Konzertberichte

Scott Matthew + Robin Tom Rink, Münster, Gleis 22, 04. Dezember 2008

Der Herbst bietet derzeit viele gute Gelegenheiten, Auftritte, die man auf dem diesjährigen Haldern Pop besonders beeindruckend fand, oder verpasst hat, im intimen Rahmen nachzuholen. Nach Ólafur Arnalds vor zwei Wochen, besuchte mit Scott Matthew nun schon der zweite Haldern-Act die sch�ne Stadt im Herzen Westfalens. Diesmal nicht im Kino, sondern im Gleis 22, aber �hnlich beeindruckend.

Wie schon beim Ólafur Arnalds Konzert und beim Sit Down And Sing, war nun für das Publikum wieder einmal sitzen angesagt. Eine gute Idee, die wohl auch von Scott Matthew selbst angetrieben wurde, da er selbst lieber vor einem bestuhlten Saal spielt, da seien die Leute viel ruhiger, was seine Stücke bräuchten, um die volle Entfaltung zu bekommen.


Den Abend im Gleis 22 eröffnete allerdings kurz nach 21 Uhr der Singer-Songwriter Robin Tom Rink, mit Leisetreter-Piano-Pop, bei dem zwar nicht viel passierte, der aber dennoch recht kurzweilig war. Nach etwa einer halben Stunde, einer Zugabe und ausgelassenem Applaus von der Menge, war er damit auch schon durch und verließ, etwas verlegen, wegen des vielen Applauses die Bühne. Die (An)Spannung im Gleis 22 stieg, die letzten Getränke wurden gekauft – während des Konzerts wurde der Ausschank, ob des Geräuschpegels gestoppt – und die letzten freien Stühle besetzt, bevor sich der Vorhang wieder öffnete.

Das tat er Punkt 22 Uhr und machte den Blick frei auf den bärtigen Australier, nebst drei Mitmusikern, die gemeinsam eine Stunde voll atmosphärisch dichter und wunderschön melancholischer Songs zum Besten gaben. Gleich mit den ersten Tönen, legte sich ein wunderbarer Zauber über das Gleis 22, der die Anwesenden, die beinahe andächtig das Geschehen auf der Bühne verfolgten, für die nächsten sechzig Minuten nicht mehr loslassen sollte.


Sehnsüchtig schluchzend, beinahe atemlos gepresst und doch immer stimmlich voll da, sang, bzw. hauchte Scott Matthew seine Stücke, begleitet nur von einem Keyboard, einem Cello, einem Bass und dem spärlichen Einsatz seiner Ukulele. Legte er diese zur Seite klammerte er sich wahlweise an den Mikrofonständer, oder vollführte teils ausladende bis fuchtelnde Gesten mit seinen Händen, um seinen Gesang zu unterstützen.

In den Pausen zwischen den Stücken zeigte er dabei immer wieder, dass der Wahl New Yorker anders als seine Stücke, die von Liebe, Herzschmerz und den Anfeindungen handeln, denen er als homoxexueller Jugendlicher ausgesetzt war,  ein fröhlicher und offener Zeitgenosse ist. Immer wieder witzelte er ein wenig und schwärmte davon, wie toll es sei in Deutschland zu spielen, „a few days ago, we played some shows in Spain and always had to say, please be quiet, because the Spanish are so incredibly loud, they are screaming and stuff. I love the Germans for that, you know what discipline is“.

Vor dem Song „Prescriptions“ entschuldigte er sich kurz, dass nun ein fröhlicheres Lied folge „I know, we all like to be very miserable and, honestly sad songs saved my life, but we now play a happy song. Ok that means, it sounds happy, I think the lyrics aren’t as happy, but anyway….“.  Während des Stücks klatschte dann auch das gesamte Gleis 22 fröhlich mit und es wurde ganz deutlich, dass die Stücke von Scott Matthew zwar herzzerreißend fragil sind, aber so viel Trost und Wärme enthalten, dass ein fröhliches Mitklatschen, oder ein breites Grinsen beim Hören viel passender ist, als etwa zu seiner Musik zu weinen.

Unter tosendem Applaus verließen die vier Musiker breit grinsend nach „Prescriptions“ die Bühne, um direkt die Tür des Backstage-Raums wieder aufzureißen und für einige Zugaben zurück zu kehren. Darunter unter anderem „In The End“ aus dem Film Shortbus, in dem Scott Matthew einen seelisch völlig kaputten Musiker spielt, der im gesamtem Film nicht einmal lächelt. Das scheint für seine Schauspielleistung zu sprechen, denn im Gleis 22 lächelte er sogar während seiner Stücke.

Direkt danach ließ er mit „Silent Nights“ das Titelstück seiner Weihnachts-EP folgen. „I was on tour with Sia, she’s an amazing singer and in New York, we decided to do a Christmas EP. So I wrote a Christmas song, you can buy it here on my Christmas EP“ einige Anwesende im Publikum lachten „Why are you laughing, I’m a sensitive guy, please don’t do that“ erwiderte er darauf breit grinsend und stimmte „Silent Nights“ an. Danach schien er sich nicht sicher, ob er jetzt fertig mit seinem Set ist und sprach sich mit seiner Keyboarderin ab, die noch einen Song aus dem Hut zauberte – eine wunderschöne Version von Audrey Hepburn’s „Moon River“, mit der die vier Musiker einen zauberhaften Abend im Gleis 22 beendeten.

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