Konzertberichte

The Making Of + Aufbau West, Hafenliebe, Dortmund, 13. Oktober 2011

Ein eiskalter Abend im Dortmunder Hafen. Schnell rein in den kleinen Laden mit dem Herz. The Making Of luden ihre Fans zu ihrer EP-Releaseparty ein. Kurz vorher posteten sie noch bei Facebook, dass es leider Probleme mit der CD-Lieferung gegeben hat und sie bisher noch nicht eingetroffen ist. Aber es bestand noch Hoffnung. Angeblich sollte gegen 22 Uhr ein Mann mit vielen, vielen Paketen in der Hafenliebe eintreffen. Spannung.

Als Support hatten sich The Making Of die Münster-Ahlen-Gesecke-(bei Paderborn)-Truppe Aufbau West eingeladen. Als Fan erster Stunde konnte ich mir den Gig natürlich nicht entgehen lassen. Schließlich waren Florian, Jendrik, Martin und Sebastian seit Ewigkeiten nicht mehr in der Nähe. Meine Live-Erfahrung beruhte auf ihrem ersten Konzert im Februar im Münsteraner Amp. Seitdem hat sich natürlich Einiges getan. Die Besetzung hat sich geändert und die Jungs haben unter Anderem im Vorprogramm für Ghost of Tom Joad, Enno Bunger oder Fertig, Los! gespielt. Die unzähligen Konzerte, die sie im letzten halben Jahr absolviert haben, haben sich auf jeden Fall bemerkbar gemacht.

Aufbau WestDeutlich solider, selbstbewusster und frecher spielten die vier ihr Set, das inzwischen auch viele neue, mir unbekannte Songs beinhaltet. Bei einigen Parts der Performance standen wohl auch die Münsteraner Geister Pate. Allerdings sind Ghost of Tom Joad ja auch für großartige Konzerte bekannt; also liegt es ja nahe sich ein wenig von den Vorbildern inspirieren zu lassen. Im Februar hing ich mit meinen Gedanken noch an den guten alten Flo-Walzer-Zeiten. Davon war jetzt kaum noch etwas zu spüren. Der Sound ist wesentlich düsterer, die Titel sind druckvoller. Nun habe ich das Gefühl, dass Aufbau West es geschafft haben ihren Namen mit Eigenständigkeit zu füllen. Natürlich durften auch nicht die altbekannten Titel von ihrer Debüt-EP „Schüsse in Öfen“ fehlen. Ganz besonders konnte mich der Titel „Vietnam“ begeistern. Das macht Lust auf mehr… auf viel mehr. Aufbau West sind noch frisch dabei, aber ich glaube das kann was Großes werden, wenn sie sich weiterhin so ins Zeug legen. Leider hatten die vier ein wenig mit dem Dortmunder Publikum zu kämpfen, das im Gegensatz zu ihrem Auftritt im Hamburger Molotow nicht so richtig warm werden wollte. Aber die Jungs gaben ihr Bestes. Gegen Ende des Sets flog der Mikroständer durch die Gegend und Flo sprang mehrmals fast von der Bühne voller Euphorie. Mir hat’s gefallen. Ich hoffe sehr, dass Aufbau West sich trotzdem nochmal in meine Heimat trauen werden.

The Making OfNach einer kurzen Umbaupause betraten The Making Of die Bühne. Mit dem Satz, „das ist wahrscheinlich die erste Releaseparty ohne CD“ eröffnete Sänger Maurice den Abend. Was anfangs noch recht lustig rüberkam, ließ bei mir leider schnell das Gefühl aufkommen, dass die Band unter enormer Anspannung stand. Es ist noch nicht lange her, dass ich die Dortmunder im FZW bei der ersten YOUNG BLOOD Sause live erleben durfte. Einen Monat vorher haben sie mich vollkommen aus meinen Chucks gerissen. Umso härter traf es mich die Band in der Hafenliebe so erleben zu müssen. Maurice Stimme, die sonst so ein ziemlich breites Spektrum abdeckt, klang monoton und verschwamm zwischen dem Klang der Instrumente. Die vier legten erstmal mit älteren Songs vor, um dann die Titel der „Love Lost“ EP zusammen mit einigen Cover-Titeln zum Besten zu geben.

Da die neuen Lieder deutlich schneller sind als die alten, kam zumindest an diesen Stellen etwas Stimmung auf. „Easy To Leave“, „Fire“ und das ziemlich aus dem gewöhnlichen The-Making-Of-Stil herausfallende „The Astronaut“ konnten mich dann doch an das erinnern, was ich an dieser Truppe so lieb gewonnen habe. Sie schafften es mich mit den drei Songs wieder in ihren Bann zu ziehen. Danach war es leider schon wieder vorbei. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. So oft, wie ich sie schon live gesehen habe, kann ich nur sagen, dass sie einfach einen schlechten Tag hatten, mit einer ziemlich riesigen Portion Pech dazu. Sehr schade, aber was soll’s? Es ist menschlich.

Die EP traf nachts tatsächlich noch in der Hafenliebe ein. Allerdings erst zu so einer Uhrzeit als die meisten Konzertgäste wahrscheinlich schon den Partygästen gewichen sind. Ich bin einfach gespannt auf die nächsten Gigs der Dortmunder. Dass die Jungs ordentlich was auf dem Kasten haben, haben sie schon oft genug bewiesen.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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