Konzertberichte

Two Door Cinema Club, Gebäude 9, Köln, 07. April 2010

So schnell können Karrieren gehen, 2007 gründeten drei Jungs aus Bangor in der britischen Provinz Ulster eine Band. Bereits zwei Jahre später stehen sie beim Französisch-Japanischen Elektro-Label Kitsuné unter Vertrag, veröffentlichen gefeierte Singles und finden sich in Bandjahr 3 sogar auf der BBC Liste Sounds of 2010 wieder. Damit einher gehen ein angemessener Hype in Indie-Kreisen und natürlich ausverkaufte Clubshows. Es läuft gut für Two Door Cinema Club. Das zeigt auch der Ansturm beim Konzert der Band in Köln. Es hat zwar gedauert, bis das Konzert ausverkauft war, aber am Ende war es das, das haben beispielsweise Los Campesinos! nicht geschafft, obwohl sie es natürlich nicht minder verdient hätten.

Wie sich das dann für eine Band mit angemessenem Hype gehört lag das Durchschnittsalter der Konzertgänger – wenn überhaupt – bei gerade einmal 20 Jahren. Alle waren gekommen, um eine der Newcomer-Bands des Jahres zu sehen, deren Debüt-Album „Tourist History“ zwar keine überragenden Kritiken geerntet hat, dafür aber eine Hand voll Hitsingles aufweisen kann, die in diesem Jahr wohl noch die ein oder andere Festival-Meute beschallen dürften. Als das Trio dann verstärkt durch einen Schlagzeuger, um 21:50 Uhr die Bühne betrat war die alte Industrie-Halle bereits proppe voll und die Luft, angewärmt vom ersten richtigen Frühlingstag des Jahrs, unfassbar stickig. So mussten die Nord-Iren also eigentlich auch gar nicht viel tun, damit die Masse ins Schwitzen kommt. Aber auf die Raumtemperatur verlassen sich höchstens die Gallaghers, also heizten Two Door Cinema Club ab der ersten Sekunden mit dem auch vom Album bekannten, hohen Tempo ein.

Das Publikum war direkt noch besser gelaunt, als es ohnehin schon wegen der Ferien war, die Band war auch gut drauf, nur der Tonmann schien einen schlechten Tag erwischt zu haben. Instrumental war alles perfekt abgemischt, nur war der Gesang so leise, dass man nur in den ruhigeren Passagen mal etwas von Sänger Alex Trimble hören konnte. Der hat mit seinem hohen, etwas dünnen Stimmchen ohnehin nicht die brillanteste Singstimme und es deshalb schwer gegen die instrumentale Gewalt der schneidenden, zackigen E-Gitarre und der laut und hart geschlagenen Drums anzukommen. Das machten er und seine Bandkollegen auch nicht durch entsprechendes Charisma, oder dergleichen wett, denn so jung Two Door Cinema Club sind, so jung und beinahe unerfahren wirken sie auch auf der Bühne. Wenn etwa Alex mit hochrotem Kopf vor das Mikro tritt und auch zwischen den Songs nicht gerade mit größtem Selbstvertrauen mit dem Publikum spricht, machte das eher den Eindruck einer Schülerband und nicht den von potentiellen Nachfolgern von Phoenix. Aber das muss man den Nord-Iren natürlich auch lassen, sie sind deutlich jünger als Phoenix, die bei ihrem ersten Album bereits durchschnittlich 25 waren und in dieser Relation gesehen haben sie auf der Bühne doch einiges zu Stande gebracht.

Allerdings wurde mit diesem leisem Gesang auch schnell ein Manko von Two Door Cinema Club offensichtlich, nämlich die fehlende Abwechslung in ihren Stücken. So wirkte trotz großer Power und viel Spielfreude das Set eher, wie ein 45 Minuten langer Song mit kleinen Unterbrechungen, als wie ein Set aus insgesamt 14 unterschiedlichen Songs (davon 2 Zugaben). Für Party-Stimmung und schweißtreibendes Zappeln zu den Hits reichte das beim Publikum allemal und so sah man nach 45 Minuten im Publikum und auf der Bühne eigentlich nur glückliche Gesichter. Die 350 Besucher sahen an diesem Abend im Kölner Gebäude 9 eine Band, die an einer entscheidenden Stelle ihrer bisher schnellen Karriere steht, eine Stelle, an der sich nun klärt, ob es eine nachhaltige Karriere wird, oder doch nur alles ein schöner Hype war. Wir wünschen ihnen natürlich, dass es zu mehr reicht und nach dem schnellen Karrierestart auch einmal ein wenig Ruhe einkehrt, für eine gesunde Bandentwicklung.

Fotos: Myspace der Band

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