Konzertberichte

Travis + The Alexandria Quartet, Köln, Live Music Hall, 04. Februar 2009

Foto: Myspace der Band

Nach mehr als 13 Jahren Bandgeschichte sollte man meinen, dass der Name Travis, sagen wir einmal zumindest in Pressekreisen und vielleicht auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit ein Begriff ist, vielleicht nicht so bekannt wie Coldplay, die es laut Chris Martin ohne Travis nicht einmal gäbe, aber immerhin so bekannt, dass den Leuten bewusst ist, dass es sich um eine Band und nicht um einen Solokünstler handelt. Denkste! So fanden sich auch an der Live Music Hall beim ersten Konzert der Deutschland-Tour der vier Schotten von Travis, neben vielen früh erschienenen Hardcore-Fans, auch ein paar „Musikinteressierte“ ein, die meinten, sie kennen „nur ein paar Lieder von dem“, aber wenn sogar das Hamburger Abendblatt titelt „Travis stellt sein Album „Ode To J. Smith“ live […] vor, wieso sollte es der Musikinteressierte schaffen? Das ist wahrscheinlich das Dilemma einer Band, die auf dem Weg in den Popolymp eine Kehrtwende unternahm und nun lieber vor 1.500 in der Live Music Hall, statt vor 15.000 in der Phillipshalle Menschen spielt. Uns war es nur Recht und so fanden auch wir uns pünktlich an der LMH ein, um auch möglichst alles mitzubekommen. Die Geschehnisse sollten sich nämlich mehr als unterhaltsam gestalten. Kurz vor Einlass reichte die Schlange vor der LMH schon bis zur nächsten Kreuzung und machte klar, es würde gemütlich in der Halle. Wurde es tatsächlich, mit einem bunt gemischten Publikum, in dem alterstechnisch alles von 13 bis 63 vertreten war.

Foto: Myspace der Band

Bevor es um 20 Uhr mit der Vorgruppe The Alexandria Quartet losgehen sollte, dröhnte noch das neue Oasis-Album aus den Boxen, eine Anspielung darauf, dass die ein Stück den Rhein runter in der Phillipshalle spielten? Das weiß wohl nur der Tonmann – ob vor Oasis auch das neue Travis Album lief, dazu in Kürze mehr. Nach Oasis, die also akustisch auch in der LMH anwesend waren, betraten vier junge Männer aus Norwegen / England die Bühne und stimmten ohne große Worte zu verlieren ihre kraftvollen Brit-Pop Songs an. The Alexandria Quartet nannten sich die vier und stellten so etwas wie das Musterstück einer Vorgruppe für Travis dar. Sie spielten unterhaltsame Pop-Songs, die getragen waren von eingängigen Gitarren-Melodien und dem gelungenen Wechsel zwischen schnellen und langsamen Passagen. Dabei erinnerte Sänger Martin Skålnes stimmlich an eine Mischung aus Starsailor Frontmann James Walsh und Stereophonics Sänger Kelly Jones, beides Einflüsse, die sich neben anderen Brit-Pop Größen, wie Doves und eben Travis auch im Sound der Band wiederspiegelten. Soundtechnisch lieferten die vier also eigentlich nichts Neues, aber spielten ihr Set so leidenschaftlich und mischten diese Einflüsse dermaßen unterhaltsam, dass sich alles andere als Langeweile im Publikum breit machte. Insbesondere die Single „Into The Light“ sorgte für mehr als überschwänglichen Applaus von den 1.500. Leuten, der auch nach dem 30minütigen Set des Quartetts noch eine ganze Weile anhalten sollte.

