Konzertberichte

The Lake Poets + Janna Leise, Pension Schmidt, Münster, 15. November 2015

The Lake Poets

Im September war es endlich soweit. Nachdem wir bereits seit seinen ersten Demos über ihn berichteten, veröffentlichte der junge Sunderlander Martin Longstaff alias The Lake Poets sein Debüt-Album, das ebenfalls auf den Namen „The Lake Poets“ hörte und das in Nashville von David A. Stewart von Eurythmics produziert wurde.

Nachdem Martin bereits Ende 2014 auch seine erste – überaus erfolgreiche – Deutschland-Tour spielte und er sich auch im Frühjahr / Sommer diesen Jahres auf einigen Festivals in Deutschland blicken lassen durfte, lag nun ein paar Wochen nach dem Release seine erste umfangreichere Deutschland-Tour an. Dabei gab es auch bei diesem Durchlauf wieder einige Konzerte in Nordrhein-Westfalen, darunter auch ein Auftritt in der schönen Pension Schmidt in Münster, wo wir The Lake Poets in Bandbesetzung sehen durften.

Bandbesetzung bedeutete bei dieser Tour neben Songwriter Martin Longstaff auch noch Bassistin, sowie Background-Sängerin Rebecca Young (die ihr vielleicht als This Little Bird kennt) und Keyboarder / Drummer Daniel Laidler. Bevor das Trio begann, gab sich jedoch zunächst Janna Leise aus Nordkirchen (dem Münsteraner Umland) die Ehre, um für The Lake Poets zu eröffnen. Die junge Münsterländerin erzeugte mit sanfter Stimme und klugen Texten direkt eine angenehme Stimmung. Durch die knackige Länge ihrer Songs – meist nicht über drei Minuten – ergab das ein überaus kurzweiliges Supportset, das eine schöne Einstimmung auf den Abend schuf.

The Lake Poets

Nach einer kurzen Umbaupause fanden sich dann auch schon The Lake Poets – bzw. zunächst nur Martin Longstaff – auf der Bühne ein. Martin spielte nur mit seiner Gitarre bewaffnet ein Stück, mit dem er sofort die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog. Auch, als beim nächsten Stück dann zunächst Dan und in der Folge Rebecca die Bühne betraten, hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Gemeinsam spielte das Trio ein Set, das natürlich vor allem aus Stücken des Debüt-Albums bestand. Zu diesen erzählte Martin häufig die Geschichte, warum er sie geschrieben hat.

Der Album-Opener „Black and Blue“ handele beispielsweise von einem kleinen Mädchen, das Martin in seiner Zeit als Lehrer kennengelernt hat und das sich Martin anvertraute, weil es vom Vater verprügelt wurde. Ein Moment, bei dem nicht nur wir schlucken mussten.

Zu „North View“ erzählte er die Geschichte seiner verstorbenen Großmutter, die an Alzheimer erkrankt war und gegen Ende wieder in ihrer Kindheit angekommen war, wo sie als Waisenkind ganz allein für ihre Geschwister sorgen musste. Das bedeutete aber keineswegs, dass der Abend nur aus ruhigen, traurigen Stücken bestand. So ist allein schon „North View“ trotz der berührenden Geschichte ein Song, der wunderbar Fahrt aufnimmt und einen positiven Abschluss mit dem Leid der Protagonisten sucht.

The Lake Poets

Übrigens blieb das auch nicht der einzige Song mit familiärem Bezug, das leicht von Americana inspirierte schnellere Stück „Vane Tempest“ handelt beispielsweise von Martin’s Dad, der bis zum Ende der Kohleindustrie in Nord-England in einer ebenso benannten Mine gearbeitet hat.

In „Shipyards“ singt Martin über seinen Großvater, der sein ganzes Leben im Schiffsbau gearbeitet hat und sich liebevoll um seine Familie kümmerte.

Neben der Familie gab der junge Songwriter auch noch viel biographisches Preis und erzählte zu „Dead Horses“ von seiner Arbeit in einem Call-Center und seinem Traum Musiker zu werden, oder bei „Friends“ von einem Studienkollegen, der sich als falscher Freund entpuppte. Alles Geschichten, die das ohnehin schon packende Set noch intimer machten.

Die Band interpretierte die Stücke dabei oft deutlich druckvoller und intensiver, als auf dem Album und zeigte sich mit großer Spielfreude, die auch als Begeisterung auf’s Publikum überschwappte. Der Applaus nach jedem Song und erst recht nach dem fast eineinhalb Stündigen Konzert war dementsprechend groß und der Merch-Stand am Ende gut besucht. Ingesamt also ein Abend, der dafür sorgen dürfte, dass The Lake Poets gern wieder nach Münster kommen. Dann vielleicht in etwas größerem Rahmen und bestimmt wieder gut besucht.

Fotos: Ariane WhiteTapes


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