Konzertberichte

Spaceman Spiff – Subrosa, Dortmund, 15. März 2012

Will man in der heutigen Musikszene überleben, reicht es nicht, alle zwei Jahre einmal eine Platte zu veröffentlichen, dazwischen eine handvoll Konzerte zu spielen und auf Einnahmen aus Plattenverkäufen und Airplay zu hoffen. Man muss schon die Ochsentour spielen und viele Möglichkeiten wahrnehmen, seine Musik auf die Straße zu tragen. Das haben insbesondere auch deutsche Singer-Songwriter wie Gregor Mcewan und eben Spaceman Spiff verstanden.

Seit dem Release seines aktuellen Albums „… Und im Fenster immer noch Wetter“ vor knapp einem Jahr, ist der Wahl-Hamburger eigentlich konstant auf Tour quer durch Deutschland und schaute auf seinem Weg durch die Republik in Dortmund vorbei.

Im Subrosa, einer kleinen Kneipe in der Dortmunder Nordstadt, freuten sich kurz nach Einlass bereits eine Menge Fans hinter zugeklebten Fenstern und zwischen abgerockten Polstermöbeln in heruntergekommener Kneipen-Atmosphäre auf das Konzert des jungen Mannes. Die mussten aber erst noch etwas Deutschpop der belanglosen Sorte über sich ergehen lassen, inklusive Cover von Herbert Grönemeyer’s „Mensch“.

Irgendwann gegen 21 Uhr stand dann aber endlich Hannes auf der Bühne und gab seine Songs zum Besten. Der Ansager (ja, so etwas gibt es anscheinend in Dortmunder Kneipen heutzutage noch) war hoch originell und beschrieb die kommenden Songs mit dem von Hannes selbst geprägten Begriff sentimentale Scheiße, der langsam ein so flacher Witz ist, dass es eher wie ein lästiger Running Gag anmutet. Hannes nahm den Faden auf und strafte den Ansager Lügen, indem er als Opener „Faith“ von George Michael spielte. Wohl um zu sagen, dass er nicht nur nachdenkliche Songs in seinem Set hat.

Dennoch machte er natürlich mit genau dieser Art Songs weiter und sang traurige und nachdenkliche Lieder über das Weggehen, das Dableiben und natürlich die üblichen Themen, wie Liebe, Hass aber auch Heldenmut. Den verpackte er nämlich in seinem neuen Stück „Han Solo“. Ein Titel, der natürlich dem größten Helden der Star Wars Saga (gleich nach Obiwan Kenobi und Yoda) entlehnt ist. Apropros Han Solo, der fand sich in Form des Darstellers Harrison Ford an diesem Abend noch einige Male wieder. Etwa nach dem Stück „Gedankenstricke“. Dazu erklärte Hannes, dass es davon auch noch Teil 2 und 3 gäbe, ähnlich wie bei Indiana Jones. Als dann der dritte Teil vor dem zweiten Teil an die Reihe kam, erwähnte er, dass der zweite Teil eher so sein „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ sei, der seiner Meinung nach der schlechteste Teil der Indiana Jones Reihe ist. Damit hat er natürlich Recht, wenn man den vor ein paar Jahren in den Kinos angelaufenen vierten Teil außen vor lässt.

Ähnliche Anekdoten begleiteten das Set über die gesamte Länge. So erzählte Hannes an einer Stelle von seiner neuesten Errungenschaft, der Tischlampe Uwe, die er in Amsterdam erstanden hat und deren Schirm angeblich aus Tierhaut sein soll, was Hannes aber nicht so ganz glauben wollte. An anderer Stelle erzählte er von seinem bisher besten Konzert, dass er vor ein paar Tagen spielte, als in der Location auch ein lebensgroßer Pappaufsteller von Spock stand, mit dem er sich natürlich fotografieren ließ.

Natürlich vergaß er auch nicht sich ein wenig beim Dortmunder Publikum einzuschmeicheln, indem er erwähnte, dass er in der Grundschule bereits großer Fan des lokalen Vereins war. Da gäbe es sogar ein Foto, wo er in einem häßlichen neongelben Trikot zwischen all den Bayern in seiner Würzburger Grundschule stünde. Eigentlich hätte er diese Geschichte aber gar nicht nötig gehabt, denn das Publikum fraß ihm auch so aus der Hand und hing ihm bei jeder Note an den Lippen. Und wir sind auch so frei und sehen einfach mal über dieses dunkle Kapitel aus der Jugend von Hannes hinweg.

Nach fast einer Stunde nahm Hannes dann all seinen Mut zusammen und verordnete nach mehreren Nachfragen dann eine kleine Pinkel- und Raucherpause. Die nutzte er für den ein oder anderen Plausch, bevor er wieder für etwas mehr als eine halbe Stunde den Platz auf der Bühne einnahm. Statt einer Zugabe nach der anderen spielte er einfach alle Stücke, die er hatte und dürfte so wohl jeden Fans zufriedengestellt haben. In Ermangelung weiterer Stücke bildete dann eben ein Salto aus dem Stand die Zugabe, nach der Hannes unter tosendem Applaus die Bühne verließ und noch ein das Glas Bonbons rumgehen ließ, dass er in Amsterdam bekommen hatte. Ein rundum gelungener Abend also, eines Musikers der trotz Ochsentour jeden Abend so zu spielen scheint, als sei es das Konzert seines Lebens.

Foto: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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