Konzertberichte

Ryan Adams – Koninklijk Theater Carré, Amsterdam, 06. Mai 2012

Ryan Adams

Nachdem sich Ryan Adams in den letzten Jahren eher rar machte, was Besuche in Europa und insbesondere auf dem europäischen Festland anbetrifft, scheint er sich nun seit dem Release seines achten Soloalbums „Ashes & Fire“ (die Cardinals Alben und Orion mitgerechnet ist er sogar schon bei 13) im letzten Jahr, einen schnelleren Besuchsrhythmus anzugewöhnen. So fand sich das mittlerweile 37 Jahre alte Songwriter-Idol nun bereits das zweite Mal in knapp einem Jahr in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam wieder. Statt des Concertgebouw wählte er nun das königliche Carré Theater und statt Laura Marling begleitete ihn nun Jason Isbell.

Wie vorgesehen begann der Support Jason Isbell dann auch um Punkt 20 Uhr sein Set. Isbell hat, auch wenn der Name der gleiche ist, nichts mit den in den Benelux-Staaten populären Isbells zu tun, sondern ist ein Singer-Songwriter aus Alabama. Einen Namen machte er sich unter anderem als Gitarrist der Drive By Truckers, bei denen er von 2001 bis 2007 in die Saiten haute. Seitdem ist der 33 Jahre alte Songwriter solo unterwegs und präsentierte seine Liedchen nun dem proppevollen Theater im Zentrum Amsterdams. Was er dort vortrug war nett gemachte Singer-Songwriter-Kost, die schnell vorüberflog. Unaufdringlich, schnörkellos und schnell wieder vergessen. Zu viel mehr als verhaltenem Applaus regte er deshalb auch niemanden an.

Es folgte eine sehr kurze Umbaupause, bei der die Gitarren getauscht wurden und noch ein Stühlchen für Ryan Adams hingestellt wurde. Nach einer kurzen Durchsage auf englisch mit einem schrägen russischen Akzent, die davor warnte, dass man während des Konzerts keine Fotos machen soll, weil sonst die Ordner kommen und das Handy zerstören würden (ist wohl so etwas wie die Einmarschmelodie von Ryan auf dieser Tour), betrat dann der Star des Abends die große, spärlich beleuchtete Bühne und nahm mit einem leisen Hi auf dem bereitgestellten Stuhl Platz. Bei dem leisen „Hi“ sollte es dann auch erst einmal bleiben, was den Gesprächsanteil des Abends betraf. Konzentriert und mit viel Gefühl sang er seinen Klassiker „Oh My Sweet Carolina“. Eine Nummer, bei der er auf seinem Debüt „Heartbreaker“ noch von der großen Emmylou Harris unterstützt wurde. Aber auch solo wusste er damit mehr als zu überzeugen und hatte sogleich die Herzen des Publikums gewonnen, das ihm während des gesamten Sets an den Lippen hängen sollte. So sehr, dass es während der Songs so still war, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können.

Das Schema blieb zunächst auch ganz einfach. Ryan spielte seine Songs im spärlichen Licht eines Spots auf seinem Stühlchen sitzend, nur unterbrochen vom lauten Applaus zwischen den Songs. Erst bei „Rescue Blues“ von seinem kommerziell erfolgreichsten Album „Gold“ kam etwas Abwechslung herein und der Amerikaner nahm an einem Klavier Platz, das links auf der Bühne stand. Ein Arrangement, das wohl mehr dazu diente, dass sich der Musiker nicht langweilte, das Publikum hätte ihn auch drei Stunden lang am gleichen Platz „ertragen“. Direkt nach „Rescue Blues“ erhob sich Ryan und ging nach ganz rechts zur Bühne, wo ebenfalls ein Mikrofon bereitgestellt war. Demonstrativ kippte er den Notenständer um und sprach auch erstmals ein paar mehr Worte zum Publikum. Er erklärte, dass es ein paar Plätze gäbe, an denen er gern seine traurigen Songs spielen würde, dieser sei einer davon.

