Konzertberichte

Pete & The Pirates, Gleis 22, Münster, 07. September 2010

Man muss ja sagen, es ist durchaus eine der guten Seiten der deutschen „Über Musik berichtenden Szene“, dass sie nicht jeden Hype aus dem NME aufnimmt und hier auch abfeiert. Hier wird gefeiert was gefällt und wenn sich das mit dem NME überschneidet, so what. Manchmal liegt aber auch der NME richtig und die deutsche Szene sollte da vertrauen und sich einen Hype einmal genauer ansehen. Zum Beispiel das Quintett Pete & The Pirates aus Reading. Das wurde schon früh vom NME abgefeiert. Große Aufmerksamkeit konnten sie in Deutschland jedoch nie erzeugen. Völlig zu unrecht, ist die junge Band doch eine der originelleren und vor allem unterhaltsameren Indie-Rock Bands. Aber wenn schon die Kritiker die Band nicht mitbekommen, dann baut man sich halt selbst eine Fanbase auf. Darin sind Pete & The Pirates verdammt gut. Bereits bei ihrem letzten Deutschland-Besuch vor knapp zwei Jahren im Kölner Studio 672 füllten sie den Club fast bis zum Anschlag. Und auch in Münster zeigte sich, dass die Band, die ihr Debüt-Album „Little Death“ 2008 beinahe komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlichte, es unter Musikfreunden zu einem ausgewachsenen Geheim-Tipp geschafft hat.

Der Münsteraner Kult-Club war zwar bei der Vorband noch spärlich gefüllt, das hatte aber auch seinen Grund. Der klang stark inspiriert von den Kilians und spielte eine halbe Stunde lang ein Lied. Es folgte eine lange Umbaupause, in der es im Gleis 22 dann auch langsam kuschelig wurde. Anfang des Jahres erschien „Little Death“ auch hier, das hat zwar die oben erwähnte Szene nicht bemerkt, aber immerhein Musikfans im Münsterland und die feierten ab der ersten Minute euphorisch mit der Band aus Reading. Pete & The Pirates hatten die Zuschauer schnell um den Finger gewickelt und durften sich über fröhliches Mitzappeln im Publikum freuen. Die schnellen Songs mit den überraschenden Wechseln und der extremen Melodieverliebtheit, in der viele kleine Details das durch die versprühte gute Laune bereits große Grinsen, noch weiter wachsen ließen. Auch die vielen neuen Stücke wussten sofort zu überzeugen, genau genommen spürte man im Publikum nicht eine Spur von unterschiedlichen Reaktionen. Der Applaus war nach jedem Song riesig und die knapp 50 Minuten rauschten nur so im Gleis 22 vorbei.

Entsprechend groß waren dann die Forderungen nach einer Zugabe, für die Pete & The Pirates dann auch schnell zurück kehrten. „Jennifer“ und „Come On Feet“ standen auf dem Plan und das Publikum drehte noch einmal komplett frei. Thomas Sanders und seine Jungs auch. Besonders über Thomas ließ sich sagen, dass er an diesem Abend eine noch souveränere Figur als Sänger machte, als noch vor zwei Jahren in Köln, oder vor einem Jahr als wir seine Band in Brüssel sahen. Nun führte er die Band, war präsent und bildete eindeutig den Mittelpunkt der Bühnenperformance. Vielleicht hatte er sich einiges von Morrissey abgeschaut und vermutlich auch von Paul Smith, mit dem durfte er ja bereits das ein oder andere Konzert spielen. Das tat dem Auftritt der bereits stark aufspielenden Band in sofern gut, da es nun einen Fixpunkt mit Präsenz gab, an dem sich der Abend ausrichtete. Bisher war es bei Konzerten von Pete & The Pirates nämlich eher so, dass eine starke Band, ohne starken Frontmann auskommen musste und so vielleicht nicht jeden mitreißen konnte, da viele Leute auch eine Identifikationfigur brauchen. Das haben Pete & The Pirates nun jedenfalls geschafft und den Weg geebnet für ihren baldigen Durchbruch in Deutschland. Wenn sie dabei so auf dem Boden bleiben, wie an diesem Abend in Münster, dann steht der Band hier noch einiges bevor. Nach der Show reichte Bassist Peter Cattermaul dann auch noch jedem der Zuschauer am Ausgang die Hand zum Abschied und entließ so wohl auch den letzten mit einem guten Gefühl in die Nacht.

Fotos: Ariane WhiteTapes, noch mehr vom Abend hier

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