Konzertberichte

The Rakes + I Heart Hiroshima, Düsseldorf, Zakk, 03. Mai 2009

In Zeiten der Wirtschaftskrise, der Schweinegrippe und schlechtem Mai-Wetter sind es gerade die Konstanten, die einem Sicherheit, oder auch nur etwas Wärme geben. The Rakes sind eine solche Konstante, nämlich konstant dafür bekannt tolle Konzerte zu spielen. Um so schöner natürlich, dass sie den Start ihrer Deutschland-Tour im Düsseldorfer Zakk feiern. Extra zur Europa-Tour, der ersten ausgedehnten, seit dem Release des neuen Albums „Klang“ haben sich die Mannen aus London eine der heißesten Bands Australiens einfliegen lassen. I Heart Hiroshima um genau zu sein. Die besteht aus Matthew und Cameron an den Gitarren und Susie am Schlagzeug. Das Trio veröffentlichte bereits Ende 2007 sein Debüt-Album „Tuff Teef“ und sollte nun auch auf europäischen Bühnen sein Können zum Besten geben. Das tat vor allem Schlagzeugerin Susie ab dem ersten Takt.

Mit schier unbändiger Energie schlug sie auf die Felle ein und gab stiehl den Jungs zu ihrer rechten und linken damit die Show. Als sie dann auch noch anfing ohne die geringsten Atemschwierigkeiten zu singen erinnerte die Band ein wenig an die Blood Red Shoes. Bedingt natürlich auch durch die Kombination Gitarre(n) und Schlagzeug. Insgesamt aber melodieverliebter und nicht ganz so rau. Auch die Männer an der Gitarre übernahmen einige Gesangsparts, am stärksten waren die lauten und rauen Indie-Rock-Stücke allerdings, wenn Susie den Hauptpart übernahm. Etwa bei der Hitsingle „Punks“, den die Bruce Springsteen Fans (Susie trug ein „Born In The USA“ Shirt) mit den Worten „If you have heard of us, it might most possibly be because of this song. But I don’t think you have, but feel free to clap!“ ankündigte. Hier wurde ganz klar, warum wir keines der Stücke, die wir bei Myspace vorab hörten wieder erkannten. Während bei den Aufnahmen das Schlagzeug sehr weit in den Hintergrund gemischt ist, beherrscht es live, wie bei den Blood Red Shoes den Sound. Das macht die Stücke, die auf CD netter Indie-Rock sind auf der Bühne zu richtigen Rock-Stampfern, was bedeutet, I Heart Hiroshima sind eine Band, die einen live umhauen kann, obwohl sie auf CD beinahe beliebig klingen. Nach knapp 30 Minuten verabschiedete das inzwischen halbvolle Zakk das Trio. Zwar nicht überschwänglich, aber durchaus wohlwollend.

Es folgte natürlich die obligatorische Umbaupause, die aber schnell verstrich, da auf der großen Bühne bereits alles vorbereitet war. Im Gegensatz zum Intro Intim im Januar waren die neuen Songs der Rakes nun bekannt und so waren wir gespannt, diese auch endlich wieder im Live-Gewand zu hören. Noch etwas hatte sich geändert, Chris Ketley, der die Band bisher eher aus dem Hintergrund am Keyboard begleitete, schnallte sich nun auch eine Gitarre um. So waren die Songs der Band von Anfang an viel druckvoller, als man die Band bisher erleben konnte. Auch Lead-Gitarrist Matthew war dadurch sichtlich entlastet. Neu auch eine fesche blonde Strähne, die nun den Schopf von Sänger Alan Donohoe schmückte. Abgesehen von den Äußerlichkeiten und der Umbesetzung hatte sich aber nichts geändert. Von Beginn an setzte die Band ihre zügellose Energie auf der Bühne um. Energie, die sich wie gewohnt in Wellenbewegungen im Publikum immer wieder nach vorn entlud, was bei der unvorteilhaften Bühnenhöhe im Zakk und den spitzen Kanten am Rand der Bühne durchaus auch schmerzhaft sein kann.

Ihr Set starteten die Rakes mit „You’re In It“ das sie zackig und gut gelaunt zum Besten gaben. Alan sprang wild in der Bühnenmitte herum und zeigte ganz ohne Mikrofonständer seine eher eigenwilligen Dance-Moves, irgendwo zwischen Roboter und Schlumpf. Schön war dabei auch zu hören, dass seine Stimme nun schön nach vorn gemischt, so dass der Gesang viel klarer zu hören war, als auf früheren Rakes Konzerten. Mit „Retreat“, „We Danced Together“ und „Terror“ folgten drei ältere Songs und die Stimmung kochte das erste Mal so richtig hoch. Das anschließende „The Lights From Your Mac“ diente im Anschluss als kurze Verschnaufpause, bevor bei „Open Book“ wieder das gesamte Zakk mitschrie. Was scheinbar auch die Rakes schwer beeindruckte, die nach jedem Song vor Freude über das ganze Gesicht strahlten und sich häufig bedankten. „That’s The Reason“ von „Klang“ wurde dann auch bereits gefeiert, als würde die Band es bereits seit Jahren live spielen. Ein klares Indiz wohl dafür, dass die neuen Songs auch beim Publikum perfekt sitzen und akzeptiert sind. Das reguläre Set wurde nach knapp 60 Minuten und 16 Songs mit „The World Was A Mess But His Hair Was Perfect“, der inoffiziellen Hymne zur Wirtschaftskrise, beendet. Im Anschluss ließen sich die Londoner natürlich nicht lang bitten und kehrten für eine letzte Zugabe auf die Bühne zurück. Für „Strasbourg“ nämlich, zu dem Publikum und Band noch einmal alles raus ließen, sogar Gitarrist Matthew ließ sich dazu hinreißen ein wenig zu albern und die Arme in die Luft zu reißen. Einziger Wermutstropfen am Set der Band, dass sich „When Tom Cruise Cries“ nicht auf der Setlist wieder fand, aber bei der riesigen Hit-Dichte der Rakes kann man nun einmal nicht alles haben.

Fotos: Ariane WhiteTapes

Setlist:
You’re In It
Retreat
We Danced Together
Terror
The Lights From Your Mac
Open Book
Woes Of Working Woman
22 Grand Job
That’s The Reason
Shackleton
Violent
Binary Love
We Are All Animals
1989
The Outdoor Smoker
The World Was A Mess But His Hair Was Perfect

Strasbourg

Interview vom Januar

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