Konzertberichte

Propagandhi + Matula, Köln, Essigfabrik, 23. April 2009

Foto: Myspace der Band

Essigfabrik, die neue Eventlocation in Köln. WhiteTapes durfte zum ersten Mal testen und machte sich letzten Donnerstag auf dem Weg zur wütendsten Band der Welt, wie sie einst im Van Cleef Newsletter betitelt worden sind. Propagandhi aus Kanada mit neuen Album im Gepäck und Wut im Bauch. Als Support Act betreten die Matula die Bühne, die einen schweren Stand haben werden.

Verwundert reibe ich mir die Augen, als ich um Zwanzig Uhr Abends (in Zahlen: 20) vor der Essigfabrik stehe und sämtliche Türen verschlossen sind. Eine Handvoll Menschen stehen links und rechts von mir und leeren das wahrscheinlich nicht erste Bier, vielleicht auch nicht das Letzte. Kurz nach Acht werden endlich auch die Türen geöffnet und auf einmal strömen aus allen Winkeln Menschen herbei und erbeten Einlass. So wirklich auf einen Nenner kommt das Publikum nicht. Der ältere Herr steht neben dem tätowierten Hardcore Typen, der eins weiter auf den Student mit seiner hübschen Indiefreundin schielt. Unterschiedlicher und gemischter kann das Publikum kaum sein, aber alle sind sie hier um die Fäuste in die Luft zu schwingen. Zunächst schaffen sich Matula erstmal Luft. Die braucht man hier. Zwar ist es draußen angenehm warm, drin jedoch sucht man vergebens den Mann mit dem Aufguss, der die Essigfabrik endgültig zu dem Macht, was sie ist – die pure Saunalandschaft. Matula spielen eine halbe Stunde, haben recht annehmbare Melodien die an Bands wie Turbostaat oder Trend erinnern. Ein großes Manko hierbei, man versteht den Gesang nicht. Zum Leid der Band, die garantiert nicht schlecht war. Nach 30 Minuten applaudieren alle und warten nun.

Foto: Myspace der Band

„Supporting Caste“ heißt das neue Album, dass sie nun auch betouren. Die böse Band, die in Deutschland von der nette Dame van Cleef betreut wird. Knapp 70 Minuten Volldampf. Mag für dem nüchternen Leser ein wenig kurz sein, ist für die knapp 800 zahlenden Besuchern die richtige Länge gewesen. Spricht man bei Propagandhi eigentlich von Hits, oder sind es doch Manifeste? Egal welche Sichtweise, es wurde nichts ausgelassen und ein bunter Strauß auf über 15 Jahren Bandgeschichte gespielt. Eher dann wohl ein Anti-Manifesto. Songs vom Erstlingswerk „How to Clean everything“ fehlten hier natürlich nicht. „Fuck Religion“ im Song „Hallie Sallasse“ wurde von einer Horde an Mittelfinger begleitet, „Back to the Motor League“ macht den Pogopit endgültig zur Selbstverteidigungszone und die vier Kanadier, die selten ein gutes Wort verlieren, hatten Spaß an der German Crowd. Todd Kowalski singt heute mal nicht, wirkt trotzdem das ein oder andere Mal gefährlich böse, als würde er die ganze Wut der Band in sich beheimaten. Auch Songs vom neuen Album durften nicht fehlen, so fielen gerade der Titelsong und „Dear Coachs Corner“ positiv auf. Wer Propagandhi kennt, weiß, worauf er sich einlässt. Enttäuscht wird man keinesfalls. Einzig und alleine die Bierbecherwerfen nerven, auch Sänger Chris Hannah, der des Öfteren nur knapp verfehlt wird und einmal sogar getroffen. Ob sich der Werfer den versprochen Faustschlag abgeholt hat, man weiß es nicht, verdient wäre es. Nach 70 Minuten und zwei Zugaben war es dann auch schon vorbei. Das Anti-Manifesto beendete den Abend. Und wie hat die neue Eventlocation in Köln nur abgeschnitten? Warm war’s, der Rest bedarf noch einiger Arbeit. Bei Propagandhi zum Glück nicht, die schaffen es immer, Erwartungen zu erfüllen.

Fotos: Myspace der Bands

Discussion

Comments are closed.

Archive