Konzertberichte

The Twilight Sad – Ekko, Utrecht, 26. März 2015

The Twilight Sad - Ekko Utrecht

Völlig zurecht räumten The Twilight Sad im letzten Jahr mit ihrem vierten Album „Nobody Wants to Be Here and Nobody Wants to Leave“ den Titel „WhiteTapes Record of the Year 2014 ab, handelt es sich dabei doch um ihr vielleicht bisher bestes Album.

Ein Album, auf dem die Band ihre Stärken voll ausspielt, das von vorn bis hinten fesselt. Trotz dieses Erfolgs, der auch darauf hindeutet, dass das Trio auch in Deutschland eine gewisse Beliebtheit genießt, warteten wir noch auf eine Tour von The Twilight Sad zu diesem Album, schließlich wäre es diesen April auch schon drei Jahre her, dass die Band zuletzt deutsche Bühnen betrat.

Ende März war es aber nun endlich soweit und die Schotten wagten sich nach mehreren umfangreichen Tourneen durch die USA und das UK auch endlich wieder auf das europäische Festland. Neben drei Konzerten in Deutschland waren darunter auch zwei Termine in den Niederlanden, von denen wir uns für das Ekko in Utrecht entschieden, dass immer wieder durch guten Sound und eine angenehme Atmosphäre aufzutrumpfen weiß.

Den wachsenden Erfolg von The Twilight Sad konnte man dann auch an der Besucherzahl sehen. Nachdem die Band in der Vergangenheit ab und zu in gähnend leeren Clubs spielte, war das Ekko, ebenso wie das Paradiso in Amsterdam am Vorabend, fast ausverkauft. Die Vorfreude im Club war kurz vor dem Set deutlich spürbar und so erntete das Trio mit seinen zwei weiteren Live-Mitgliedern schon beim Betreten der Bühne großen Applaus.

The Twilight Sad - Ekko Utrecht

Den Beginn des Sets bestritten The Twilight Sad mit „There’s a Girl in the Corner“, einer der Singles ihres aktuellen Albums. Damit schufen sie von Beginn an eine dichte Atmosphäre, die sich von Minute zu Minute steigerte. Das Publikum war damit von einer Sekunde auf die nächste gefangen und auch die Band schien gut drauf und spielte sich für die kommenden 70 Minuten in einen dunklen Rausch aus Shoegaze, Industrial, Post- und vor allem Indie-Rock. Insbesondere Sänger James Graham beeindruckte wie immer durch seine ganze besondere Art zu performen. Er schmiss sich während der Songs mit dem Mikro von einer Seite auf die andere, stampfte den Mikroständer auf den Boden, fiel ab und zu auf die Knie und öffnete seine Augen höchstens, um sie nach oben zu verdrehen. So wirkte er in manchen Szenen, wie eine Mischung aus Ian Curtis beim Exorzismus und Werwolf. Eine Mischung, die auf seltsame Art perfekt zum Sound von The Twilight Sad passt. Neben der dichten Atmosphäre und ihrer Gänsehaut erzeugenden Songs ist der herrlich Akzent-geschwängerte Gesang Grahams ein besonderes Markenzeichen der Band. Dieser machte das ohnehin schon herausstechende „Cold Days From The Birdhouse“ zu einem wahren Highlight des Abend.

Bei der ganzen Leidenschaft und Energie, die The Twilight Sad in ihre Performance legten, war es auch kein Wunder, dass die Show nur knapp 70 Minuten dauerte. 70 intensive Minuten, die vor allem aus Songs des aktuellen Albums und dem Debüt bestanden. Wie gewohnt verließen The Twilight Sad dann am Ende des Sets die Bühne unter einem lauten Gitarrengewitter und ernteten wieder überschwänglichen Applaus. Zugabe-Rufe blieben aus, aber nicht, weil sie nicht gewünscht worden wären, sondern weil die Fans der Band nach acht Jahren auch wissen, dass The Twilight Sad keine Zugaben spielen.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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