Konzertberichte

The Pains Of Being Pure At Heart + Fear Of Men + Ablebody – Köln, Luxor, 25. Juni 2014

Nachdem The Pains Of Being Pure At Heart mit „Days Of Abandon“ vor Kurzem ihr dritten Album veröffentlichten, führte sie ihr Weg endlich wieder auf deutsche Bühnen – zuletzt war man 2012 in diesen Genuss gekommen.

Mit im Gepäck ihre Diskografie, ihre Freunde von Fear Of Men und zu guter letzt Ablebody, der aus Christoph Hochheim (Ex-, aber trotzdem immer mal wieder, Livemitglied von The Pains Of Being Pure At Heart) seinem Zwillingsbruder Anton Hochheim und Jacob Danish Sloan, (der sowohl bei Ablebody, wie auch The Pains Of Being Pure At Heart Livemitglied ist). Noch mehr Wirrwarr gab es, als bekannt wurde, dass statt der beiden neuen Sängerinnen/Keyboarderinnen, Jess Weiss, die Sängerin von Fear Of Men die weibliche Stimme der Hauptband am Abend übernehmen würde und dass, statt wie gewohnt, Kurt Feldman, Anton Hochheim die Drums spielen würde. Der Grund für den weiblichen Wechsel ist klar, Kelly Pratt spielt momentan nämlich in ihrer eigentlichen Band, den wundervollen Beirut. Bandtechnisch eine 3er Konstellation, die so schon zusammen die USA dieses Jahr betourt hat.

Eine gute halbe Stunde nach offiziellem Einlass angekommen, standen wir endlich vor dem Kölner Luxor und warteten auf Einlass. Dieser verzögerte sich mal wieder erheblich, wie es eigentlich bei Konzerten, deren Einlass um 19.00 sein soll, üblich ist. Ein Schelm, wer Taktik dahinter sieht.

Letztendlich ist es aber auch egal, ob man nun draußen oder drinnen auf 20.00 und Anfang des Abends wartet.

Ablebody, Köln, Luxor, 25. Juni 2014

Kurz nach 20.00 standen Ablebody auf der Bühne. Ein wenig ungewohnt fast, Christoph Hochheim mit offenen Augen am Mikro stehen zu sehen, schaut er während seines Gitarrenspiels für The Pains Of Being Pure At Heart doch meist auf seine Schuhe oder hat seine Augen geschlossen. Aufmerksame Leser haben Ablebody bei WhiteTapes natürlich schon lange entdeckt. Es hieß trotzdem einiges zu entdecken. Die aufgenommenen Songs wirken meist leicht elektronisch, zumindest gibt es eindeutigen Syntheinsatz.

Live fehlte ein Laptop, ein Keyboard oder ein Synthesizer ganz und gar. Stattdessen gab es Gitarre, Bass und Schlagzeug. Das lag vielleicht auch daran, dass die Band hauptsächlich ganz neue Songs spielte. Die folgenden gut 30 Minuten füllten Ablebody mit lockerem, sehr indielastigem Shoegaze bzw. Noise Pop und lieferten so den perfekten Einstieg in den Abend. Die Nähe zu The Pains Of Being Pure At Heart oder The Depreciation Guilt (Hochheim’s und Feldman’s anderer Band) war zwar nicht zu leugnen, aber Ablebody verloren sich zu keinem Zeitpunkt in Kopien.

Darauf folgte die wohl kürzeste Umbaupause, die man sich vorstellen kann. Kaum 15 Minuten später betraten Fear Of Men die unveränderte Bühne und ein wenig mehr Publikum hatte ebenfalls den Weg ins Luxor gefunden.

Fear Of Men, Köln, Luxor, 25. Juni 2014

Bei Fear Of Men drehte sich natürlich alles um ihr Debütalbum „Loom“. Die Erwartungen waren zumindest bei uns sehr hoch und wurden erfüllt. Die Stimmung der Musik ein gutes Stück dunkler und kühler, als bei Ablebody und die, ausnahmsweise mal, sehr gute Akustik im Club, boten eine schöne Abwechslung und Einstimmung auf die Hauptband des Abends.

Viel ist zu dem Set nicht zu sagen. Wenn man die Platte mag, bekommt man genau das geboten, was man erwartet. Besser kann man es als Band kaum machen. Ein sehr kleines Manko, das jedoch herausstach, war, dass der sehr gleiche Aufbau der Songs live irgendwann fast zu ersichtlich wurde. Auf dem Album kaum merkbar, hatte man live dargeboten recht schnell das Gefühl, den Song gerade schon einmal gehört zu haben.

Das lag vielleicht auch an den Tanzbewegungen der Sängerin, die ihre Gitarre immer wieder so hypnotisch aber energisch in einem Kreis schwang, als würde sie mit einer Schaufensterpuppe Tango tanzen. Oder daran, dass die „ohhh aaaahh oooh’s“ immer wieder gleich eingesetzt und angestimmt waren.

Machte man die Augen zu, war aber die Welt wieder in Ordnung und es erschloss sich einmal mehr der stimmliche Vergleich zu Dolores O’Riordan von The Cranberries und man konnte sich wunderbar der Musik hingeben. So fiel dann auch nicht auf, dass die Band keine Einheit zu bilden schien, sondern 4 einzelne Menschen auf der Bühne standen, die ohne jegliche Interaktion miteinander jeweils ihren Teil spielten.

Viel länger als 30 Minuten spielten auch Fear Of Men nicht und wie erwartet, dauerte die Pause bis zu The Pains Of Being Pure At Heart wieder nicht lang.

