Konzertberichte

Peter Broderick – Pension Schmidt, Münster, 24. August 2015

Es kann an unserer persönlichen Liebe zu Münster und der damit verbundenen selektiven Wahrnehmung liegen, aber, man hat schon das Gefühl, wenn ein Musiker einmal in Münster gespielt hat, kommt er gern wieder. So zum Beispiel der Schwede Björn Kleinhenz und die US-Amerikaner Kevin Devine und Rocky Votolato, die über die letzten Jahre bestimmt jeweils auf mindestens ein halbes Dutzend Konzerte in Münster kommen. Den auf den britischen Kultlabels Erased Tapes und Bella Union beheimatete Multiinstrumentalist Peter Broderick kann man auch zu einem dieser Musiker zählen.

Nach seinem ersten Abstecher im Jahr 2009, kurz nach dem Release seines zweiten Longplayers „Home“, schaute er in diesem Jahr im Mai wieder in Münster vorbei, um als Bandmitglied von Chantal Acda ein wunderschönes Konzert in der Dominikanerkirche zu geben. In diesem Zeitraum veröffentlichte er auch sein neuestes Album „Colours Of The Night“, das er nun im Sommer ausführlich in Deutschland betourte und da er sehr gute Erinnerungen an seine letzten Abstecher hatte, schaute er wieder gern vorbei.

Peter Broderick mit PWRHAUS – Pension Schmidt, Münster, 24. August 2015

Das Konzert, das ein Teil der 〔 audiǝnce 〕Konzertreihe war, sollte ursprünglich als Open-Air unweit des Aasee in Münster stattfinden, wurde aber wegen des angekündigten Regens in die Pension Schmidt verlegt. Es barg dann schon eine gewisse Ironie, als das Konzert pünktlich um 20 Uhr begann und draußen keine Wolke am Himmel zu sehen war. Organisator Wilko Franz witzelte deshalb bei der Einleitung auch ein wenig und bedankte sich bei den Mitarbeitern der Pension Schmidt, die so freundlich waren, die Veranstaltung „wegen des strömenden Regens“, bei sich aufzunehmen.

Eröffnet wurde der Abend dann nach dieser Einleitung durch den Musiker Tony Star, der Songs seines „Mal-Solo- / Mal-Bandkollektiv“-Projekts PWRHAUS im Gepäck hatte. Mit seinen Songs hat er sich in und um Portland bereits einen Namen gemacht und darf neben Peter Broderick auch den Fleet Foxes Sänger Robin Pecknold zu seinen Fans zählen. Deshalb wird PWRHAUS von der lokalen Presse auch gern als „Portland’s best-kept secret“ bezeichnet. Star ist trotz seines schillernden Namens allerdings kein Mensch der das Scheinwerferlicht sucht, sondern eher ein sanfter, in sich gekehrter Ästhet.

Das merkte man auch direkt an seiner ersten Begrüßung, die er mit leicht brüchiger Stimme, fast flüsternd sprach. In seinen PWRHAUS Songs singt er über das Ende einer Beziehung und bringt dabei, meist nur von Gitarre, oder Klavier begleitet, viel Gefühl in seinen Vortrag. Klingt vom Ansatz ein wenig, wie bei Scott Matthew, nur dass Tony Star trotz seiner schüchternen, leisen Sprechweise, mit seiner Gesangsstimme in ganz andere Dimensionen vorstößt. Er schmettert seine Stücke nämlich mit einer Inbrunst und Stimmgewalt, als sei er eine Mischung aus Jack Black und Steven Tyler und wirkt sogar optisch wie eine Mischung aus beiden. Vom einen hat er die den Körperbau, die eher geringe Körpergröße und den Bart, vom anderen die langen dunkelblonden Haare und den exzentrischen Kleidungsstil, der irgendwo zwischen Hippie, dem Zigeunerklischee aus Zeichentrickfilmen und Großmutter anzusiedeln ist.

Die Musik von PWRHAUS war dann allerdings nicht so interessant, wie die Person dahinter. Die Mischung aus Soul, Folk und klassischem Singer-Songwritertum wirkte leider viel zu häufig wie ein reines Klischee und auch textlich boten die Songs wenig Abwechslung, da es, wie erwähnt, in allen Songs um das Ende (einer wohl ganz besonderen) Beziehung geht und die Verflossene immer mit „Baby“ oder „Babe“ angesprochen wird. Die Songs, in denen es dann einmal nicht um seine Verflossene geht, wenden sich dann einfach direkt an „Gott“.

Peter Broderick mit PWRHAUS – Pension Schmidt, Münster, 24. August 2015

Nach ca. vierzig Minuten ging Tony Star dann unter lautem Applaus und mit einem leisen „thank you“ von der Bühne. Der Abend war für ihn damit aber noch nicht vorbei, denn später sollte er noch Peter Broderick unterstützen. Der stand pünktlich um 21 Uhr auf der Bühne und bestritt sein folgendes Set auch zumeist mit spärlicher Instrumentierung an Gitarre oder Klavier. Das bedeutet aber nicht, dass er keinen vollen Sound kreiert hätte. Denn, wie der kanadische Musiker Owen Pallett, setzt Broderick live auf jede Menge Loops aus Gesang, Gitarrenklängen, Geigen- und Keyboard-Sounds. Beim Titeltrack seines aktuellen Albums „Colours Of The Night“ erschuf er auf diese Art einen hallenden Chor und durch zwei unterschiedlich eingestellte Mikros gelang es ihm, ein Duett ganz allein zu singen. Das sorgte für eine klangliche Vielfalt, die manche Musiker nur im Kollektiv und auf zehn Alben vereinen. Peter Broderick blickt aber ja trotz seines Alters von nur 28 Jahren, auch schon auf 16 Releases zurück und schafft diese Vielfalt live fast komplett solo. Das auch, ohne zu experimentell zu wirken. Bei Broderick wirkt der Wechsel zwischen reinen Pianostücken, über soulig angehauchte Songs, zu sanften Songwriter-Stücken und fast bombastischen Pop-Momenten nie gekünstelt.

Daran erkennt man einen Vollblutmusiker. Er spannt einen natürlichen Spannungsbogen mit sinnvoll platzierten Brüchen für einen atmosphärisch dichten Abend, bei dem man sich wünscht, dass er nie aufhören möge. Musste er natürlich leider doch irgendwann und so verabschiedete sich Peter Broderick nach seiner Zugabe lächelnd von der Bühne. Nicht, ohne nach einem Dankeschön von Veranstalter Wilko, noch einmal zurückzukommen. Dieses Mal noch etwas breiter lächelnd, als nach der Zugabe. Immer noch stark lächelnd. Warum, er erläuterte dann. Tontechniker Tobias hatte nämlich seinen Hund Irma dabei und hat Peter vor dem Konzert gesagt, dass Irma die Angewohnheit hat, vor der Bühne lang zu laufen. Das hatte sie auch bei der Zugabe getan, weshalb Peter sein perfektes Ende hatte und deshalb fast ein wenig traurig war, dass er sich noch einmal zu einer Zugabe hinreißen ließ. Dennoch spielte er diesen letzten Song wieder voller Hingabe und sorgte für das Sternchen an einem Abend, den wir auch schon so mit 1+ benotet hätten.

Fotos: Ariane WhiteTapes

Facebook // Myspace // Label

Musik von Peter Broderick bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive