Konzertberichte

Turbostaat + NEIN NEIN NEIN, Düsseldorf, Stone im Ratinger Hof, 03. Oktober 2008

Was ist eng, klein und schwitzig? Einer kleiner Club inmitten der Altstadt von Düsseldorf. Da wo sich Kneipe an Kneipe reihen versteckt sich das kleine Stone. Ein winziger Club, in dem die Toten Hosen aufgewachsen sind und den sie des Öfteren auch noch heute besuchen. Heute aber nicht. Zumindest sieht man sie nicht, denn das Gedränge ist groß. Der Turbostaat spielt vor. Seit ca. einem Jahr wird der Arsch abgetourt. Jeden kleinsten Winkel dieses Landes bespielen Turbostaat. Und jeder Laden ist bis an den Rand gefüllt. So auch im viel zu kleinen Stone in Düsseldorf in dem sich normalerweise die Helden des Punkrocks die Klinke in die Hand drücken.

Heute ist es mal Deutschpunk. Schon beim Support. NEIN NEIN NEIN aus Mönchengladbach haben quasi ein Heimspiel. Hört sich stark nach den Anfängen von Muff Potter an, alles ein wenig rau, schnell und brutal. Verdienter Applaus als nach dem knapp 30 minütigen Set schon alles vorbei ist. Turbostaat sind eine Selfmade Band. Keine Roadies die alles aufbauen. Es wird selber getragen, aufgebaut und gestimmt. „Drei Ecken – Ein Elvers“ eröffnet das Pulverfass und es brodelt heftig im Stone. Dichtes Gedränge in der vorderen Reihen, im hinteren Teil hört man, sieht man aber nicht. Definitiv zu viele Menschen. Turbostaat danken es trotzdem. Denn die Lieder werden mitgesungen, mitgeklatscht und man lässt sich auf so manchen Scheiß ein. Turbostaat können alles, ob großes Festival oder kleines Kabuff. Sie kriegen sie alle – große Rockshow in kleiner Location.

18 Lieder versprechen sie uns an diesem Tag. Vor allem die Lieder der aktuellen Platte „Vormann Leiss“ stehen natürlich im Vordergrund. Aber auch altbekanntes findet heute den Weg auf die Setlist. „Holland in Not“ oder „Am 1. Mai ist Weltrevolution“, nur um ein paar Schmuckstücke zu nennen. Sie bedanken sich stets höflich, scheuen nicht den Kontakt zu den Fans. Jan, charismatischer Sänger im Against Me Shirt brüllt sich die Seele aus dem Leib, Rotze und Marten malträtieren ihre Gitarren mit dem einzigartig und perfekt aufeinander abgestimmten Spiel, Bassist Tobert wirkt immer ein wenig abwesend und Peter am Schlagzeug gibt den ultimativen Takt an.

„Harm Rochel“, man nenne es die Hitsingle von „Vormann Leiss“, wird von den Zuschauern gesungen und ein Lächeln macht sich auf den Gesichtern breit. Der Staat wächst und wächst. Und vor allem er funktioniert. Alle für alle, jeder für jeden. Fällt einer hin, hilft ein anderer ihm hoch. „Vormann Leiss“, der Titeltrack beschließt das erste Set nach ein wenig mehr als einer Stunde. Doch weil hier heute der große Abriss stattfindet, lassen sich die Hauptverantwortlichen nicht zweimal bitten und spielen Zugaben.


„Hau ab die Schildkröte“ sorgt Orkanartig nochmal für Tumulte und das viel gewünschte „Frieda und die Bomben“ beschließt nun komplett das Konzert. Keine große Lichtshow, kein großes Banner, keine aufwendigen Performances. Turbostaat spielen einfach nur. Und das sehr gut. Wer also bisher die Flensburger Jungs verpasst hat, hat noch die Möglichkeit sie auf paar Konzerten dieses Jahr zu sehen. Aber schnell Karten besorgen, sonst steht man vor dem ein oder anderen Ausverkauft Schild in nächster Zeit.

Fotos: Lyn Schmidt

Martin WhiteTapes

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