Konzertberichte

Temples + Wyoming – Köln, Luxor, 3 Juni 2014

Temples + Wyoming - Köln, Luxor, 3 Juni 2014

In Großbritannien gehörten sie schon letztes Jahr zu einer der meist gehypten Bands, hierzulande schenkte man Temples erst Anfang dieses Jahres langsam mehr Aufmerksamkeit. Wie das eben so ist mit den vielversprechenden (aber auch schlechten) neuen Künstlern, es dauert eine Weile, bis wir auch in Deutschland etwas davon mitbekommen. Nachdem sie im Februar zusammen mit zwei anderen Bands die Introducing-Tour mitgemacht haben, standen dann im Juni auch zwei eigene Clubshows in Berlin und Köln an.

Erstaunlicherweise gab es noch eine Abendkasse, gefühlt war das Luxor trotzdem ausverkauft. Der Support kam, wie es im Luxor eigentlich schon Standard ist, von einer lokalen Band namens Wyoming. Ihr Genre beschreiben sie selbst recht passend als Dream/Independent Pop. Damit dürfte eigentlich nicht viel schief gehen, jedoch hörte es sich dann leider so an, als ob sie 30 Minuten lang den gleichen Song gespielt hätten. Nicht, dass sich die Songs von Temples großartig unterscheiden würden, ein bisschen Abwechslung bei Wyoming wäre aber von Vorteil gewesen.

Temples legten gegen 21h auch schon los mit ihrem Set. Colours To Life diente als Opener, mit dem man sich auch prompt eine paar Jahrzente zurück versetzt fühlte. Das lag nicht nur an der Musik, auch frisurentechnisch erinnerte neben glitzernden Instrumenten vieles an die Siebziger (Thomas Warmsley könnte man für eine junge Version von Primal Screams Bobbie Gillespie halten). Ein schönes Detail war auch das angedeutete Peace-Zeichen auf der Gitarre von Sänger James Bagshaw.

Die Setlist war mit 11 Songs überraschend lang, da die Band gerade erst ihr Debut „Sun Structures“ veröffentlicht hat, hätte man auch mit weniger rechnen müssen. Das heißt, sie haben fast das komplette Album gespielt, zusätzlich die tolle B-Seite Ankh, die es eigentlich gar nicht verdient hat, „nur“ eine B-Seite zu sein. Mesmerise war das letzte Stück vor der Zugabe und endete in einem bestimmt 5 Minuten langen Outro. Wenn ein Song Ohrwurmcharakter hat, dann dieser. Das Outro jedoch hätte man auch kürzer halten können, genau wie das darauf folgende Intro für die erste Zugabe Sand Dance. Der letzte Song für den Abend war Shelter Song, der dann direkt wieder Lust auf mehr machte.

Alles in allem lieferten Temples in Köln keinen schlechten Gig ab, die meisten Songs machten Spaß und sind wie für den Sommer gemacht. Trotzdem hatte man danach irgendwie das Gefühl, dass das gewisse Etwas fehlte, um den Gig in guter Erinnerung zu behalten. Vielleicht lag es an zu hohen Erwartungen, vielleicht an der Clubatmosphäre, vielleicht sind sie auch besser als Festivalband geeignet.

Temples verdienen es aber definitiv, eine zweite live-Chance zu bekommen, eventuell sieht man sie im Sommer ja auf dem ein oder anderen Festival und kann sich ein besseres Bild von ihnen machen. Beim Maifeld Derby sollen sie überragend gewesen sein, was sicherlich auch an der entspannten spätnachmittags-Festivalstimmung, die einfach besser zur Musik passt, als ein verschwitzter Club, in dem diese zu schnell zu eintönig wirken kann.

Setlist

Colours to life
Sun Structures
A Question Isn’t Answered
Ankh
The Golden Throne
Move With The Season
Keep In The Dark
The Guesser
Mesmerise

Sand Dance
Shelter Song

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