Konzertberichte

The Twilight Sad – Gebäude 9, Köln, 14. April 2012

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Es ist schon wieder mehr als ein halbes Jahr her, dass wir die Schotten von The Twilight Sad im Kölner Gebäude 9 gesehen haben. Da spielte sie noch zusammen mit We Were Promised Jetpacks und Mazes und stellten erstmals Songs ihres dritten Albums „No One Can Ever Know“ vor ((hier unser Bericht). Jetzt waren sie endlich zurück. Dieses Mal für eine ausgedehntere Tour zum im Februar veröffentlichten Nachfolger von „Forget The Night Ahead“.

Pünktlich zum Einlasszeitpunkt, der auf der Homepage des Gebäude 9 wegen der nachfolgenden Party auf 19 Uhr angesetzt war, waren wir an der Location und konnten der Band noch beim Soundcheck zuhören. Und der Eindruck, den wir bereits im September gewonnen hatten, bestätigte sich wieder: der Abend würde laut. Und eine Geduldsprobe. Denn entgegen der Angaben des Gebäude 9 wurden erst um 20 Uhr die Türen geöffnet. Wir rechneten dennoch mit einem früheren Beginn, mussten uns dann aber noch bis 21:30 Uhr in Geduld üben, bis die Schotten dann endlich auf der Bühne standen.

James Graham von The Twilight Sad im Gebäude 9, KölnFür ihre Geduld wurden die Besucher dann aber auch mehr als entschädigt. Mit „Kill It In The Morning“, der ersten Single ihres dritten Albums, gaben sie gleich einen temporeichen und auch lauten Einstieg. Die Atmosphäre verdichtete sich damit von einer Sekunde auf die nächste und die Zuschauer waren gleich gefangen von den Sounds der Band. Die schien ebenfalls gut drauf und spielte sich für die kommenden 60 Minuten in einen dunklen Rausch aus Shoegaze, Industrial, Post- und vor allem Indie-Rock.

Dabei passten die neuen Stücke trotz Synthie-Sounds und etwas kühlerem Grundton perfekt zwischen die älteren, teils Gitarrenlastigeren Stücke. Sänger James Graham machte da auch keinen Unterschied und schmiss sich während der Songs von einer Bühnenseite auf die andere, fiel immer wieder in die Knie und öffnete seine Augen höchstens mal, um sie nach oben zu verdrehen. So wirkte er in manchen Szenen, wie eine Mischung aus Ian Curtis und Werwolf. Eine Mischung, die aber natürlich perfekt zum Sound von The Twilight Sad passt.

Das, was The Twilight Sad neben der dichten Atmosphäre, ihrer Gänsehaut erzeugenden Songs wohl besonders zum Markenzeichen gereicht, ist der herrlich Akzent-geschwängerte Gesang Grahams. Der rollte das R, wie es nur ein waschechter Schotte kann und verlieh dem Highlight des Abends „Cold Days From The Birdhouse“ mit dem langen Sologesangs-Intro eine ganz besondere Note. Da stört es auch nicht, dass live der ein oder andere Ton bei Graham mal daneben geht und seine Stimme häufig neben die lauten Instrumente untergeht.

Nach diesem Highlight folgte noch ein letztes lautes Gitarrengewitter und der Abgang der Band. Die durfte wegen der folgenden Party und dem aus Gründen jenseits der Gewalt der Band verschobenen Anfangszeit, leider keine Zugabe spielen. Ein ebenso wie ihre Gitarren tosender Applaus war ihnen aber natürlich dennoch sicher, genauso wie laute Zugabe-Rufe, die auf den mittlerweile nicht mehr so neuen Mann an den Synthies einprasselten und nochmal lauten wurden, als dieser sein Instrument final ausschaltete, breit grinste und entschuldigend mit den Schultern zuckte.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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