Konzertberichte

Tomte + Blackbird, Dortmund, Konzerthaus, 25. September 2008

Foto: pertramer.at

Inmitten einer langen Einkaufspassage in der Dortmunder Innenstadt befindet sich ein spitz zulaufendes Gebäude. Das Konzerthaus Dortmund. Normalerweise der Spielplatz für verschieden Orchester, heute mal nicht. Heute spielen Tomte. Akkustisch. Mit Cello und klassischem Klavier, sowie Mundorgeln und Xylophonen. Alles ist irgendwie anders heute.

Tomte denken anders. Sie spielen auf Fischmärkten und in Opernhäusern. Doch sie dürfen das. Der Saal ist bis zum letzten Platz gefüllt und eine angespannte Stille beherrscht den Raum. Mehr Bestätigung wird nicht benötigt. Wie verhält man sich in so einem Konzerthaus? Für die meisten der knapp 1500 Besucher ist das merkbares Neuland.

Pogo bei Tomte fällt generell flach, im Sitzen erst recht. Tanzen evtl, dazu müsste man aber aufstehen. Man ist sich unsicher, ob die adrett gekleideten Einweiser dies nicht missverstehen und dagegen vorgehen. Erstmal abwarten und gucken was die Anderen machen. Auch heute, wie bei jeder guten Show gibt es einen Support. Blackbird, hört sich erst einmal nach einer schlechten Alt- Herren Coverband an. Und schau mal einer an, es ist keine Coverband, sondern 2/5 von Pale. Holger Kochs und Mitstreiter haben sich dem Rest der Truppe entrissen und geben einige Pale Songs zum Besten. Gecovert haben die Beiden dann auch noch, „What’s Coming Over You“ wurde lediglich am Klavier begleitet. Zum Abschluss gab es tobenden Applaus und die Zwei waren sichtlich zufrieden, das Publikum in Übrigen auch.

www.pertramer.at

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Nun noch schnell den Run zum Klo und die trockenen Kehlen angefeuchtet, bis die Glocke klingelte. Die Türen gingen zu, das Licht ging aus, Tomte betraten den Raum. „Schreit Den Namen Meiner Mutter“ (hier auch im kostenlosen Download) war der Opener. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde allen Anwesenden im Raum klar. Heute wird alles anders. Andere Arrangements, das zusätzliche Cello, das vom Escapado Bassisten Gunnar Vosgröne gespielt wurde, der von allen liebevoll „The Gun“ genannt wird. „Wer sich nicht vorstellen kann, warum the Gun, sollte einmal mit Gunnar duschen“, erklärte Thees Uhlmann. Viel umjubelt wurde „Die Nacht, in der ich starb“, das erstmals live gespielt worden ist.

Doch so recht wussten die Zuschauer nicht, wie sie reagieren sollten. Es wurde artig geklatscht und bei den Ansagen lauthals gelacht. Gelacht wurde übrigens viel. Ansagen sind elementare Bestandteile eines Tomte Konzertes und durften natürlich auch heute nicht fehlen, an dem Abend an dem (fast) alles anders war. Gäbe es einen Oscar für den schönsten Songtitel, nominiert wären auf alle Fälle Tomte. „Nichts ist so schön auf der Welt wie betrunken traurige Lieder zu hören“, auch Bestandteil von Heureka gewinnt alleine durch seinen Titel, denn wem spricht er nicht aus der Seele. Einigen passionierten Anti-Alkoholikern wohl nicht, aber so manch einer hatte ein Lächeln und eine kleine Träne im Auge und fragte sich, wie Thees Uhlmann jemanden so aus der Seele singen kann. And the oscar goes to…Tomte. Naja, Wunschdenken. „Ich sang die ganze Zeit von dir“ beschließt den ersten Teil des Sets und Tomte verschwinden von der Bühne. Doch sie lassen sich nicht lange bitten und betreten ein zweites Mal die Bühne. „Voran Voran“ ist ein weiterer Song von Heureka, dem bald am 10.10. erscheinenden Album vom Tomte. So manch einer sehnt dieses Tag herbei.

„Die Geigen bei Wonderful World“ wird ganz ohne Geigen vorgetragen, aber kennt seinen Weg, mitten in die Herzen. So manch verliebter Blick flog durch den Raum. Zugabenblock Eins abgeschlossen. Wie es sich für richtige Rockstars gehört, wird auch noch ein zweiter Block plaziert. „Der letzte große Wal“, die neue Single gibt es nicht nur schon zu kaufen, nein, sie wird auch gespielt. Der wohl beste Vorgeschmack auf das neue Album mit wundervoll platzierten und nicht mehr ganz so glattem Gesang wie auf dem Vorgänger „Buchstaben über der Stadt“. Eins ist auf einem Tomte Konzert immer gleich. Seit „Hinter all diesen Fenster“ erschien, endet ein Tomtekonzert mit der „Schönheit der Chance“. Nun ist wirklich Schluss und wie sonst üblich steht die Menge, klatscht Beifall und die Band badet in selbigem. So richtig aufgetaut ist das Publikum leider nie, was garantiert nicht am Tomte lag, die alles richtig gemacht haben an diesem Abend. Es wahr wohl die ungewöhnliche Location.

Mehr auch im Interview mit Thees

Martin WhiteTapes

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