Konzertberichte

Polarkreis 18 – Konzerthaus Dortmund, Dortmund, 29. März 2008

Vor kurzem noch waren Polarkreis 18 im Vorprogramm der Smashing Pumpkins in Deutschland unterwegs und jetzt stehen sie zu einem ganz besonderen Projekt auf der Bühne des Dortmunder Konzerthauses. Verglichen mit diesem Unplugged waren die Konzerte mit den Kürbissen wahrscheinlich Routine, wenn man die Anspannung der Band zu Beginn richtig interpretiert. Wer die Musik von Polarkreis 18 kennt, weiß dass sie sehr elektronisch geprägt ist, mit vielen Synthies, druckvollem Schlagzeug und E-Gitarren, irgendwo zwischen Radiohead, Muse und The Cooper Temple Clause. Umso spannender also das Ganze Unplugged zu erleben. Passenderweise beschallt der Tonmann die Besucher vor dem Konzert mit „In Rainbows“ von Radiohead, das erzeugt schon eine schöne Atmosphäre.

Punkt 21 Uhr betritt dann auch Felix Räuber allein die große Bühne, setzt sich an den Flügel und spielt erst einmal die ersten beiden Stücke allein. Der Saal scheint erst einmal hypnotisiert und niemand traut sich die gespannte Atmosphäre nach dem Ende von Felix‘ Solo durch Applaus zu stören. So lässt der erste Applaus dann auch auf sich warten, bis das Licht über ihm ausgeht und klar ist, ok, wir dürfen jetzt klatschen. Leider ein etwas aufgesetzter überzogen langer Konzerthausbesucherapplaus, aber so ist das eben in diesen Locations, sind doch neben vielen Fans auch viele typische Konzerthausbesucher zu Gast, die ein wenig Popkultur erleben wollen. Nach dem Solo am Flügel kommt dann auch der Rest der Band und beweist, dass auch die stark elektronisch geprägten Stücke vom Polarkreis auch wunderbar Unplugged funktionieren. Am auffäligsten an diesem Abend, dass Stücke, die auf dem Album eher vor sich hinplätschern zu den ganz große High Lights werden. Zwischen den Stücken erklärt Felix immer mal wieder wie schwer es teilweise war für das Unplugged Stücke umzuschreiben und Kompromisse beim Instrumenteneinsatz zu machen. Großes Gelächter dann, als er erklärt, dass auf eine E-Gitarre bei ein paar Stücken einfach nicht verzichtet werden konnte, weshalb sie jetzt eine batteriebetriebene E-Gitarre dabei haben, die auch eher durch einen schrammeligen, als durch einen treibenden Sound überzeugt. High Light des Abends ist dann neben einem Klatsch- / Tanzduell von Sänger und Gitarrist und einer singenden Bohrmaschine (betrieben durch eine Autobatterie) sicherlich das stärkste Stück des Albums „Crystal Lake“, das einfach perfekt Unplugged umgesetzt wurde und durch die Übertragung nichts von seinem Druck hat einbüßen müssen.

Das Zugabenset beinhaltet dann noch den Übersong „Dreamdancer“, der merklicher weise unter der Übertragung ins Unplugged gelitten hat, das überspielen die Jungs aber geschickt und geben eine Buena Vista Social Club Version zum Besten. Zurück bleibt das Gefühl eine der besten deutschen Bands in ganz besonderer Atmosphäre und schwieriger Location gesehen zu haben, denn wenn eine Band es schafft Songs, die so stark von Elektrosounds geprägt sind wie diese in einer Location wie dem Konzerthaus, das keinen schiefen Ton verzeiht, so überzeugend vorzutragen, dann kann es sich nur um eine ganz große Band handeln. Einzigartig hierbei natürlich auch die Stimme von Felix Räuber, irgendwo zwischen Chorknabe, Falsettstimme und Modern Talking. Ganz Konzerthaus holen sich die Jungs dann auch nach dem Konzert ihre Standing Ovations ab und verbeugen sich brav. Natürlich auch noch einmal angemessener Applaus als die Sechs beim Verlassen des Backstagebereichs gesichtet werden.

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