Konzertberichte

The History Of Apple Pie + Taiga – MTC, Köln, 12. Mai 2013

The History Of Apple Pie

Im Januar veröffentlichten die Londoner The History Of Apple Pie mit ihrem Debüt „Out Of View“ eines der ersten kleinen Highlights des Jahres. Die Band um Ex-Hatcham Social Gitarrist Jerome Watson zelebriert darauf eine wunderbar erfrischende Mischung aus Indie-Rock, Shoegaze und Twee, die immer wieder Spaß macht. Die Deutschland-Termine, die das Quintett vor einigen Wochen bekannt gaben, waren deshalb natürlich Pflicht für uns. So fanden wir uns dann auch spät am Sonntagabend im Kölner MTC ein.

Angekündigt war der Beginn des Abends durch The History Of Apple Pie selbst, die meinten, sie würden um 22 Uhr auf der Bühne stehen. Einlass sollte laut Aussage des Clubs um 20 Uhr sein. So fanden wir uns um halb 9 an der Zülpicher Straße ein, wo wir trotz immer schlechter Parkplatzsituation direkt einen Platz vor dem Eingang fanden. Auch auf den Support des Abends waren wir neugierig. Dabei handelte es sich um eine Osnabrücker Band namens Taiga, die in ihrer Bandbiographie auf Facebook große Worte für sich findet. Dort schreiben sie nämlich: „Die lexikalische Definition der Taiga erfährt nicht nur geographisch, sondern auch popkulturell aktuell eine gravierende Korrektur“. Nun ja, das hätte uns schon eine Warnung sein sollen, aber die Ankündigung, dass Wir Sind Helden Keyboarder Jean-Michel Tourette die Band produziert, machte dann doch Hoffnung. Entgegen unserer Hoffnung legten die Jungs dann doch erst irgendwann gegen halb zehn los.

Zu hören gab es nichts, was so große Worte der Band gerechtfertigt hätte. Das war einfach nur recht cleaner Indie-Pop mit deutschen Texten. Irgendwo zwischen Schülerband und Echt. Das tat alles nicht weh, machte das Warten auf The History Of Apple Pie aber auch nicht kürzer und vor allem auch deutlich, dass ein „großer“ Produzentenname noch keine beachtenswerte Band macht. Durchaus erkennbar war aber, dass Taiga mit ein wenig mehr Übung in ein bis zwei Jahren vielleicht annehmbaren deutschsprachigen Indie-Pop hervorbringen könnten. Beim Publikum kam das anscheinend zu diesem Zeitpunkt noch nicht so an, denn jeder Versuch der Kontaktaufnahme seitens der Band, etwa die Frage nach dem Tatort, der läuft, wurden mit Schweigen beantwortet.

The History Of Apple Pie

Nach fast vierzig Minuten waren Taiga dann auch durch und The History Of Apple Pie begannen direkt mit dem Aufbau. Circa halb elf standen die Londoner endlich auf der Bühne. Bassistin Kelly Owens entschuldigte sich noch, dass man keinen Soundcheck hatte und das Set deshalb vielleicht Anfangs etwas unschön klingen könnte. Eine Warnung, die nicht hätte sein müssen, denn der Sound war eigentlich von Beginn an klar, es schepperte nichts und trotz dreier Gitarren war der Gesang von Stephanie Min deutlich zu hören. So wusste die Live-Umsetzung der Songs auch direkt zu überzeugen. Die Stücke waren etwas weniger poppig, als auf der Studiovariante und luden zum fröhlichen rocken ein.

Besonders die Single „Mallory“ machte richtig Laune. Die starke Gitarrenwand der Band stand in schönem Kontrast zum Twee-poppigen Gesang von Stephanie Min. So wurde es trotz der späten Stunde an einem Sonntagabend (keine Ahnung, warum man an einem Sonntag einen Konzertbeginn auf eine so späte Zeit legen muss) noch mehr als unterhaltsam und die Londoner rockten das Publikum noch einmal wach. Das bestand leider nur aus etwas weniger als 20 Mann. Der Name The History Of Apple Pie hat nämlich anscheinend für uns einen guten Klang, in Köln und Umgebung haben die Londoner mit ihrem zuckersüßen Indie-Rock allerdings wohl noch nicht viele Anhänger gefunden.

Das trübte aber nicht die Qualität des Sets, die über die gesamten vierzig Minuten hoch war. Stephanie Min traf zwar bei einem Stück am Anfang nicht ganz die richtige Tonlage und blieb im gesamten Stück etwas schief, sonst gab es aber nichts auszusetzen. Wenn man ein Haar in der Suppe finden wollte, wäre es höchstens die Kürze des Sets von gerade einmal vierzig Minuten und neun Songs, aber da The History Of Apple Pie nicht wirklich mehr Songs im Repertoire haben, hatten wir das bereits erwartet und das MTC gut gelaunt verlassen.

Setlist:

I’m Not Alone
The Warrior
Mallory
Tug
See You
Do It Wrong
Glitch
I Want More
Before You Reach The End

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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