Konzertberichte

Sea + Air und Jonas Künne, Teilchen & Beschleuniger, Münster, 28. August 2011

Warme Luft, heftige Gewitter mit wasserfallartigen Regengüssen erschwerten mir den Weg aus dem Ruhrgebiet ins hübsche Münster. Aber ich hatte ja die sensationelle Aussicht einen perfekten sonntäglichen Wochenabschluss im Teilchen & Beschleuniger finden zu können. Wieso hätte ich also umkehren sollen?

In dem kleinen Ladenlokal sollten Daniel Benjamin und seine Frau Eleni das in Scharen erschienene Publikum begrüßen. Jeder, der noch einen Couch- oder Sesselplatz ergattert hatte, konnte sich glücklich schätzen. Ich nahm einfach auf dem Fußboden Platz.

Zur Unterstützung und zur Einstimmung auf den akustischen Abend war Jonas Künne von Black Rust geladen, der direkt von einer Festivalbühne in Waltrop regelrecht ins Teilchen gespült wurde. Das Schöne daran ist, wenn Jonas solo unterwegs ist, dass er dann häufig Songs im Programm hat, die man von Black Rust üblicherweise nicht hören dürfte. Neben Titeln vom dritten Album wie z.B. „These Days“, der aktuellen Single der Dortmunder, spielte er nämlich Stücke von Sophia oder Ryan Adams. Solo hüllen sich die mir so bekannten Black Rust Songs in ein komplett anderes, viel ruhigeres Gewand. Jonas zog das Publikum mit Stimme, Gitarre und lustigen Anekdoten in seinen Bann und bereitete uns einen schönen Einstieg in den Abend.

Kurze Zeit nachdem er die Gitarre zur Seite gelegt hatte, erklangen die ersten Töne vom Sea + Air Intro. Daniel und Eleni machten sich auf den Weg durch das Publikum hindurch in Richtung der nicht vorhandenen „Bühne“. Die Beiden legten direkt los und entführten uns in eine andere, fast märchenhaft anmutende Welt.

Durch Akustikgitarre, Cembalo – oder Harpsichord, nachdem auch das Debütalbum der beiden Musiker „benannt“ wurde, das den Namen „My Heart’s Sick Chord“ tragen wird – und perfekt harmonierenden Gesängen verschwamm Zeit, Raum und Realität. Daniel Benjamin, der sich ja bereits solo in vieler Leute Herzen gespielt hat, wirkt durch das neue Projekt gereift und bereichert.

Gegen Ende forderten die Beiden das Publikum auf mit Gläsern, Flaschen und Besteck im Takt so viel Lärm wie möglich zu machen. Das anfängliche Entsetzen beim Personal des Cafés wurde schnell zur Begeisterung. Bei diesem außergewöhnlichen Experiment mit einer etwas anderen Percussion-Truppe ging auch tatsächlich nichts kaputt.

Die geplanten Zugaben spielten Daniel und Eleni einfach direkt im Anschluss an das normale Set. Womit sie anscheinend nicht gerechnet hatten war, dass es uns so gut gefallen könnte, dass wir noch mehr Zugaben fordern könnten. Ungünstig, da sie bereits alle Songs gespielt hatten. Also mussten wir als Versuchskaninchen für einen Song herhalten, den sie zwar bereits im Studio aufgenommen hatten, der aber noch nie für die Konzerte geprobt wurde. Der Abend endete dementsprechend lustig mit viel Gelächter als Eleni nicht mehr wusste wie es weiter geht und Daniel ebenfalls patzte. Gott sei Dank fiel den Beiden der Schluss des Stücks nach einer kurzen Unterbrechung wieder ein und sie schafften es ihrem ohnehin schon tollen Auftritt noch die Krone aufzusetzen.

Ich kann Sea + Air live wirklich jedem nur ans Herz legen. Selbstverständlich kaufte ich mir auch direkt das Debütalbum der Beiden, das es momentan nur auf den Konzerten zu erwerben gibt, da es noch nicht offiziell veröffentlicht wurde. Wie mir das gefällt, ist allerdings eine andere Geschichte, die ihr natürlich beim Release der CD auch bei WhiteTapes erfahren werdet.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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