Konzertberichte

The Late Call, Amp, Münster, 05. November 2011

Johannes Mayer ist kein selten gesehener Gast im Amp. Das freut natürlich seine Fans, allerdings führt es leider so nach und nach dazu, dass seine Auftritte immer schlechter besucht werden, was mit Sicherheit nicht an der Qualität dieses Musikers liegen dürfte. Es schleicht sich wahrscheinlich nur der Gedanke ein, dass man ja nicht unbedingt raus in die Kälte muss, da er ja sowieso in Kürze bestimmt wieder da sein wird. Dieses Mal herrschte im Amp im Verhältnis zu anderen Konzerten des Wahl-Stockholmers eine ziemliche Leere.

Johannes hat sich ausnahmsweise ganz allein mit seiner Gitarre auf den Weg durch die Republik gemacht. Eigentlich liegt es ja auch nahe, dass er dann seiner ehemaligen Heimat einen Besuch abstattet und ich genieße es trotz seiner häufigen Anwesenheit natürlich jedes Mal aufs Neue – so auch Anfang November im inzwischen vom Wohnzimmer zur Küche mutierten Amp. The Late CallOhne Support betrat der inzwischen schon seit einigen Jahren in Schweden lebende Künstler die Bühne. Ganz reduziert wirkte alles an diesem Abend. Die Bühne zierte nur ein einsamer Stuhl, auf dem Johannes Platz nahm.

Alle Wartenden drängten sich förmlich direkt vor der Bühne zusammen und hingen an seinen Lippen, als er begann zu singen. So ganz allein klingt The Late Call natürlich ganz anders als wenn er noch andere Musiker im Schlepptau hat, aber auch das hatte seinen Charme. Das Poppige, was sonst ja in seinen Songs immer mitschwingt, trat komplett in den Hintergrund. Johannes spielte sich, melancholisch wie immer, fast durchs komplette erste und zweite Album und hielt auch noch die eine oder andere Überraschung in Form von neuen Songs bereit, die hoffentlich bald den Weg auf sein drittes Album finden werden. Dazwischen erzählte er von seinen Reisen, von Freundschaften und vom Leben.

Das Publikum wagte sich kaum zu bewegen, um die Ruhe, die er ausstrahlte, nicht zu zerstören. The Late CallGegen Ende sah man überall verteilt Menschen auf dem mit Teppich ausgelegten Boden sitzen, die ihm einfach zuhörten und die Atmosphäre genossen. Zufriedene Gesichter wohin man auch blickte.

Besonders ins Herz getroffen haben mich die Titel „Cards On The Table“, „The Start Of Something New“, „Fribourg“ und „Nevermore“. Die Wärme, die Johannes in seine Stimme legt, ist einfach jedes Mal unglaublich. Er bringt jeden seiner Titel zum Schwingen, so dass man am Liebsten gar nicht mehr aufhören würde ihm zuzuhören. Aber irgendwann findet auch so ein schöner Abend nun mal ein Ende.

Das einzige Manko war leider der Sound. Alles war komplett übersteuert, was leider bei einer One-Man-Acoustic-Session schon extrem ins Gewicht fällt. Dafür kann Johannes natürlich eher wenig. Außerdem sollte er, wenn er sich schon so reduziert und allein unterwegs ist, auch noch auf das Loop-Gerät verzichten. Die eingespielten Streicher an einer Stelle waren auf jeden Fall komplett überflüssig und eher störend als toll. Aber das sind ja alles nur Kleinigkeiten.

Ich kann es wirklich kaum noch erwarten, dass Johannes uns wieder mit einem neuen Album begeistert. Natürlich darf er auch noch fünftausend Mal nach Münster oder die Umgebung kommen. Ich werde definitiv dort sein.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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