Konzertberichte

Sea + Air und Maximilian Mengwasser, Apex, Göttingen, 02. November 2011

Im wunderschönen Göttingen erwarteten uns Eleni und Daniel, die seit geraumer Zeit als Sea + Air unterwegs sind. Es ist noch gar nicht so lang her, dass uns die Beiden in Münster beglückt haben. Im Apex herrschte natürlich, wie sollte es auch anders sein, eine komplett andere Atmosphäre als im Teilchen & Beschleuniger. Bereits beim Betreten des Raumes, der fast an eine Art kleines Theater erinnerte, wurde das klar. Das Publikum verteilte sich auf mehrere Sitzreihen in der kleinen länglichen Halle. Die verhältnismäßig hohe Bühne war geschmückt mit rosa und gelben Luftballons und großen Papierblüten, die perfekt zu dem ganzen Instrument-Sortiment passten.

Als Support war Maximilian Mengwasser geladen, der uns äußerst sympathisch begrüßte. Er erzählte was Göttingen doch für eine tolle Stadt wäre, zumindest würde er das aus der einen Straße schließen, die er bis dahin gesehen hatte.

Maximilian Mengwasser

So ist das ja häufig bei reisenden Musikern. Viel Zeit fürs Sightseeing bleibt da nicht. Ankommen, Sound-Check, Essen, Konzert, Bierchen, Bett. Aber ja… ich kann bestätigen: Göttingen ist eine echt schicke kleine Stadt. Mit wunderschönem Gitarrenspiel und tollen Texten verzauberte uns der Singer-Songwriter aus Stuttgart. Mit jedem seiner Songs erzählte er eine kleine Geschichte und das auf eine ruhige, bezaubernde Art und Weise. Die meisten Lieder, die uns Maximilian präsentierte sind auch auf seinem Album „Alles Neu“ zu finden. Besonders gut gefallen haben mir die Titel „Still um uns“ und „Während du schliefst“. An den Facetten seiner Stimme muss er vielleicht noch ein wenig arbeiten. Aber wenn er über das Leben, über Gefühle und Erinnerungen singt, kauft man ihm es ab. Es freut mich doch immer wieder tolle, authentische Musiker ausfindig zu machen. Maximilian verabschiedete sich und wünschte allen viel Spaß mit Ihr und Ihm, ähm, Sie und Er, also Sea + Air.

Es folgte das mir bereits bekannte, zauberhafte Intro des Hauptacts. Eleni und Daniel betraten die Bühne und nahmen uns mit einer tiefen Verbeugung in Empfang. Wie immer brachten die beiden lustige Ansagen zu ihren Songs. Ein Hieb Richtung Griechenland, also Richtung Eleni, durfte von Daniel deshalb auch nicht fehlen. Sea + AirDie Beiden kommen einfach immer unglaublich sympathisch rüber, wenn sie auf der Bühne stehen. Genau damit und natürlich mit ihren wundervollen Songs verzauberten sie auch diesmal ihr Publikum. Das Cembalo fungierte als Zeitmaschine und versetzte alle Anwesenden ein gutes Stück in die Vergangenheit. Zumindest kommt es mir jedes Mal so vor, wenn ich Sea + Air zuhören darf. Absolute Highlights wurden mir durch meinen Lieblingssong „You & I“ und durch den Titel „Do Animals Cry“ beschert. Aber natürlich sollte man auch die meisten anderen Songs nicht unterschätzen.

Als es dann daran ging „The Heart Of The Rainbow“ zu spielen, scherzte Daniel, dass dieser doch der Sommerhit 2012 werden könnte, wenn wir das wollten. Das liegt also nächstes Jahr in unserer Hand. Verdient hätten Sea + Air das auf jeden Fall. Mit Vollgas ging es also los. Obwohl dieser Titel einfach extrem poppig und fast schon kitschig ist, macht es immer wieder Spaß ihn zu hören – einfach weil es passt. Was sollte man sich auch sonst unter dem Herzen des Regenbogens vorstellen? Da müssen einfach rosa Elefanten durch die Luft fliegen.

Eleni und Daniel wechselten wild ihre Plätze und arbeiteten sich durch das breite Sortiment ihrer Instrumente. Als Daniel eine Saite der Gitarre riss, hatte er die Ehre sich Maximilians Gitarre ausleihen zu dürfen, in die er wohl kürzlich, natürlich aus Versehen, ein Loch gemacht hatte. Während Maximilian im Hintergrund auf der Bühne Daniels Gitarre wieder komplettierte, spielten Sea + Air einfach weiter. Zumindest versuchten sie es. Denn es handelte sich ausgerechnet um den Titel „The Sea After A Storm“, der den Beiden bis jetzt bei jedem Konzert auf dem ich war missglückt ist. Das klingt jetzt vielleicht gemein, aber so ist es keinesfalls gemeint. Bereits vorab kündigten sie wieder an, dass der Titel ziemlich schwierig sei und dass sie ihn noch nicht so lange proben. Sea + AirDaniel versaute diesmal bereits den Anfang, woraufhin beide lachend einfach nochmal von vorn anfingen. Das Problem beim zweiten Anlauf ergab sich dann durch den Umstand, dass Daniels Gitarre außer Gefecht war und er sich Maximilians nicht einfach auf den Rücken gleiten lassen konnte. Ohne Gurt ging das natürlich nicht. Er musste die Gitarre vorsichtig zur Seite stellen, was zu lange dauerte und deshalb seinen Einsatz am Keyboard verzögerte. Der Song wurde daraufhin abrupt beendet, da der Übergang nicht funktionierte und Eleni betonte, dass sie so nicht arbeiten könne. Natürlich sagte sie das mit einem Lachen im Gesicht. Ich liebe es einfach, wenn sie das machen.

Auch diesmal forderten uns die Musiker gegen Ende dazu auf mit allen Gegenständen, die Geräusche erzeugen können, mitzumachen. Das brachte natürlich wieder richtig gute Stimmung auf. Das Publikum forderte mit Zugabe-Rufen das Paar zurück auf die Bühne. Beide freuten sich und spielten was das Zeug hielt. Irgendwie enthüllten sie dann auch noch, dass der Abend im Apex eigentlich eine Releaseparty war, von der niemand wusste. Ihr Album „My Heart’s Sick Chord“ ist seitdem nämlich offiziell auf Kassette zu erhalten.

Etwas schade fand ich, dass im Vergleich zum sehr intimen Gig in Münster diesmal eine größere Distanz zwischen Band und Zuschauern herrschte. Diese ergab sich weniger durch die Band selbst, sondern eher durch die Location. Sea + Air ist eine wirklich herausragende Formation, die das Potential hat richtig groß zu werden. Mich hat die Band bereits bei meinem ersten Konzert absolut überzeugt.

Foto: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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