The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, Luxor, 25. Juni 2014

Der Club hatte nochmal an Publikum zugelegt, vorne wurde es etwas enger und ohne ein Wort betrat Sänger Kip Berman die Bühne, um direkt „Art Smock“, nur begleitet von seiner Gitarre, vorzutragen. Eher ungewöhnlich, fangen viele Bands doch gleich mit einem Kracher an, um die Euphorie direkt hochkochen zu lassen. Ungewöhnlich vielleicht, aber gar nicht falsch. Berman schaffte es so eine Spannung aufzubauen, die in tosendem Applaus endete und die weiteren Musiker beim Gang zu ihren Instrumenten geleitete. An die Drums setzte sich, wie bereits erwähnt, nicht Kurt Feldman, sondern Anton Hochheim und die Synths spielte Jess von Fear Of Men.

Danach ging es hitzig weiter. Ein rasanter Wechsel zwischen neuen Songs und alten Lieblingen. Gleich zu Beginn stach der Neuling Kelly hervor. Der Song setzt in Gänze auf weibliche Stimme und hat in seinem Singer Songwriter-Charakter einen Beat, der danach schreit betanzt zu werden. Wie gut die Stimme von Jess zum Sound von The Pains Of Being Pure At Heart passt, war fast erschreckend. Auch, wenn es für Fans der ersten Stunde sicherlich befremdlich ist, jemand anderen und nicht Peggy Wang an dieser Stelle zu sehen, müssen wir gestehen, stimmlich hätte sie es nicht mit Jess aufnehmen können.

Auffällig hier: Jess entledigte sich ihres britischen Akzents und viel so als eigentlich nicht-Mitglied der Band kaum auf. Von Seiten der Band gewohnt wenig geredet, dafür für viel Spaß gesorgt. Off topic, aber keinesfalls negativ gemeint: das Publikum scheint mit der Band gealtert zu sein. Die ersten Konzerte der Band in Deutschland wurden von jungen Studenten besucht, die sich kaum von den Gestalten auf der Bühne unterschieden. Dies ist auch immer noch so, nur sind diese Studenten mittlerweile um die 30 und wissen einigermaßen, wer sie sind und warum und wofür sie die Band mögen.

Die älteren Songs, wurden betanzt, wie es schon zu Zeiten des Debütalbums war. Ein wenig rumspringen, ein wenig Twee, kein moshen… die neuen Songs, so sie denn Tanzbar waren, boten zumeist eine herrliche Verschnaufpause. Poppiger, weniger Shoegazeeinfluss, weniger Noise, keine Soundwände… wenn es lauter und rockiger wurde, dann in „normaler“ Indiemanier, die man so auch, wir wiederholen uns, bei Bands wie den Shout Out Louds findet. Die neuen Songs brachten, zumindest bei uns, nicht die Euphorie der Klassiker, funktionierten live jedoch sehr viel besser, als auf dem Album. Kip Berman, der Jahre lang eher mit der Band zu einer Masse verschmolz, stand nun eindeutig im Mittelpunkt und schien ist so unwohl dabei auch nicht zu fühlen.

Mit aber nur ca. 1 Stunde Spielzeit, wo die Band die Jahre zuvor immer um die 1 1/2 Stunden spielte, kamen ältere Songs leider zu kurz. „Contender“ muss eigentlich Bestandteil jeden Sets sein, fehlte aber. Genauso, wie „Young Adult Friction“. Auch vom zweiten Album gab es nicht viel, da das Augenmerk der Tour natürlich auf dem aktuellen Album lag. Unter vielen Songwünschen tauchte u.a. „103“ auf, was von Kip Berman, auf alle Wünsche bezogen, mit einem leicht verlegenen, aber bestimmten Lächeln und den Worten „we played all these last time we were here“ abwimmelte. Man kann natürlich von keiner Band erwarten, dass sie all ihre Songs für eine Tour probt und auf Zuruf spielen kann. Das wäre Wahnsinn. Ein kleines Bonbon im Ärmel versteckt zu haben für die treuen Fans, oder einfach eine alte B-Seite zu spielen, ist Zucker für die Meute und macht den Abend meist nochmal umso besonderer für beide Seiten. Diesen Höhepunkt nahm sich die Band leider selbst.

Kurz vor Ende verließ die Band die Bühne und Berman kam abermals allein zurück. Um Ruhe bittend stimmte er allein einen weiteren Song an, der sich wunderbar dank der tollen Akustik im Raum entfaltete und man sich kaum zu atmen traute. Gerade das Ende, als selbst die Gitarre noch wegfiel und er a capella die letzten Zeilen sang, brachten Gänsehaut. Die Band kam noch für ein paar Stücke und eine weitere Zugabe zurück. Mit „Belong“, das die Gemüter nocheinmal aufheizen ließ geleiteten The Pains Of Being Pure At Heart in die noch warme Kölner Nacht und hinterließen wohl bei allen ein Gefühl der Zufriedenheit. Warum auch nicht? Vielleicht, weil trotz perfekt vorgetragener Songs etwas fehlte, das vermutlich nur Leuten auffällt, die die Band schon das ein oder andere Mal live gesehen haben: auch The Pains Of Being Pure At Heart bildeten keine Einheit. Mit Christoph Hochheim war ja allerdings auch nur ein einziges bisherigen Pains live-Mitglied dabei. Der Rest der Band kennt sich zwar sehr gut, ist aber nunmal kein blind eingespieltes Team. Das wird sicherlich noch kommen, wenn die Band, länger zusammen spielt und nicht alle paar Konzerte die Keyboarinnen, Drummer, Gitarristen (denn auch Hochheim ist nicht immer dabei) und Bassisten Bäumchen Wechsel Dich spielen.

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