Foto: Ariane WhiteTapes, Rockpalast Festival

Beste Voraussetzungen also unter denen die vier im Frühling ihr Debüt-Album hierzulande veröffentlichen werden. Es folgte eine kurze Umbaupause, die ersten Reihen versorgten sich ein letztes Mal mit Getränken und um knapp 21 Uhr betraten Francis Healy und seine Kollegen die Bühne des LMH, schmissen die elektrischen Gitarren an und legten anders als bei den bisherigen Konzerten der Tour nicht mit „Chinese Blues“, sondern mit dem Hidden Track von „The Man Who…“, „Blue Flashing Lights“ los. Die Zeichen standen also gut und der erste Eindruck sollte nicht trügen, mit den nächsten vier Songs ging es nämlich ähnlich temporeich und gut gelaunt weiter. Der Geist von „Ode To J. Smith“, mit dem Travis zu einem raueren Sound zurück gefunden haben, setzte sich nun auch live komplett durch. Einzig Problem an diesem Abend, der Sound in der LMH. Zu Beginn war die Technik noch dermaßen leise eingestellt, dass das Publikum die Band übertönte und die Gitarren von Fran und Andy zu einem ziemlichen Brei verschwammen. Das legte sich dann glücklicherweise bei „Love Will Come Through“, der ersten Ballade, die vom Timing nicht besser hätte platziert werden können, legte die Band doch ein Tempo vor, bei dem sogar Oasis-Fans überfordert gewesen wären.

Der Chor bei „Closer“ sorgte im Anschluss für einen der größten Gänsehaut-Momente des Abends. Nach zwei ruhigen Songs hieß es dann wieder Tempo und so gab es eine leicht rockigere Version von „Side“ und mit der B-Seite „Ballad Of J. Smith“ sogar eine echte Rarität. Nachdem bereits „Side“ in ein raueres Soundkleid gehüllt wurde, war auch schnell klar, Travis machen auch vor Klassikern nicht halt und gaben in der Folge auch ein schnelleres „Driftwood“ zum Besten. Der Geist von „Ode To J. Smith“ schien die Band dermaßen zu beflügeln, dass sie so rockig aufspielten, wie sie es in ihrer Karriere wohl selten zuvor bei einem Tourstart taten. So unvergesslich schön ihre von Akustik-Gitarre geprägten Konzerte in der Vergangenheit waren, so erfrischend war es dennoch zu sehen, wie sich Travis einmal von einer neuen Seite zeigten. Neben dieser Änderung gab es dennoch eine Konstante, egal ob Ballade oder Up-Tempo Song, das Publikum sang jede Zeile leidenschaftlich mit und feierte mit der Band jeden Ton. Sänger Fran stachelte das Publikum zu Höchstleistungen an, ob rhythmisches Winken, oder der obligatorische Pogo bei „Why Does It Always Rain On Me“, er hatte das Publikum unter Kontrolle und genoss augenscheinlich jede Sekunde. Das kam natürlich auch in den Ansagen durch, in denen er, wie auf Travis-Konzerten üblich wieder einige Brocken Deutsch ausprobierte und gelobte, dass er bei seiner Rückkehr nach Köln mindestens drei neue Sätze auf Deutsch beherrsche. Die allerschönsten Momente des Abends kamen dann wie gewohnt gegen Ende: „Turn“ als Abschluss des regulären Sets ließ wohlige Schauer über den Rücken laufen. Noch beeindruckender allerdings dann die Live-Version von „Song To Self“, die von der schönen Ballade zum Gänsehaut erzeugenden, beinahe epischen Rockwerk wurde und eine so dichte Atmopshäre in die Live Music Hall zauberte, die diese vier Minuten zu den unvergesslichsten des Abends machten. „Selfish Jean“ und „Why Does It Always Rain On Me“ waren dann die perfekten Songs für den Abschluss einer knapp 80 minütigen Party mit vier Schotten.

Setlist:

Blue Flashing Light
Beautiful Occupation
J. Smith
Re-Offender
Something Anything
Long Way Down
Love Will Come Through
Closer
Side
Ballad Of J. Smith
Driftwood
Falling Down
Sing
Writing To Reach You
All I Want To Do Is Rock
Before You Were Young
Turn
———-
Song To Self
Selfish Jean
Why Does It Always Rain On Me

 

„Travis Live-Foto vom Rockpalast-Festival von Ariane WhiteTapes, mehr hier, restliche Bilder von den Myspace der Band

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