Konzertberichte

The Pains Of Being Pure At Heart + Hatcham Social, Utrecht, Ekko, 07. Juni 2009

Im März erschienen mit „You Dig The Tunnel, I’ll Hide The Soil“ von Hatcham Social und dem selbstbetitelten Album von The Pains Of Being Pure At Heart gleich zwei Debüt-Alben, die wir ganz fest in unser Herz geschlossen haben und die sich wohl auch ganz weit oben in unseren Jahres-Bestenlisten wieder finden dürften. Was uns bei beiden Bands noch fehlte war die Möglichkeit, diese auch endlich einmal live zu sehen, um zu erfahren, ob sie ihre Songs live eben so gelungen rüber bringen können. Also Myspace gezückt und auf Termine gewartet. Ein Termin stach dann bald besonders ins Auge, der in Utrecht nämlich. Da waren nämlich Hatcham Social als Support von The Pains Of Being Pure At Heart angesetzt. Eine großartige Gelegenheit also zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und bei dem Line-Up garantierte Unterhaltung zu genießen. Weiterer Vorteil, das Ekko in der Nähe der Utrechter Innenstadt ist noch einmal ein ganzes Stück schöner als das stickige Kölner Luxor mit seiner seltsam geschnittenen Bühne. Also entschieden wir uns gegen eine Fahrt nach Köln und für einen Ausflug in die Niederlande. Die war, Tempolimit auf niederländischen Autobahnen sei Dank, enorm gemütlich und so störte es fast gar nicht, als sich in Utrecht angekommen der Himmel auf tat und das machte, was er am Besten kann, wenn wir mal das Ekko besuchen, regnen nämlich. Da das Personal in niederländischen Clubs aber eine Spur unkomplizierter ist, als das in Deutschland wurden wir auch spontan eingelassen und mit heißen Getränken versorgt, sahen The Pains Of Being Pure At Heart beim Soundcheck mit einer Gitarre zu. Die zweite hatte am Vortag das zeitliche gesegnet und so musste die Band auf das Eintreffen von Hatcham Social warten, um ihren Soundcheck voll durchziehen zu können. Beide legten einen guten und routinierten Soundcheck hin und ließen die Vorfreude auf beide Sets ungemein steigen. Unser frühes Erscheinen hatte natürlich auch einen anderen Grund, als die Bands bei ihren Soundchecks zu beobachten, dazu aber in ein paar Tagen mehr.

Punkt 20 Uhr öffneten die Türen des Ekko und die Menschen strömten relativ schnell durch den schmalen Eingangskorridor Richtung Tanzfläche. Das war zum einen dem Regen geschuldet, vor allem aber wohl auch der Vorfreude der niederländischen Fans auf eine der größten Hype-Bands des Augenblicks. So war es bereits proppevoll, als um kurz vor 21 Uhr die Londoner von Hatcham Social die breite Bühne betraten und direkt mit ihrem Intro loslegten. Sänger Toby Kidd marschierte in einem weiten Hemd auf die Bühne, das er über einem ebenso weiten T-Shirt trug. Aus seiner gerade geschnittenen Jeans zog er eine Rose, die er am Mikro-Ständer festmachte. Ein Auftritt also, wie ihn einst der junge Morrissey hinlegte. Vielleicht war es sogar eine gewollte Anspielung, wenn dann machte sie gleich ganz deutlich, wo es musikalisch nun hingehen würde, in die 80er Jahre nämlich. Einer Zeit, als Orange Juice nicht nur Bestandteil eines Frühstücks war, Morrissey und Johnny Marr sich noch mochten und der größte Teil von Hatcham Social nicht viel mehr auf die Reihe gekriegt hat, als sich in die Windeln zu machen. Wobei das natürlich auch gelernt sein will, aber darum geht es hier ja nicht. Mit einigem Geklimper, Gitarrenfeedback und einem von Gitarrist Dave Fineberg vorgetragenem Text startete die Band ihr Set und ließ diesen düsteren Beginn direkt in den Song „Berlin“ übergehen, der nahtlos in die fröhliche Melodie von „Crocodile“ mündete.

