Konzertberichte

Spaceman Spiff – Pension Schmidt, Münster, 03. Juni 2013

Spaceman Spiff, Pension Schmidt

Etwas mehr als zwei Jahre ist es schon, dass uns der Wahl-Hamburger Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff mit seinem zweiten Album „…Und im Fenster immer noch Wetter“ verzauberte. Die Süddeutsche Zeitung attestierte ihm dafür „das Zeug zum neuen Helden“ und auch wir sind nach wie vor sehr angetan. Besonders live erzeugt der Songwriter der etwas anderen Art eine besondere Stimmung und präsentiert seine Songs herrlich ungezwungen und begleitet von netten Anekdoten. So zum Beispiel auch bei seinem Besuch im Dortmunder Subrosa, wo er vor voller Kneipe zu Höchstform auflief und knappe zwei Stunden lang spielte, bis er keine Songs mehr übrig hatte.

Sein Konzert in der Pension Schmidt war der mittlerweile zweite Abstecher von Spaceman Spiff in die Westfalenmetropole und eines seiner vorerst letzten Solokonzerte, bevor er im Herbst mit Band wieder auf Achse ist. Das Cafe in Münsters Innenstadt war gut gerüstet für das Konzert. Die Trennwände, die sonst für Separees sorgen, waren nach hinten geschoben und die diversen Sessel, Stühle und Hocker fein aufgereiht. Bereits kurz nach Einlass war das Cafe gut gefüllt, es war also früh klar, dass Hannes die Besucherzahl von seinem letzten Münsterbesuch (8) deutlich übertreffen, vielleicht sogar verzehnfachen würde. Tat er auch und so schauten gut 100 Gesichter gespannt nach vorn, als der Weltreisende Musiker seinen Platz in der Mitte der Bühne einnahm.

Spaceman Spiff, Pension Schmidt

Dort sang er traurige und nachdenkliche Lieder über das Weggehen, das Dableiben und natürlich die üblichen Themen, wie Liebe, Hass aber auch Heldenmut. Den verpackte er zum Beispiel in seinem neuen Stück “Wie Worf”. Ein Titel, der natürlich dem Klingonen-Mensch-Mischling Worf aus Star Trek The Next Generation gewidmet war. Apropros Star Trek, diese und weitere Nerdserien waren fester Bestandteil des Abends. So erzählte er auf die unzähligen Fahrräder anspielend, die überall in Münster zu finden sind, das Magneto von den X-Men seine helle Freude haben würde.

Ähnliche Anekdoten begleiteten das Set über die gesamte Länge. Als er sich für „Ne Fee Verschluckt“ von seiner „Stein, Schwere, Papier“ EP ans Klavier setzte, meinte er noch, der Titel käme daher, dass er den Song mal einer Bekannten vorgespielt hätte, die daraufhin sagte „Oh Hannes, das ist so schön, hast du ne Fee verschluckt?“

Spaceman Spiff, Pension Schmidt

Diese Erzählungen lockerten den Abend extrem auf und sorgten für eine tolle Stimmung. So meinter er, er spiele am liebsten ohne Setlist, was aber den Nachteil hat, dass er in dem Moment, in dem er einen weiteren Song ankündigt, oft noch gar nicht weiß, welchen genau er denn jetzt spielen mag und sich so um Kopf und Kragen redet, um noch ein bisschen Zeit zu haben. „Egal“ meinte eine Besucherin darauf, woraufhin er lachte und genau dieses Stück auch anstimmte.

Insgesamt 90 Minuten, inkl. ein paar Zugaben, spielte Hannes und dürfte dafür gesorgt haben, das sich die Zahl der Besucher bei seinem nächsten Besuch in Münster zumindest verdoppelt. Der Wahl-Hamburger schafft es einfach mit seiner lockeren Art und vor allem seinen cleveren Songs, das Publikum zu fesseln. Wo deutsche Texte häufig peinlich oder seltsam formuliert sind, singt er ungezwungen und ohne dieses seltsame Nöhlen oder quengeln, in das viele deutschsprachige Songwriter verfallen. Dabei bedient er sich auch nie irgendwelcher Plattitüden, sondern verpackt seine Themen mal in schöne Metaphern, baut Nerdwissen aus Star Trek, Star Wars, Tim Burton Filmen und Comics ein und lässt sich auch in der Wortzahl nicht einschränken, die teils ähnlich ausladend wird, wie bei Bright Eyes oder manchen Song von Young Rebel Set. Das alles und das schöne Ambiente, das mit voranschreitender Stunde in das schummrige Licht dicker Kerzen und einigen Lampen gehüllt wurde, machte den Abend wieder zu einem einzigartigen Erlebnis und dürfte eine der letzten Gelegenheiten gewesen sein, Spaceman Spiff in so intimem Rahmen sehen zu können. Bald kommt er zwar wieder, dann aber mit Band und vor allem in größere Clubs.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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