Konzertberichte

The Unwinding Hours + Boy Android, Gleis 22, Münster, 07. September 2012

The Unwinding Hours - Gleis 22

Zwei Jahre ist es nun schon her, dass The Unwinding Hours auf Tour durch Deutschland waren. Mehr als zwei Jahre sind auch schon seit dem Release ihres selbstbetitelten Debüts vergangen. Die Zeit verbrachte das Duo Craig B. und Iain Cook mit Produktionstätigkeiten, bzw. einem Soziologie- und Theologie-Studium. Inspiriert von biblischen Themen erschien nun auch am vergangenen Freitag das zweite The Unwinding Hours Album „Afterlives“. Passend dazu kam die Band auch wieder auf ausgedehnte Deutschland-Tour. Wir waren froh, dass die Schotten auch dem Gleis 22 einen Besuch abstatteten, wo die Indie-Rock-Helden vor vollem Haus spielen sollten. Statt Heerscharen an Briten aus der hiesigen Kaserne traf man am Gleis 22 jedoch vorwiegend Indie-Jünger in ihren besten Jahren und sogar Pärchen mit Kindern an. Familienabend in Münsters Traditionsclub. Auch mal eine Erfahrung.

Wie gewohnt ging es im Gleis 22 auch wieder pünktlich um kurz nach 9 los. Den Supportslot sollten die Münchner von Boy Android spielen, die The Unwinding Hours auf ihrer gesamten Deutschland-Tour begleiteten.

Das Quartett war ein wenig müde, weil sie am Vorabend in den Geburtstag des Sänger reingefeiert haben und entschuldigten sich mehrmals dafür. Die Band, die gern mit Death Cab For Cutie, Weakerthans, Snow Patrol und Radiohead zu „The Bends“-Zeiten verglichen wird, spielte ein angenehm unaufdringliches Set mit netten Indie-Pop-Nummern. Ähnlich dem Hauptact The Unwinding Hours bestachen sie durch eine tiefe Melancholie. Eine Note, die wirklich hängen bleiben und neugierig machen würde, fehlte leider.

Nach kurzer Umbaupause standen dann auch die Hauptdarsteller des Abends auf der Bühne. Iain Cook und Craig B. lassen sich live noch von einem Bassisten, einem Keyboarder und einem Schlagzeuger unterstützen. Sie müssen schließlich einen ähnlichen Druck entwickeln, wie man ihn von The Unwinding Hours gewohnt ist. Druckvoll ist auch eine gute Beschreibung für das, was dann folgte. Mit unfassbarer Lautstärke dröhnten die Gitarrenwände aus den Lautsprechern in das kleine Gleis 22. Das war aber auch das Problem des Sets. Der Sound war nämlich ob der Lautstärke nicht wirklich optimal abgemischt. Das größere Problem war aber, dass die hohe Stimme von Craig B. nur schwer gegen die Gitarrenwände ankam und häufig im Soundbrei unterging.

In den ruhigeren Songpassagen kam sie immerhin ganz gut durch und ließ erahnen, welche Atmosphäre die Band im Schaffen zustande ist. Besonders die Hits ihres neuen Albums, wie „Break“, „Wayward“ oder „The Right To Know“ sollten die Highlights des Abends sein. Eine wirkliche Nähe zum Publikum schuf das Duo dabei leider auch zu selten. Stattdessen stimmten sie häufig schweigend ihre Instrumente und spielten anschließend routiniert ihre Songs runter. Man spürte irgendwie, dass die Band bereits ihren fünften Abend auf einer deutschen Bühne verbrachten. Alles wirkte einfach runtergespielt und die emotionalen Momente eher dargeboten, als wirklich gefühlt.

Auch, wenn die Band vielleicht etwas überspielt war, boten die Schotten dennoch ein vollwertiges, beinahe eineinhalbstündiges Set, dessen Finale mit der dritten Zugabe „Knut“ uns versöhnlich stimmte.

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