Besonders auffällig am Spiel der jungen Briten war, dass Drummer Finnigan Kidd (ja, er ist der Bruder des Sängers und hat früher übrigens bei den Klaxons getrommelt) sein Drum-Set im Stehen spielte und leicht nach links gebeugt einige Male mitsang. Das Publikum nahm die Musik der vier Londoner gespannt auf und manche tanzten stellenweise sogar mit. Kein Wunder, denn hinter dem düsteren Grundsound der Band verstecken sich extrem tanzbare und verspielte Popsongs. Die Ansagen von Hatcham Social beschränkten sich zwar auf kurze Erwähnung des Namens, dennoch war ihnen deutlich anzumerken, wie viel Spaß sie auf der Bühne vor vollem Haus hatten. Ihre Songs spielte die Band um einiges rauer, als die Studioversionen. Mit dem dumpfen Bass und den schrammeligen Gitarrensounds machten auch die Vergleiche und die enge Freundschaft von Hatcham Social mit Bands wie The Horrors und Neils Children Sinn. Dazu passte auch, dass der Gesang von Toby nicht so klar und vordergründig war, sondern eher den Demo-Aufnahmen entsprach. Das verpasste dem Set eine düstere Grundstimmung, gepaart mit dem häufig fröhlichem Unterton der Stücke stellte das eine gelungene und lange nicht so klasse vorgetragene Mischung dar. Besonders heraus stachen dabei das ruhigere „Superman“ und das Smith’sche „So So Happy Making“. Nach knappen 30 Minuten waren Hatcham Social dann auch schon durch mit ihrem Set, nachdem sie sich von den Organistaoren noch zwei weitere Songs erschlichen hatten. Eigentlich wurde der Band nämlich angezeigt, sie solle bitte nur noch einen Songs spielen, diesen ließen sie aber nahtlos in einen zweiten Song übergehen, so dass die Veranstalter Hatcham Social einfach gewähren ließen. Das Publikum dankte es ihnen und entließ die Band unter lautem Applaus.

Es folgte nur eine sehr kurze Umbaupause, in der The Pains Of Being Pure At Heart in vielleicht fünf Minuten ihre diversen Effektgeräte einstöpselten und kurz die Mikros prüften. Punkt 21:45 Uhr, wie das Konzert auch angesetzt war, begannen sie dann auch ihr Set und knapp 400 Besucher waren von Beginn an gefesselt. Wäre die Musik nicht so laut gewesen hätte man im Publikum wirklich eine Stecknadel fallen hören können, denn wirklich jeder war elektrisiert und lauschte den fröhlich melancholischen (die Musik klingt nun einmal so) Songs der Band. Bereits über das Debüt der Band gewann man den Eindruck, dass die Jungs und das Mädels extrem sympathische Zeitgenossen sein müssen. Das transportieren sie auch auf der Bühne, auf der sie noch von Christoph Hochheim (wir vertrauen da einfach mal auf die Angaben von Frank zum Köln-Konzert) an der Gitarre unterstützt wurden. Nichts wirkte aufgesetzt oder gewollt. Keyboarderin Peggy grinste fröhlich an ihrem Instrument, wippte vor und zurück und schien sichtlich Spaß zu haben. Sänger Kip „my name means chicken“ Berman zeigte sich hochkonzentriert und auf sein Gitarrenspiel fokussiert. Dazu kamen noch Drummer Kurt und Bassist Alex, die an / hinter ihren Instrumenten eigentlich das ganze Set hindurch für sich mitsangen. Mikros hatten beide nicht.

Live waren die Stücke des Debüts noch eine Spur druckvoller und rauer als auf dem Album. Die fröhliche Grundstimmung entfaltete sich sogar noch viel intensiver. So war trotz lauter Gitarrenwände deutlich der Pop-Appeal der Stücke zu erkennen. Das wirkte dann beinahe wie eine Mischung aus den großen Idolen der Band. Pavement war da zu hören, My Bloody Valentine und auch ein bisschen Nirvana. Das alles vereint die Band in ihren ganz eigenen Songs, die nur vortäuschen nach etwas zu klingen, was es schon einmal gab. Dieses seltsame Gefühl der Vertrautheit macht vielleicht auch den zusätzlichen Charme der Band aus. Man hat das Gefühl alles bereits zu kennen, dennoch ist es neu und man hat Spaß mit jedem neuen Song, den man entdecken darf und von der Band präsentiert bekommt. Ansagen machten The Pains Of Being Pure At Heart eigentlich kaum. Dennoch hatten sie eine ganz enge Verbindung zum Publikum aufgebaut, das besonders bei „Young Adult Friction“ und „Everything With You“ laut mit sang. In den wenigen Ansagen von der Band schwang dann aber jede Menge Humor mit. So ließ es sich Sänger Kip nicht nehmen, zu erwähnen, dass sein Name im niederländischen „Hähnchen“ bedeuten würde. Vor „Higher Than The Stars“, das mit seiner Keyboard-Melodie ein wenig von The Cure hatte, wies er noch darauf hin, dass es ein perfektes Lied sei, um es in Holland zu spielen. Worauf er damit wohl anspielte? Nach nicht ganz 30 Minuten kam dann Peggy das erste Mal zu Wort, allerdings nur um zu erwähnen, dass sie nun nur noch zwei Stücke spielen würden. Nach diesen kehrte die Band allerdings auch schnell zurück und gab noch zwei Zugaben. So war das Set von The Pains Of Being Pure At Heart dann auch schon nach 45 Minuten beendet. Das waren allerdings 45 unglaublich intensive Minuten mit einer spielfreudigen Band und wunderschönen Songs, die nur ein Fazit zulassen, nämlich eine der Bands des Jahres auf einem der Konzerte des Jahres gesehen zu haben. Die Vorfreude auf die Festival-Saison wächst nun auch um ein vielfaches, denn dann, genauer gesagt im August, kehren The Pains Of Being Pure At Heat für eine Reihe von Terminen nach Deutschland zurück.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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