Konzertberichte

Villagers & Daniel Benjamin, Luxor, Köln, 9. November 2010

Auf dem diesjährigen Haldern Pop Festival gehört der Auftritt von Conor J. O’Brien und seinen Villagers am Sonnabend sicherlich zu den Highlights des Festivals. Beim knapp 1stündigen Auftritt der Iren entwickelte sich eine ganz eigene Magie, die auch die Band kürte und den Auftritt zu ihrem bisher liebsten erklärten. Natürlich war der Auftritt der Band in Köln da mehr als nur ein Pflichttermin.

Der für Köln ausgewählte Support schaffte sodann auch eine weitere Verbindung zum Haldern Pop. Daniel Benjamin ist nämlich eng verbandelt mit dem Festival und auch beim Haldern Pop Label unter Vertrag. Derzeit nimmt er sein neues Album auf, folgte aber gemeinsam mit einer Gastmusikerin dem Ruf von Villagers, um ein paar Support-Shows zu spielen. Als er sein Set einige Minuten nach 21 Uhr begann, war das Kölner Luxor bereits gut gefüllt und so kam Daniel Benjamin zu dem Vergnügen seine Songs einem größeren Publikum vorzustellen. Von denen und an denen gab es auch ein paar Neuerungen, ein Cembalo auf der rechten Bühnenseite war wohl die markanteste. Mit seinen Folk-Pop-Stücken sorgte er für eine dichte Atmosphäre und erntete mehr als nur ein wenig Anstandsapplaus. Gerade durch das Cembalo erhielten die Stücke einen angenehm altmodischen Folk-Touch, der gerade beim neuen „The Heart Of The Rainbow“ an Fleet Foxes erinnerte. Knappe 30 Minuten dauerte sein Set, in denen er unter anderem noch scherzhaft erläuterte, dass er neben Gitarre und Drums bald noch Basspedal mit den Füßen und Geige mit seinem Ellbogen spielen wolle, damit er einen noch volleren Klang erzielt. Darauf warten wir dann einmal gespannt, denn nach diesem tollen Support-Auftritt freuen wir uns dann schon auf die Tour zum nächsten Album. Die Umbaupause nach Daniel Benjamin gestaltete sich dann beinahe etwas lang, war aber um 22:15 Uhr auch überstanden.

Die Spannung war zu diesem Zeitpunkt bereits greifbar und die Vorfreude auf den Auftritt von Conor J. O’Brien und seinen Jungs wohl nicht nur bei uns groß. Die eröffneten den Abend mit „The Meaning Of The Ritual“ vom Villagers Debüt „Becoming A Jackal“. Von der ersten Sekunde an war das Publikum gefangen von den Songs. Jeder im gut gefüllten Luxor schien an den Lippen von Conor zu hängen, der in seinem Gesangsstil eher erzählt, als singt. Das passt natürlich gut zur Intention der Songs, in denen der junge Ire viel wert auf die Geschichten legt, die er dort erzählt. Die handeln vom Erwachsenwerden verpackt in das Bild einer Metamorphose vom Menschen zum Schakal. Recht früh im Set, nämlich bereits an vierter Stelle, feuerten Villagers mit „Pieces“ eines ihrer größten Highlights heraus. Im Laufe des Songs steigerte sich die Band immer mehr, bis Conor am Ende mit den Schakalen jaulet. Im anschließenden „Set The Tigers Free“, das beinahe ein wenig daher plätscherte, fuhr die Band ihr Tempo wieder deutlich runter und setzte diesen Prozess in der Folge fort, da sie Conor für einige Songs allein auf der Bühne zurückließen.

Allein intonierte er dann rein akustisch unter anderem das tolle „27 Strangers“. Leider war nach dem atmosphärisch dichten „Pieces“ die Tempo-Bremsung so stark, dass der Bruch mit den ruhigeren Songs etwas zu stark war und die Stimmung ein wenig abflachte. Dennoch lauschten alle gern dem neuen Stück „Cecilia and Her Selfhood“, das Conor zunächst A Capella und später mit Gitarre vortrug. Hier wurde die Stille auf die Spitze getrieben, was auch dank des starken narrativen Vortrags von Conor einen ganz eigenen Charme hatte. In der Folge zog das Tempo dann zunächst mit einem Begleitmusiker am Keyboard und dann mit der ganzen Band wieder an, um sich im abschließenden „Ship Of Promises“ mit ganzer Macht zu entladen. Nach großem Applaus kamen Villagers noch einmal für zwei letzte Songs auf die Bühne des Luxor zurück und verabschiedeten sich am Ende mit dem tollen „On A Sunlit Stage“. Zufrieden verließen die Besucher im Anschluss an ein unterhaltsames Set das Luxor. Zwar konnten Villagers nicht ganz die Magie ihres Haldern Auftritts heraufbeschwören, aber das was sie ablieferten, war mehr dennoch ganz großes Kino.

Fotos: Ariane WhiteTapes,
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