So sollte es in der Folge auch weiter gehen, Ryan wechselte von Zeit zu Zeit den Standort. Mit der Zeit taute er auch immer mehr auf und erzählte immer wieder ein paar Kleinigkeiten. „Last night I dreamt, I am playing this show inside a giant cheeseburger. I just wondered if that means, we are the meat or the mustard. Just wanted to let you know, what goes on in my brain, when I’m not writing sad bastard songs“ war noch die harmlosere. Wichtiger Zusatz von ihm war dabei immer „If you don’t understand what I’m saying: I love you very much“. Die Setlist des Abends umfasste dabei ein riesiges Spektrum aus der knapp 15 jährigen Karriere des Musikers. Angefangen bei Whiskeytown Klassikern, wie „16 Days“ bis hin zu einer Reihe Songs von „Ashes & Fire“ bot er einiges auf.

Das Schmunzel-Highlight des Abends war wohl eindeutig ein ruhig geflüstertes Klavierstück Namens „Mr. Cat“, das Ryan vor „New York, New York“ vortrug. Ein Song, der an eine Katze gerichtet war. Ryan schildert darin, dass er Mr. Cat auf dieser Tour vermissen würde. Dass er ihn angerufen hätte und nur hörte, wie die Katze ihren Kopf an den Hörer lehnte. Dass er darüber nachgedacht hätte, der Katze ein Handy zu kaufen, was aber vermutlich nichts bringen würde, da sie sowieso höchsten drauf schlafen würde. Dazu schilderte er noch, wie weich die Katze sei. Sie sei so soft, dass, wenn sie ein Musiker wäre, sie Bassist bei Journey wäre, der softesten Band der Welt. Diesem Katzencontent folgte dann sogleich Ryan’s größter Hit „New York, New York“.

„Mr. Cat“ sollte aber nicht der letzte Katzencontent sein. Später erklärte Ryan noch, dass er es nur schaffen würde, zwei Stunden lang diese traurigen Songs zu spielen, wenn er sich vorstellt, er würde alle Songs für die Mitglieder von AC/DC spielen. Und wenn das nicht hilft, stellt er sich vor, das Publikum würde aus Katzenbabys bestehen. Ein Anblick, der ihn immer aufmuntern würde. Dem fügte er noch hinzu, dass er den letzten Song den Kittens auf dem Balkon widmen würde und spielte mit „Come Pick Me Up“ danach den vorerst letzten Song des Abends.

Natürlich kam er nach stürmemdem Applaus schnell wieder zurück auf die Bühne und spielte noch eine Zugabe. Dabei handelte es sich um „Holy Diver“ von Dio. Ein Song, bei dem er auch stimmlich in höhere Passagen muss, weshalb er vor dem Stück noch betonte, es würde ihm immer körperliche Schmerzen bereiten, diesen Song zu spielen, weil er eine bestimmte Note nicht erreichen könnte, ohne seine Juwelen etwas einzuklemmen. Für das Amsterdamer Publikum nahm er das aber in Kauf und legte noch einmal sein ganzes Herzblut in das Stück. Wir gingen danach zufrieden und mit der Gewissheit einen der begnadedsten Songwriter unserer Generation in bester Laune und mit einem mitreißenden Set angetroffen zu haben. Und wir hätten auch nichts dagegen, wenn sich Ryan Adams auch innerhalb der nächsten zwölf Monate wieder einmal nach Amsterdam oder noch etwas mehr in unsere Nähe verirrt.

Setlist Ryan Adams

Oh My Sweet Carolina
Ashes And Fire
If I Am A Stranger
Dirty Rain
My Winding Wheel
Rescue Blues (Ryan am Piano)
Please Do Not Let Me Go
Do I Wait
Firecracker
Everybody Knows
Sweet Lil‘ Gal (Ryan am Piano)
Why Do They Leave?
Let It Ride
English Girls Approximately
Chains Of Love
16 Days
Mr. Cat (geflüsterter Song über Katzen)
New York, New York
Damn Sam (I Love A Woman That Rains)
Jacksonville Skyline
Lucky Now
Come Pick Me Up

Holy Diver (Dio Cover)

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