Konzertberichte

Rockpalast Festival – Travis + Ben Folds + Donovan Frankenreiter + Fleet Foxes + Glasvegas + The Rascals, Essen, Grugahalle, 22. November 2008

Die Essener Grugahalle feierte dieser Tage ihren 50ten Geburtstag und da man im Leben auch nur einmal 50 wird, lud der WDR mit dem Rockpalast Festival zu einer ausgelassenen Geburtagsfeier. Dem Aufruf folgten leider nicht so viele wie erwartet und so wurde kurzerhand der größte Teil der Ränge mit riesigen blauen Vorhängen abgeshangen, um die Halle etwas intimer wirken zu lassen. Diejenigen, die es doch durch den Schnee in den Essener Westen geschafft hatten bekamen knapp 7 Stunden erlesener musikalischer Unterhaltung geboten. Den Startschuss gaben die Jungspunde des Abends, The Rascals, ab 17:30 Uhr vor ein paar hundert Menschen. Sänger Miles Kane, der kurz vor Einlass noch draußen vorbei schaute, um den frierenden Fans vor der Halle kurz einmal Hallo zu sagen, begrüßte freundlich die Anwesenden und startete in ein sehr kurzweiliges knapp 30-minütiges Set.
Dabei zeigte sich besonders Miles sehr sympathisch und plauderte in den Pausen immer wieder kurz mit dem Publikum. Die Songs ihres Debüt-Albums „Rascalise“ gewannen live einiges an Dichte hinzu, dennoch erweckten The Rascals mit ihrem Sound an diesem frühen Abend den Eindruck sich um den Titel als beste Oasis-Coverband bewerben zu wollen. Darauf hätten sie gute Chancen gehabt, wenn nicht schon lange Oasis selbst ihre beste Coverband wären.

Die Band war gut gelaunt und zeigte eine angenehme Spielfreude. So hätte es weiter gehen dürfen. Tat es aber nicht. Denn nach The Rascals betraten die Schotten von Glasvegas die Bühne. Die waren zwar eben so gut gelaunt und sehr sympathisch dank ihres schottischen Akzents, ihre Musik jedoch wirkte wie ein unappetitlicher Stadionrock-Brei mit viel Bombast und einer leicht unbeholfenen Dame am Schlagzeug. Nach einer halben Stunde vor einer nicht ganz halb vollen Halle verabschiedeten sich die vier Schotten dann auch schon und machten Platz für das erste Highlight des Abends.

Die Fleet Foxes standen nun nämlich auf dem Programm und sollten sich nun auch live, wie schon auf ihrem Debütalbum, als hoch talentierte, junge Musiker entpuppten. Gleich von Beginn an setzten sie ihre wunderschönen, klassischen Folk-Songs perfekt in Szene. Der Gesang war glasklar und auch mit dem Sound hatte die Band, im Gegensatz zu ihrem Auftritt auf dem Haldern-Pop 2008, keine Probleme.

Besonders stark dabei die Stücke „White Winter Hymnal“, „Sun It Rises“ und der Abschluss-Track „Blue Ridge Mountains“, mit sehr schönen Chören und sanfter Folk-Instrumentierung. Von Beginn an machte die Fleet Foxes immer wieder Witze über das Wort „Rockpalast“, unter dem der Abend stand. „Subjects of Rock… Are you ready for some rock? Soft folky Rock?“. Einem Besucher, der wohl dachte, er sei auf einem Volks-Fest und nicht bei einer Folk-Band, schienen die Fleet Foxes offensichtlich nicht zu gefallen und schrie „Lern erstmal deutsch, du Arschloch!“. Davon ließen sich die Fleet Foxes jedoch nicht stören und wurden am Ende ihres knapp 1-stündigen Sets mit einem langen Applaus belohnt, dem längsten Applaus des Abends.


