, beinahe besinnlichen Einstieg schön Fahrt aufnimmt und die Band am Ende einlud hübsch auszurocken. So war das Eis auch schnell gebrochen und eine direkte Bindung zum gut gefüllten Gebäude 9 hergestellt. Mit „Home“ folgte dann auch der erste Song des Debüts „Becoming A Jackal“. Hier fiel auch schnell auf, dass sich die Songs beider Alben live nahtlos zusammenfügen und die Lücke, die manche im Sound zwischen dem eher folkigen Debüt und dem rockigeren „{Awayland}“ kritisieren, war nicht erkennbar.

Das macht vielleicht auch eine gute Band aus, dass sie Stücke aus ihren verschiedenen Schaffensphasen live zu einer gelungenen Einheit zusammenfügt. So passte auch der anfängliche Wechsel zwischen beiden Alben sehr gut. Die recht eigene Art Conors zu singen tat ihr übriges, um das Publikum gefangen zu nehmen. Er wirkt immer eher so, als würde er Geschichten erzählen und häufig gar nicht, wie ein Sänger. Gerade beim wunderbaren „The Bell“ wurde das deutlich. Immer wieder suchte er dabei den Kontakt zum Publikum und blickte einzelne Besucher an, als würde er jemandem eindringliche die Erzählung klar machen wollen.

Villagers - Gebäude 9, Köln, 23. Februar 2013

Hier war auch der Kontrast besonders schön, da er sich gegen Ende seitlich wegdreht, um mit aller Kraft auf die Drums zu schlagen, die ihm bereitgestellt wurden. Ein herrlicher Gänsehautmoment. Beim anschließenden „Memoir“, der B-Seite von „The Waves“, die schon seit Release des Debüts zu jedem Live-Set von Villagers gehört, hielt er sich dann beim Singen an seinem Glas fest und bewegte es immer wieder, wie zum prosten, Richtung Publikum. Eine Geste, die an große Songwriter und Redner erinnert, trotz der Wirkung aber eher ein Versuch des Sängers war, sich nicht weiterhin an seine Gitarre oder den Mirkofonständer zu klammern. Was in dem Glas zu sein schien, konnte man nur erahnen. Der Ire, den wir bisher 3x live erleben durften und der doch eher ein schüchternerer Zeitgenosse ist, taute zunehmendst auf, hüpfte unkontrolliert über die Bühne und schrie sich dann und wann in Stimmung, sobald ein neuer Song angestimmt wurde. Seine Band ergänzte ihn perfekt und man merkte, wie alle Musiker in den letzten Jahren auf Tour mit Conor zu Villagers zusammengewachsen sind. Besonders der Bassist spielte auch ein wenig die Rolle des Aufpassers. Er kümmerte sich darum, dass Conor bei seinen Drum-Einsätzen nicht das Glas vergaß, das er auf den Drums abstellte und räumte öfter mal das beim Mikroständer entstandene Kabelchaos auseinander. Das schien Conor auch nötig zu haben an diesem Abend, denn mit fortschreitender Dauer des Sets schien er immer tiefer in der Musik zu verschwinden und bekam die Umgebung gar nicht mehr richtig mit.

Das passte auch zur Entwicklung der Setlist, die gegen Ende immer intensiver und rockiger wurde und in den ausufernden „The Waves“ und „Ship Of Promises“ ihren Höhepunkt fand. Hier schien Conor dann auch so in Trance zu sein, dass er am Ende des Songs die Hände vor dem Mund verschränkte und noch eine Minute lang einfach nur in eine Ecke der Bühne starrte, ohne eine Regung zu zeigen. Nach dem Set darauf angesprochen konnte er sich nicht einmal mehr daran erinnern.

Villagers - Gebäude 9, Köln, 23. Februar 2013

Nach einer kurzen Pause kam zunächst nur Conor allein zurück auf die Bühne, um eine ruhigere Version von „That Day“ zu spielen. So schön diese Version ist, fehlte dabei leider ein wenig der Drive und die Dramatik, die der Song in der Bandversion hat. Im Anschluss kam zunächst der Keyboarder zurück, um mit Conor „In A Newfound Land You Are Free“ zu spielen. An diesem Punkt merkte man schon, dass irgend etwas mit dem Sound passiert ist, der war nun weniger klar und machte es der Band etwas schwieriger.

Am deutlichstem merkte man es dann bei der letzten von vier Zugaben, „On A Sunlit Stage“, einer alten B-Seite von Villagers, die Conor als „old Irish traditional“ ankündigte, um noch augenzwinkernd hinzuzufügen „well, it will be one soon, I think“.

Die Band kämpfte beim Stück gegen den plötzlich seltsam gemischten Sound an, kam aber irgendwie nie richtig rein. Ein wenig ratlos aber vor allem glücklich und erschöpft von 90 intensiven Minuten, verließen Villagers im Anschluss unter lautem Applaus die Bühne und verabschiedeten sich von einem zufriedenen, auch zu diesem Zeitpunkt noch proppevollen, Gebäude 9. Wir hoffen, dass es bis zum nächsten Besuch von Villagers als Headliner in Köln nun nicht wieder 30 Monate dauert und freuen uns jetzt schon drauf.

Setlist Villagers:

Grateful Song
Home
Passing A Message
The Meaning Of The Ritual
Set The Tigers Free
The Bell
Memoir
The Pact (I’ll Be Your Fever)
Earthly Pleasure
Judgement Call
Nothing Arrived
Rhythm Composer
Becoming A Jackal
The Waves
Ship Of Promises

That Day
In A Newfound Land You Are Free
My Lighthouse
On A Sunlit Stage

Villagers auf Tour

26. Februar 2013, München, 59:1
27. Februar 2013. Berlin, Festsaal Kreuzberg
04. März 2013, Hamburg, Übel & Gefährlich

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr von Luke Sital-Singh hier und mehr von Villagers hier

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