Konzertberichte

The Futureheads + Timid Tiger – Köln, Luxor, 14. September 2008

Über die Zustände in der Musik-Industrie und die damit verbundene teilweise Ungerechtigkeit haben wir vor dem Konzert in Köln bereits im Interview mit Ross und Jaff von den Futureheads gesprochen, beschränken wir uns jetzt also lieber auf das westenliche, nämlich ein ziemlich geniales Konzert.

Bevor das aber so richtig starten konnte eröffneten, wie wir überrascht fest stellten, erst noch Timid Tiger aus Köln. Die betraten dunkel bekleidet zu einem Dance-Beat die Bühne, der einzige Farbklecks waren bunte Klebestreifen an der Kleidung und Kopfschmuck in Form von Federn. So wirkten Timid Tiger dann schnell eher wie eine zweitklassige Nu-Rave Band, als wie die passable Indie-Band, die sie wirklich sind.

Mit fortschreitendem Set wurden zwar die schnell vorgetragenen, dance-lastigen Songs von Timid Tiger nicht wirklich packender, allerdings die Kostüme immer bunter und die Show immer verrückter. Am Ende des ca. 30-minütigen Sets ist einiges an Konfetti geflogen und man durfte ein paar arg gekünstelt Trotteltanzschritte von Sänger Keshav PuruShotham bewundern. Das sorgte dann immerhin für ein wenig Kurzweil.

Um kurz nach 22 Uhr standen dann auch mit Barry, Ross, Jaff und Dave die vier Herren aus Sunderland auf der Bühne, für die wir da waren und gaben mit dem Opener „Walking Backwards“ zwar (Achtung Wortspiel) nicht die Marschrichtung, aber das Tempo des Abends vor. Der sollte nämlich geprägt sein von schnellen, abgehackten Riffs und den Kanons, mit dem sich die Futureheads vor ein paar Jahren so etwas wie einen USP geschaffen haben. Mit „Decent Days And Nights“ folgte dann gleich noch eine gute Zusammenfassung des Abends, obwohl doch noch 15 Hits folgen sollten.

In ihrem knapp 60 minütigen Set spielten die Futureheads, wie man das von ihnen gewöhnt ist nur Hits – was auch an der simplen Tatsache liegt, dass sie nur Hits haben – und das gut gefüllte Luxor sang kräftig mit „You learned the lyrics, dont’cha?“ bemerkte Sänger Barry auch an einer Stelle. Diese kleinen Späßchen stellten für die Anwesenden auch die einzigen Verschnaufpausen dar, schließlich müssen Songs, wie „Hounds Of Love“, „The Beginning Of The Twist“ und „Carnival Kids“ gebührend abgefeiert werden.

Anders als bei ihrem Auftritt beim diesjährigen Rheinkultur-Festival hatte Sänger Barry nicht mit einem Mikro zu kämpfen, dass ihn unter Strom setzte, wohl aber mit Gitarrensaiten, die immer wieder rissen und so für ca. vier mehr oder minder gekonnte Gitarrenwechsel sorgten. Man merkte der Band auch an, dass sie ziemlichen Spaß an der Show hatte, besonders Gitarrist Ross fand Gefallen die Songs richtig schnell zu spielen und bestand darauf, den ruhigeren Song „Hard To Bear“ etwas zu rocken.

Barry: „We’re gonna play a sad song now. Well, actually it’s a song of hope.“
Ross: „Can we play it really fast?“
Barry: „Yeah, but only a little faster“
Ross: „Let’s play it fast fast“
Barry: „Well, I’d say faster, but not too fast“
Ross: „Ah, come on, I’m gonna play it fast“

Nach 15 Songs und einer kurzen Pause kamen die Futureheads sogar noch für zwei Zugaben zurück, eine davon „Le Garage“, dass sie das letzte mal vor Ewigkeiten gespielt hätten und „He Knows“, dass Futureheads-typisch mit Unterstützung des Publikums ein wenig in die Länge gezogen wurde.

Nach knapp 60 Minuten bleibt die Erkenntnis, dass die Futureheads von mal zu mal live immer besser werden und das ambivalente Gefühl, wie großartig es ist, eine Liveband von diesem Kaliber im kleinen Rahmen des Luxor sehen zu dürfen.

noch mehr Bilder hier

Ariane WhiteTapes

Discussion

Comments are closed.

Archive