Konzertberichte

The Subways + Blackmarket + Trip Fontaine, Münster, Skater’s Palace, 20. November 2008

„Natalie, warum warst du Freitag nicht in der Schule?“ – „Mir war nicht gut, ich hatte wohl so einen grippalen Infekt, war ganz matt und hatte Gliederschmerzen“. Natalie hat sich wie circa tausend Altersgenossen zwischen 15 und 18 Jahren am Donnerstagabend von der „Influenza Subwayga“, der Subways-Grippe anstecken lassen. Eine heimtückische Krankheit, die im Anfangsstadium zu rhythmischen Zuckungen und extremen Schweißausbrüchen führt und innerhalb kürzester Zeit einen ganzen Konzertsaal infiziert.

Hinter dieser Krankheit verbirgt sich das englische Trio The Subways, die mit ihrem zweiten Album „All Or Nothing“ in diesem Jahr ihren Durchbruch auch bei einer größeren Masse geschafft haben und nun die Konzerthallen der Republik regelmäßig in regelrechte Ekstase spielen. Bei ihrer Premiere im Münsteraner Skater’s Palace sind sie ebenfalls mit dieser Mission angetreten. Aber zunächst hieß es für die Anwesenden Zuschauer, die mehrheitlich im Teenageralter waren, abwarten und sich nach einem kalten Regenschauer von zwei Vorgruppen ein wenig aufwärmen lassen. Namentlich Trip Fontaine aus Rodgau und Blackmarket aus Arizona, die ersten mit einem recht kurzweiligen Set irgendwo zwischen Post-Rock und Skater-Punk, die letzten mit recht eintönigem, sehr amerikanischem Schrammel-Punk.


Um kurz nach 22 Uhr stürmten dann aber die Helden des Abends unter dramatischer Intro-Musik die Bühne des Skater’s Palace, Sänger Billy Lunn, wie schon auf diversen Sommerfestivals von Beginn an oben ohne. Auch Bassistin und Schwarm der Teenager-Jungs Charlotte Cooper stürmte wie ein kleiner Springteufel auf die Bühne. Sänger Billy fragte noch „Münster, are you ready to fucking rock?“. Natürlich waren die Münsteraner bereit und bekamen eine Rock-Show geboten, die unter den jungen englischen Bands ihresgleichen sucht. Selbst die Geschwister im Geiste, die Blood Red Shoes können sich da abgucken, wie Bühnenpräsenz funktioniert.


Die Stücke der Band sind live noch ein ganzes Stück energiegeladener und zwingender, als auf den Alben. Gleich mit den ersten Tönen versprüht die Band eine so extreme Energie, dass die Luft knistert, der Boden vibriert (oder waren die Boxen falsch eingestellt?) und die Menge brodelt. Hits wie „Kalifornia“, „Oh Yeah“ oder „Shake! Shake!“ wurden vom Publikum begeistert abgefeiert, mitgeschrieen und ausgelassen dazu getanzt. Der Westfale als solcher ist laut Klischee etwas zurückhaltender, seine Jugend scheinbar nicht, die feiert sich ungestüm und wild, wie die Musiker auf der Bühne.


Die tanzt und springt nämlich, sobald die notwendigen Effekte getreten und gerade keine Zeilen zu singen sind, noch wilder als das Publikum von einer Ecke der Bühne in die andere. Dabei ist es nicht einmal peinlich, wenn Billy sich Rockstar-Posen hingibt und die Rampensau markiert. Der junge Mann ist nämlich dermaßen charismatisch, das man ihm selbst das verzeiht. Während ihres knapp einstündigen Sets steigert sich die Band in einen regelrechten Rausch, bei dem sich Billy und Charlotte gegenseitig anheizen und nichts von ihrer Energie ablassen. Werden diese Engländer denn nie müde? Auf der Bühne jedenfalls nicht.


Seinen Höhepunkt erreicht das Konzert beim Überhit „Rock’N’Roll Queen“, die Menge kocht, Billy startet mit einem Blitzstart vom Schlagzeug aus und überspringt die Absperrung, um von der Masse gefangen zu werden und lässig über das Publikum zu surfen. Er surft Richtung Stahlträgern, die etwas links von der Bühne zwischen zwei Pfeilern angebracht sind. Problemlos erklimmt er diese und bringt sich in Stellung, um aus knapp 3,5 Metern Höhe wieder in die Menge zu springen. Wieder auf der Bühne angekommen stimmt er ein letztes Mal „Rock’N’Roll Queen“, nun auf deutsch an, die Stimmung ist auf dem Siedepunkt und scheint erst knappe 10 Minuten nachdem die Band die Bühne endgültig verlassen hat wieder abzukühlen.

The Subways erteilten Münster an diesem Abend ein Lehrstück was Rockmusik betrifft und bewiesen bei einem der Rock-Konzerte des Jahres, dass ihre Songs, die auf Albumlänge nicht immer direkt zünden möchten, live absolute Kracher sind. Das spricht sich natürlich schnell rum und so ist das Abschluss-Konzert im Frankfurter Batschkapp bereits ausverkauft. Aber, The Subways kommen im Januar wieder und so werden dann sicher wieder viele Schüler an den Folgetagen wieder die Nachwirkungen einer seltsamen Krankheit auskurieren müssen.

Die Tourdaten:

27. Januar, DÜSSELDORF, Zakk
28. Januar, LINGEN, Alter Schlachtof
30. Januar, BIELEFELD, Ringlokschuppen
31. Januar, ERFURT, HSD
01. Februar, KIEL, Max
03. Februar, ROSTOCK, Mau Club
04. Februar, DRESDEN, Alter Schlachthof
05. Februar, LINDAU, Club Vaudeville
07. Februar, MANNHEIM, Feuerwache
08. Februar, WIESBADEN, Alter Schlachthof

Fotos: Ariane WhiteTapes, noch viele mehr in besserer Qualität hier
Deutsche The Subways Homepage

Iain WhiteTapes

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