Konzertberichte

School of Language – Hafen 2, Offenbach, 3. Mai 2008

Ein schöner warmer Tag im Mai, eine etwas längere Fahrt nach Offenbach und ein leicht mulmiges Gefühl bezüglich der Zuschauerzahl – so machte ich mich am späten Nachmittag auf den Weg. Würden entgegen aller Befürchtungen doch ein paar Leute ihren Weg in den Hafen 2 finden? War vielleicht der ein oder andere doch neugierig geworden?  Bei Einlass sah es jedenfalls so aus, als seien mein Begleiter und ich die einzigen, die wegen der Musik da sein sollten. Die freundliche Dame am Eingang war für meinen Geschmack auch ein wenig zu erfreut, als wir sagten, wir wollten Karten für das Konzert kaufen. Beunruhigend. Und zu allem Überfluss saß die Band auch immer noch draußen am Plaudern.

Der Club selber war noch leer. Man versorgte sich also mit Getränken und wartete geduldig. Um 20:30 Uhr hatte das Konzert beginnen sollen. Mittlerweile war es nach 21:00 Uhr und nichts tat sich. Auch nicht im Zuschaueerraum – wenn man mal von einem einsamen älteren Herrn absieht, der sich wahrscheinlich eher in den Club verirrt hatte, aber trotzdem auf den Anfang des Abends wartete. Eine weitere gute halbe Stunde später begab sich dann endlich der Support auf die Bühne. Die Castanets. Ein etwas ulkiger, bärtiger Mann und eine zierliche Geigerin, die allerdings kaum zum Einsatz kam. Nicht viel später wurde auch schon wieder umgebaut. School Of Language hatten es wohl aufgegeben, noch länger auf eventuelle Besucher zu warten. Ein Blick in den Zuschauerraum verriet: 11 Leute – wir zwei WhiteTapes.de Vertreter, der ältere Herr, sowie zwei weitere Mutige. Der Rest dürfte der Clubbelegschaft zugehörig gewesen sein. Die Stimmung war trotzdem nicht übel. Es war ruhig. Die wenigen Zuschauer tänzelten sogar auf der Stelle. Es wurde auf die Ansagen David Brewis‘ reagiert – man kann auch ein schwierigeres Publikum haben, allerdings auch ein volleres. Die Band schien jedoch ihren Spaß zu haben. Was, denke ich, nicht zuletzt an dem wirklich erstaunlich guten Sound lag! Man kennt das ja, ein kleiner umgebauter Club, mäßiges Equipment. Aber weit gefehlt. Was ich persönlich nicht wirklich erwartet hatte, war der Druck und die Energie, mit dem Stücke des Debutalbums vorgetragen wurden. Das Album wurde bis auf die mittleren zwei „Rockist“ Parts in exakter Reihenfolge durchgespielt. Manch einer mag das als langweilig bezeichnen. Fakt ist jedoch, dass sich die Musiker meistens doch auch etwas bei der Reihenfolge der Songs gedacht haben. Dafür, dass es das erste School Of Language (Interview) Konzert überhaupt war, kann man wirklich nicht meckern. Man hat echte vollblut Musiker auf der Bühne gesehen, die voll und ganz hinter ihrer Musik stehen und sich nicht mit mittelmäßigkeit abgeben wollen. Ein wenig schade, dass niemand das Roxy Music-Cover „If There Is Something“ zu erkennen schien. War doch das Publikum, bis auf zwei Mittzwanziger, eigentlich im richtigen Alter. Einziger Kritikpunkt (ein persönlicher): das Licht war unakzeptabel. Bei einem solchen Sound allerdings zu verzeihen, hat sich der kleine Club doch vermutlich in Unkosten für diese hochwertige Anschaffung gestürzt. Schön war nach dem Konzert zu erfahren, dass die Band keinesfalls ernsthaft enttäuscht war. David hatte nicht viel erwartet, war in der Tat überglücklich als jemand eine CD von ihm kaufen wollte. Er würde auch für die noch folgenden Konzerte in Hamburg und Berlin nicht viel erwarten. Hauptsache, alles würde zufriedenstellend ablaufen. Und wenn der ein oder andere einen guten Abend verlebt hätte, wäre es alle Mühe wert gewesen. Persönlich bleibt mir zu sagen, dass ich School Of Language (Myspace) nur noch mehr in mein Herz geschlossen habe und hoffe, dass David nicht doch zu enttäuscht war von den ersten Erfahrungen in Deutschland und wie versprochen vielleicht im Herbst tatsächlich wieder kommt.  Ein gelungener Abend, ob mit oder ohne vollem Haus. Und eben das macht eine gute Band aus!

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