Konzertberichte

Ra Ra Riot, Köln, Blue Shell, 18. November 2008

Im Schatten der Finanzkrise fürchtet sich ganz Deutschland derzeit vor der Inflation. Eine Inflation der ganz anderen Art erreichte am 18. November das Rheinland. Denn neben The Kooks, die in Düsseldorf vor tausenden kreischenden Teenagern auf der Bühne standen, buhlten in Köln noch The Swell Season im E-Werk mit Support The Uglysuit, die kurzfristig aus dem Gebäude 9 zum Line-Up hinzugefügt wurden, MGMT in der ausverkauften Live Music Hall und Ra Ra Riot um die Gunst der Konzertgänger.

Das Buhlen war für Ra Ra Riot im Vorfeld von scheinbar geringem Erfolg gekrönt und so fand das Konzert nicht im Luxor, sondern im Blue Shell statt. Auf dem Weg dahin ist wohl auch der vorgesehene Support Schmackes & Pinscher verloren gegangen. Die wurden aber auch nicht wirklich vermisst, obwohl es die Beiden durch reine Anwesenheit sicherlich geschafft hätten die magische Zuschauermarke von 40 zu knacken. So viele hatten sich bei der riesigen Auswahl für Ra Ra Riot entschieden.

Die 40 Anwesenden sollten ihre Entscheidung nicht bereuen. Um circa 22 Uhr war es dann im Blue Shell so weit und die vier Jungs und zwei Mädels von Ra Ra Riot marschierten geschlossen auf die kleine Bühne des Blue Shell. Von Beginn an bewiesen sie dann auch, dass sie die Live-Umsetzung ihrer Songs vom Album „The Rhumb Line“ gekonnt beherrschen.

Das Cello von Alexandra Lawn und die Geige von Rebecca Zeller waren perfekt abgemischt und ließen eine fesselnde, leicht melancholische Note in die Songs mit einfließen. Gepaart mit der klaren Stimme von Sänger Wesley Miles sorgte das für einige Gänsehautmomente, etwa beim Hit „Dying Is Fine“ oder dem Album-Opener „Ghost Under Rocks“. So sorgte die Band in ihrem wirklich erstklassigem Zusammenspiel für einige großartige musikalische Momente. Nur beim Publikum wollte das dennoch nicht zu mehr als, durchaus ehrlichem, aber eben etwas verhaltenem, Applaus führen. Bei nur 40 Zuschauern aber natürlich nachvollziehbar.

Das störte aber Ra Ra Riot nicht, denn die zeigten ihre ganze Live-Stärke und machten das Beste aus dem Abend, indem sie auf der engen Bühne, auf der sich die Musiker sichtlich Mühe gaben, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten, ausgelassen tanzten und ein leidenschaftliches Set darboten. Etwa bei „Too Too Too Fast“, wo sie bewiesen, dass ihre Songs weitaus größere Kracher als die der Kooks sind und sogar zwei Teenager zu so etwas wie einer Indie-Interpretation von Jump-Style verführten. Nach knapp einer Stunde, ihrem gesamtem Album und dem Kate Bush Cover „Hounds Of Love“ als einzige Zugabe waren Ra Ra Riot dann auch leider schon fertig und verabschiedeten sich artig, allerdings nicht ohne danach noch zu versprechen im Frühjahr wieder zu kommen. Dann vielleicht vor mehr als 40 Zuschauern? Verdient haben sie es!

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier


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