Konzertberichte

The Cinematics, Münster, AMP, 23. September 2009

„Moving To Berlin“ heißt ein Song auf „Love & Terror“, dem zweiten Album der Glasgower Band The Cinematics. Schaut man sich den aktuellen Tourplan des Quartetts so an gewinnt man den Eindruck, dass die Jungs damit wirklich ernst machen möchten. Denn neben einer langen Liste von Tourdaten jetzt im September kommen The Cinematics bereits im November und dann wieder im Februar zurück nach Deutschland. „Im Januar haben wir das vor“ sagte Sänger Scott Rinning auf unsere Nachfrage im Vorfeld des Konzerts im Interview mit uns (in Kürze mehr). Durch puren Zufall führte der Tourplan The Cinematics jetzt auch nach Münster, eigentlich war für den Termin ursprünglich ein Konzert im Kölner Gebäude 9 angesetzt, der wurde aber recht schnell auch wieder gestrichen und so fand sich die Band einen Tag nach dem Konzert im Düsseldorfer Pretty Vacant Club im schmucken Münsteraner AMP wieder. Bassist Adam Goemans zeigte sich besonders beeindruckt von den vielen Bildern von Menschen mit Katzenköpfen, die überall im AMP an den Wänden hängen. „Die Bilder sind total cool, aber auch total seltsam, ich muss davon so viele Beweise sammeln wie möglich“ nuschelte er uns zwischen einer Begrüßung im Vorbeigehen zu und zückte vor jedem Bild seine Digicam. 

Aber Musik spielten The Cinematics natürlich auch. Nach dem Beginn mit einer Vorband, deren Songs irgendwo zwischen unspektakulär und egal tändelten und deren Name auch schon wieder vergessen ist, enterten The Cinematics um ca. 22:45 Uhr die Bühne. Interessanterweise trug Sänger Scott Rinning nicht mehr seine schnieke Krawatten-, Hemd-, Cardigan-Kombi, die er beim Soundcheck und vor dem Konzert anhatte, sondern eine einfache Jeans und ein dunkles Hemd. Kombiniert mit seinem stark gegelten 80er Jahre Wave-Seitenscheitel sollte dieses Outfit jedoch auch nicht seine Wirkung verfehlen. So gewandet stimmte er dann auf der Bühne ohne viele Worte die ersten Takte von „All These Things“, dem Opener von „Love & Terror“ an. Kurz vor Beginn des Konzerts meinte ein Bekannter, der von Freunden mit auf das Konzert genommen wurde „nö, kenn die Band nicht, die machen irgendwie so New Wave Kram, oder?“. Eine einfache Beschreibung, die natürlich dennoch den Kern der Sache trifft. The Cinematics haben alle Kniffe des Wave der 80er raus. Die Gitarrenlinien schneiden schön und der Gesang ist dringlich und immer ein wenig gehetzt, das zeigte auch „All These Things“. Das Tempo des Openers behielten The Cinematics dann mit „Keep Forgetting“, einem Song vom ersten Album „A Strange Education“ erst einmal bei.

Etwas weniger Endzeitstimmung gab es dann mit dem neuen Stück „She Talks To The Trees“, vor dem Scott dann auch das Publikum willkommen hieß und noch meinte „You might be only a few people here today, but that means you must be the coolest people in town“. Schleimen beim Publikum hätte er dennoch nicht nötig gehabt, das hatte die Band allein wegen ihren zackigen und höchst unterhaltsamen Songs schnell auf ihrer Seite. Neben dem frischen Wave-Sound hatten The Cinematics auch alle Wave-Posen drauf, so erinnerte Scott, wenn er an Stellen, an denen er nicht Gitarre spielte, das Mikro mit beiden Händen umschloss und ein wenig nach vorne beugte, immer ein wenig an Ian Curtis. Vielleicht hat er auch einmal zu oft „Control“ geschaut. Machte aber nichts, schließlich passten diese und ein paar andere Curtis-Posen super zum Sound und der ist modern genug um nicht als bloße Interpretation von Joy Division gehesen zu werden. Dafür sind die Gitarren in allen Songs viel zu präsent und die Songs auch eine Spur zu zackig. Obwohl auch das neue Album „Love & Terror“ soweit wir wissen noch nicht den illegalen Weg ins Internet gefunden hat, zeigte sich das Publikum von neuen Songs ebenso begeistert, wie von alten Stücken.

Was natürlich nicht bedeutet, das es nicht auch Songs gab, die im starken Set besonders heraus stachen. Darunter etwa der „A Strange Education“, der Titelsong vom ersten Album, der in seiner Live-Umsetzung, der Studioversion in nichts nachsteht. Auch das vorhergehende „Wish (When The Banks Collapse)“ erschufen sie eine dichte Stimmung und zeigten, dass der Song nicht nur wegen seines zufällig aktuellen Bezugs auf die Weltwirtschaftslage eines der Highlights von „Love & Terror“ sein wird. Von den neuen Songs stach aber vor allem „New Mexico“ heraus, da sich der Song mit seiner keyboardähnlichen Gitarrenlinie und seiner zwischen fröhlich und melancholisch wechselnden Stimmung als der potentielle Hit für einen Durchbruch des Quartetts empfohl.

Da überraschte es dann wenig, als die knapp 50 Besucher nach diesem Song besonders überschwänglich klatschten. Wie sich das anscheinend für melancholische Waver gehört war die Stimmung im Publikum zwar auch gut, aber über ein auf der Stelle wippen ging die Bewegung nie hinaus, ein Mosh-Pit hätte zur dunklen Grundstimmung der Songs auch nicht gepasst. Nach knapp 50 Minuten verabschiedeten sich The Cinematics dann mit ihrem bisher größten Hit „Break“ von der Bühne, um recht schnell wieder für 3 weitere Zugaben zurück zu kehren. Zu diesem Zeitpunkt füllte sich das AMP dann auch bereits mit ersten Diskobesuchern, die für die anschließden Disco Pigs Party gekommen waren. Die schauten neugierig um die Ecke und einige trauten sich sogar vor die Bühne, um ein wenig zu tanzen. Dazu empfohl sich dann auch besonders die letzte Zugabe „Moving To Berlin“, einem typischen The Cinematics Rocker mit toller Gitarrenmelodie und der nötigen Portion Dringlichkeit. In etwas mehr als einer Stunde zeigte sich The Cinematics so auch als eine der britischen Bands, die viel mehr Aufmerksamkeit verdienen. Aber die bekommen sie hierzulande vielleicht, wenn sie denn im Januar nach Berlin ziehen und deutsche Clubs noch häufiger mit derart dichten und energiegeladenen Live-Shows beehren.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

Setlist:

all these things
keep forgetting
talk to the trees
wish
strange education
dont look down
hospital bills
new mexico
hard for young lovers
maybe someday
love and terror
break
——
cinema
rise and fall
moving to berlin

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