Konzertberichte

Stuck In The Sound + Sebastian Witte, Münster, AMP, 10. Juni 2009

Sebastian Witte? Den Namen kenne ich doch, werden sich jetzt eine Reihe treuer Leser vielleicht denken. Falls doch nicht, macht nichts, bei ihm handelt es sich um den Bassisten der Münsteraner Foals-Rocker und Coca Cola Soundwave Finalisten Videoclub. Solo ist er aber auch unterwegs, mit seinem ganz eigenen Namen und deutschen Texten. Im Vorprogramm der französischen Indie-Rocker Stuck In The Sound, die im April ihr zweites Album „Shoegazing Kids“ veröffentlichten, wollte er diese Songs nun erstmals einem lebendigen Publikum zum Besten geben. Ein vielversprechendes Line-Up also, ein schöner Abend im noch schöneren Münsteraner AMP war also vorprogrammiert.

Der begann dann auch um Punkt 22 Uhr mit extra für den heimlich Helden des Abends, Sebastian Witte, zahlreich erschienenem Publikum und zwei Kameras, welche die Geschehnisse des Abends aufzeichnen sollten. Der Rollenwechsel, nun im Zentrum der Bühne zu stehen machte Sebastian dann auch scheinbar nichts aus und er trug seinen seinen ersten Song sicher vor. Der zeigte sich als unterhaltsames Stück Songwriter-Pop, geprägt von Tocotronic und den Sternen. Bei diesem guten Start sollte es aber für ihn nicht bleiben, denn bereits gegen Ende des ersten Songs riss Sebastian eine Gitarrensaite und er musste erst einmal mit fünf Saiten auf seiner Akustik-Gitarre vorlieb nehmen, da er nicht an Ersatz gedacht hatte und Stuck In The Sound auch nicht aufzutreiben waren. Der Vortrag von Sebastian wurde dadurch zwar etwas nervöser aber auch das vermochte er auch einigermaßen gut zu überspielen. Bald tauchte auch Videoclub / Elias Gitarrist Jurek mit einer E-Gitarre auf, die leider so verstimmt war, dass sich das anschließende Stimmen länger und komplizierter gestaltete als Sebastian lieb war. Seine Backing-Band, bestehend aus Videoclub / Elias Drummer Ramon und Gitarrist / Keyboarder Felix von Under Languid Lights überbrückten die Stimmphase durch ein wenig jammen. Manch anderer hätte vielleicht schon frustriert hin geworfen, Sebastian nahm es aber offensichtlich mit Humor und einer gehörigen Portion „Fuck You“, ein gutes hatte es ja schließlich auch, denn viel schlimmer konnte es für ihn auch nicht mehr kommen und wenn man das alles bereits beim ersten Konzert abhandeln konnte, können zukünftigere Konzerte nur ohne Pannen verlaufen. Weitere sollten auch nicht mehr folgen und Sebastian spielte sich mit seinen Gast-Musikern sicher durch die folgenden Stücke, die nun auch besonders durch die elektrische Gitarre noch mehr an Tocotronic auf Songwriter-Pop erinnerten. Eine durchaus interessante Mischung, mit der Sebastian nach nach knapp 30 Minuten auch schon fertig war, um den Franzosen von Stuck In The Sound das Feld zu überlassen.

Die ließen sich dann auch ein wenig mehr Zeit mit dem Umbau, obwohl bereits alles bereit stand, betraten dann aber doch wie geplant um Punkt 23 Uhr die Bühne. Die legten dann auch gleich mit einem enormen Tempo los und wollten ganz offensichtlich beweisen, warum sie in ihrer französischen Heimat bereits so etwas wie Indie-Rock-Stars sind. Die Posen jedenfalls saßen perfekt und hätten so auch von Guns N‘ Roses stammen können. Das wirkt für eine Band auf der kleinen Bühne des AMP dann zwar etwas übertrieben, aber Stuck In The Sound störte das nicht und so streckte Bassist Arno Bordas die Zunge raus, als wolle er an Kiss gemahnen und Sänger José Reis Fontao versuchte mehr als einmal das Publikum mit Rockstar Ansagen, wie „Münster, are you there“ und „Let’s Rock, Münster“ zu animieren. Auch die Songs zeigten sich auf der Bühne von ihrer eher aufgeblasenen Seite, das war gerade bei den Songs des ersten Albums „Never Mind The Living Dead“ etwas aufgesetzt, da diese eigentlich ganz einfache und typische Indie-Rock Songs sind, wie sie so täglich aus England rüber schwappen und nicht die Stadion-Rocker, für die die Band sie verkaufen wollte. Die wenigen Stücke von „Shoegazing Kids“, die von der Band ins Set eingebaut wurden, kamen jedoch live genau so überzeugend rüber, wie auf dem Album, was auch daran liegt, dass sie etwas aus dem typischen Indie-Rock-Schema ausbrachen. So ließen uns die Franzosen nach knapp 50 Minuten mit einem zwiespältigen Fazit zurück, auf der einen Seite eine Reihe toller Songs, aber auch eine Band gesehen zu haben, die sich selbst ein wenig zu viel feiert. Vielleicht sind Stuck In The Sound auch einfach nur für größere Bühnen gemacht, auf denen ihre Posen natürlicher wirken. Den Weg dahin müssen sie jedoch auch erst noch bewältigen.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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