Konzertberichte

Slut + Lily Electric, Münster, Sputnikhalle, 06. Februar 2009

Foto: Myspace der Band

Ingolstadt ist vor allem ein Begriff als Heimat des wohl besten deutschen Autofabrikanten, nicht aber als Indiehochburg Deutschlands. Ist es wohl auch nicht, aber zumindest eine der größten deutschen Indiebands kommt aus der bayerischen Autostadt. „StillNo1“, so der Name des immer noch aktuellen Machwerks von Slut, die nun seit geraumer Zeit dieses betouren. Endlich auch mal wieder in Deutschlands schönster Stadt. Münster steht auf dem Tourplan, im Gepäck der dänische 4er von Lily Electric.

Lange hat es gebraucht, bis das deutsche Paradebeispiel für gute Indiemusik, Slut, wieder in Münster vorbeischauen. Seit nun inzwischen 1995 ziehen sie ihre Kreise durch Deutschland und können dabei immer wieder respektable Erfolge verbuchen. Die Sputnikhalle ist gut besucht, zwar nicht so schön sein, wie das Gleis22, finden hier zumindest mehr Leute Platz. Gut gefüllt ist die Halle allemal. Als erstes stehen dann Lily Electric auf der Bühne, ein wenig psychedelisch, ein wenig freakig. Ein wenig zurück haltend nimmt das Publikum sie wahr, applaudiert artig, die lange Spielzeit ist für einen Support eher unüblich, aber so wirklich böse scheint niemand darüber zu sein. Groß genug ist das Gelände ja allemal um sich in eine ruhige Ecke zu verkriechen.

Nach üblicher Umbaupause nun aber endlich. Bayerns Indie-Export Nr. 1 in der Stadt, die wohl wie keine wie keine Andere für die Anerkennung guter Indiemusik steht. Slut in Münster, Glühbirnen an Mirkofonständern und Stativen, Heizkörper als Instrumente und ein gut gelaunter Christian Neuburger. „Odds and Ends“ vom aktuellen Album „StillNo1“ ist der Opener für das Konzert / den Marathon. An diesem Abend gibt es eine stark ansteigende Formkurve zwischen Band und Publikum, beide am Anfang recht verhalten und ruhig, braucht das Konzert einige Zeit um ins Rollen zu kommen. Doch je länger Slut auf der Bühne stehen, desto besser wird auf beiden Seiten die Laune. Sänger Christian erinnert mit seiner Interpretation von moshen ein wenig an einen Wackeldackel, den man sich im Gegensatz zu den Originalen jedoch gerne auf die Hutablage stellen würde. Freundlich, immer zuvorkommend, so sind sie die Bayern, man kennt es ja von den Sporties schon so. Das Musikalisch da eine Menge drin steckt, zeigt die Tatsache, das neben den üblichen Gitarre – Schlagzeug – Bass auch verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen, die man nicht so erwartet. So findet selbst ein Heizkörper seinen Auftritt als Instrument. 90 Minuten dauert der erste Teil des Konzertes, in dem Songs wie „If I had a Heart“ und „Homesick“ die Setlist schmücken. Eine Zeit, zu der so manche Band die Bühne längst wieder Richtung After-Show Party verlassen hat, markiert für Slut den Zeitpunkt, so richtig Dampf zu geben. Auf einmal tanzt die ganze Halle, die Stimmung steigt, Pogo bei einem Indiekonzert und eine Band, die jetzt erst so richtig warm wird. „Easy to Love“, sowas wie der Slut Hit No1., zeichnet das Ende des Konzertes ab. Denkste! Denn Slut lassen sich nicht lumpen und spielen weitere Zugaben und denken erst nach 110 Minuten an ein Ende. Slut scheinen sichtlich dankbar für alles zu sein, Münster freut sich über einen schönen Konzertabend. Und jeder hofft, dass sich Slut diesmal nicht wieder soviel Zeit lassen, bis sie wieder in der Indiehochburg Münster auftreten, eine mehr als gelungene Wiedergutmachung also für ein Anfang 2008 leider ausgefallenes Radiokonzert.

Fotos: Myspace der Band

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