Konzertberichte

Paul Smith, Gebäude 9, Köln, 10. November 2010

Es ist gerade erst einen Monat her, dass Maxïmo Park Frontmann Paul Smith die derzeitige Pause seiner Hauptband nutzte, um mit „Margins“ sein erstes eigenes Album zu veröffentlichen. Ein Album, mit dem der junge Brite einige neue Facetten seines Songwritings offenbarte und dabei seine Stärken voll ausspielte. Da waren wir natürlich sehr gespannt, wie die Live-Umsetzung der Songs des Nord-Engländers gelingt. Große Zweifel an der Qualität hegten wir allerdings nicht, da er mit seiner Haupt-Band Maxïmo Park live eine Bank ist. Also folgten wir natürlich gern dem Ruf ins Kölner Gebäude 9, in dem Paul Smith knappe eineinhalb Jahre zuvor mit Band neue Songs des dritten Maxïmo Park Albums „Quicken The Heart“ vorstellte. Dieses Mal standen seine eigenen Stücke auf dem Programm. Die Zahl derer, die sich im Gebäude 9 einfanden war auch dieses Mal wieder hoch und der Club gut gefüllt.

Die Band, die er dieses Mal dabei hatte, war natürlich eine andere und spielte in dieser Formation bisher vielleicht etwas mehr als 10 Mal zusammen. Von Unsicherheit aber nichts zu spüren, als Bassistin Claire Adams, Gitarristin Rachel Lancaster und Drummer Andy Hodson, der sich auch für die Produktion von „Margins“ verantwortlich zeigte, die Bühne betraten und das erste Stück anstimmten. Ein wenig nervös wirkte hingegen der Mittelpunkt des Abends, Paul Smith. Mit dieser leichten Verlegenheit hatte man ihn seit den ersten Deutschland-Auftritten mit Maxïmo Park Anfang 2005 nicht mehr gesehen. Dennoch gelang ihm aber zunächst allein eine starke Eröffnung des Abends mit dem gefühlvoll vorgetragenen „While Your In The Bath“. Mit dem Stück „North Atlantic Drift“, das es vor Release des Albums zum Gratis-Download gab, gab es dann das erste Mal am Abend etwas rockigere Töne. Die bestimmen bei Maxïmo Park bekanntlich ein Konzert, sollten aber an diesem Abend rar gesät sein. Was in Anbetracht des Albums natürlich keine Überraschung darstellte.

Paul Smith mit umgeschnallter Gitarre gab dabei vielleicht zunächst ein ungewohntes Bild ab, aber den Sechssaiter meisterte er ohne größere Verspieler. So entwickelte sich auch mit den ruhigeren Stücken, die Paul Smith an diesem Abend präsentierte, eine fesselnde, intime Stimmung, in der man die ganze Zerbrechlichkeit der Songs noch mehr spüren konnte, als auf dem Album. Aber nicht nur mit den Album-Tracks schaffte er es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Gerade bei der Cover-Version von Arthur Russell’s „A Little Lost“ schien die Spannung so groß, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können. Spätestens nach diesem Vortrag hätte der Abend beendet werden können und jeder Besucher hätte höchstwahrscheinlich zufrieden den Heimweg angetreten. Ende war aber noch lange nicht, denn mit dem tollen „I Drew You Sleeping“ und der aktuellen Single „Our Lady Of Lourdes“ warteten unter den restlichen Songs des Abends noch mindestens zwei große Highlights auf die Zuschauer, bevor sich Paul Smith und Band kurz von der Bühne verabschiedeten.

Es sollte aber nicht lange dauern, bis zunächst Paul und Andy für den Album-Abschluss „Pinball“ auf die Bühne zurückkehrten, ein ruhiges Stück, bei dem Paul auf dem Album allein von Ukulele und Cello begleitet wird. In der Live-Fassung gab es leider nur die Ukulele, die Andy am Ende zurückstellte, um Paul für die letzten beiden Songs ganz allein auf der Bühne zurückzulassen. Und wer nun dachte, das Set würde nicht mehr allzu viel bereit halten, da bereits alle Songs von „Margins“ durch waren, der hat sich auch dieses Mal geirrt. Denn mit „Tanned“, einem Stück von „Quicken The Heart“ hielt Paul eine ganz besondere Überraschung bereit. Mit dem größten Highlight verabschiedete der Nord-Engländer dann das Kölner Publikum in die Nacht. Er wartete nämlich mit einer ganz speziellen Version von „By The Monument“ auf, die in der Bridge nahtlos in „Apply Some Pressure“ überging, um am Ende wieder mit dem Refrain von „By The Monument“ zu schließen. Das Ganze derart reduziert auf Stimme und seine Fender, dass man sich an die Sin-é Sessions von Jeff Buckley erinnert fühlte – bemerkenswerterweise sogar stimmlich. Gänsehaut war vorprogrammiert und der Applaus am Ende des Sets verdient laut. Der wäre vielleicht sogar noch größer ausgefallen, wenn nicht recht schnell Licht und Musik angegangen wären. Am Ende gingen alle mit der Erkenntnis, dass nicht nur ein Maxïmo Park Konzert ein einzigartiges Erlebnis ist, sondern das Paul Smith alleine ebenfalls eine ganz besondere Atmosphäre zaubern kann.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr vom Abend hier

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