Nach den Fleet Foxes hieß es dann erst einmal Geduld beweisen, denn es folgte Donovan Frankenreiter. Buddy von Jack Johnson und noch langweiliger als eben jener. Die eine Stunde, in der er sich auf der Bühne mit seinen Mitstreitern feierte, war aber auch irgendwann überstanden. Die Müdigkeit, die sich während seines Sets breitmachte, wurde durch den nachfolgenden Ben Folds glücklicherweise nicht noch verstärkt. Der nette Amerikaner spielte eine Stunde lang vor der inzwischen recht gut gefüllten Halle seinen überraschend unterhaltsamen Piano-Pop. Sehr lustig war auch zu beobachten, wie der Percussionist eingesetzt wurde. Da Ben Folds sich wegen des großen Tasteninstruments, das er spielte nicht wirklich viel auf der Bühne bewegen konnte, lief der Percussionist immer mal wieder mit einem Schellenkranz über die Bühne, machte ein paar Posen und ging wieder zurück auf seinen Platz.


Der Höhepunkt des Abends folgte dann um 23:20 Uhr mit den vier Schotten von Travis. Fran Healy und seine Mannen waren von Beginn an super aufgelegt und eröffneten mit dem „Ode To J. Smith“ Album-Opener „Chinese Blues“. Besonders Sänger Fran Healy grinste nicht nur während des Openers spitzbübisch. Vielleicht war das auch die Erleichterung, dass die Halle noch gut gefüllt war, denn nach der Show gestand er uns noch, dass er einige Bedenken wegen der Auftrittszeit gehabt hatte. „
We thought everyone would be going home but they stayed and we had fun.“


Das Publikum sang überschwänglich die Hits der Band, wie „Writing To Reach You“, „Sing“, oder auch „Closer“ mit und Travis bewiesen trotz einiger kleinerer Pannen, dass ihnen Wörter, wie Bühnenpräsenz und Spielfreude nicht fremd sind. Gerade die kleinen Fehler, wie Texthänger von Fran Healy und kleine Verspieler von Gitarrist Andy Dunlop, machten diese Band noch einmal umso sympathischer. Ein Highlight dann sicherlich, als Fran während „Falling Down“ von der Bühne in den Zuschauerraum kletterte und dort den Song weiter sang.


Der absolute Höhepunkt dann aber, als die Band zur Zugabe auf die Bühne zurück kam, Sänger Fran das Kabel aus der Gitarre zog, den Mikroständer weg stellte und sich mit der Band an den Bühnenrand begab, um „Flowers In The Window“ zu spielen. Hier zeigten sich die wahren Punks in Travis und Fran erklärte: „You’ve got to be dead quiet, if that’s ok, otherwise you won’t be able to hear us. I don’t think the cameras can record this, so this is just for you“. Das kleine Geschenk nahm die Menge natürlich gern an, wollte aber schon beim Refrain nicht mehr still sein und sang begeistert mit.


Als finale Zugabe spielten Travis dann noch, wie das inzwischen Tradition auf ihren Konzerten ist, ihren Klassiker „Why Does It Always Rain On Me“. Das Publikum und sogar eine der Kamerafrauen sangen von Anfang an mit. Vor der letzten Strophe instruierte Fran dann noch einmal das Publikum „so now, this has become a tradition, when we sing our last chorus, I ask you to do the oldest dance in the world, the Pogo. I want all of you to jump then. Don’t say, nah I’m too cool for this, it’s too late for being cool now, being cool stops at eleven o’clock“. Natürlich sprangen alle mit und brachten die Grugahalle zum Abschluss der Geburtstagsfeier noch einmal zum Beben, bevor der Abend um halb 1 vor leider lange nicht vollen Rängen, sein Ende fand.

An dieser Stelle noch ein TV-Tipp für euch:

06. auf 07.12.2008
00.25 – 03.25 Uhr im WDR
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit TRAVIS
DONAVON FRANKENREITER
GLASVEGAS
THE RASCALS
07. auf 08.12.2008
00.45 – 02.45 Uhr im WDR
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit BEN FOLDS
FLEET FOXES

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr von Travis hier, vom Rest hier

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